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Idrasmine
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Post by Idrasmine » Thu Apr 19, 2018 10:51 pm

Mit bleichen, fahlen Gesichtern und immer noch zitternd betrachten die zwei Verletzten das Innere der Hütte.
"Das ist nicht gut", sagt Ron mit der Stimme eines kleinen Jungen. "Was bei den Niederhöllen lebt hier drin?"
"Das ist völlig verrückt", antwortet Quin mehr zu sich selbst. "Einsamkeit. Die Dunkelheit dieses verfluchten Landes. Das hat das hier sicherlich ausgelöst". Er wirft einen Blick zur Wand. "Irgendjemand ist hier so einfach durchgedreht."

"Ich habe mir gerade das Innere der Hütte angesehen, als ich eure Schreie hörte", antwortet Praiala betont ruhig.

Es gelingt Praiala schließlich die Männer dazu zu bewegen ihre nasse Oberbekleidung abzulegen.
Auch sie legt ihren nassen Umhang ab, sucht nach einer Möglichkeit ihn ein wenig aufzuhängen und sieht dabei sehnsüchtig zu dem verrosteten Ofen.
Unerschrocken nimmt Praiala die größeren Schädel herunter die auf den Deckenbalken angenagelt waren. An den aus dem Holz herausstehenden Nägeln lassen sich die nassen Kleidungsstücke über dem Ofen aufhängen.

Nun macht sich die Geweihte jedoch erstmal an die Versorgung der Wunden, nicht, dass die beiden noch verbluten.
Quin, der große Garetier, legt seinen Fuhrmannsmantel und das Hemd auf den Tisch, packt eine Feldflasche aus und trinkt kräftig daraus während Praiala seine Wunden untersucht.
Neben der schweren Kopfverletzung, die ihm die Kreatur wohl mit dem massiven Schnabel geschlagen hat, ist seine linke Schulter von den Klauen der Bestie durchbohrt worden. Das Schlüsselbein wurde dabei geradezu ausgerissen und sitzt nun schief im blutigen Fleisch. Jeder Versuch den Arm zu bewegen führt nur zu starken Schmerzen.
Ron, der Almadaner, ist nicht minder schlecht beieinander. Seine Kopfverletzung ist zwar nur oberflächlich, dafür ist seine Brust von mehreren tiefen Klauenwunden durchbohrt. Nur durch pures Glück wurden keine lebenswichtigen Organe verletzt.
Beide sind mitlerweilen durch den starken Blutverlust am Ende ihrer Kräfte, sowohl physisch als auch psychisch.

Als Praiala Verbandszeug, Wundpulver und eine Flasche Einbeerentrank aus ihrem Rucksack holt hilft Quin seinem Freund Ron dabei sich auf den Tisch zu legen und sinkt dann selbst erschöpft auf den Holzstuhl.

Praiala hat sich nur an sehr wenigen Orten so fern der Macht der Götter gefühlt und in ihr keimt die Unsicherheit ob ihre Gebete an diesem finsteren Ort überhaupt erhört werden können. Trotz dieses Gefühls der Gottverlassenheit legt Praiala Ron sanft die Hand auf die verwundete Brust und spricht: "Gütige Herrin Peraine, mein Herr Praios, seht diesen armen Sterblichen. Ich bitte Euch, nehmt ihm die Schmerzen, schenkt ihm von der Lebenskraft, heilt ihn in Eurem Namen."
Unter Praiala's Hand hört die Brustverletzung auf zu bluten als der
Heilungssegen
Liturgiekenntnis, Praios
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
+2 Grad der Liturgie (Grad 0)
-14 Dämonenbrache (Randgebiet)

Wirkung: Der Segen heilt 7 LeP
seine Wirkung zeigt.
Als die Geweihte erkennt, dass ihr Gebet erhört wurde wendet sie sich auch Quin zu, legt ihm behutsam die Hand auf die verwundete Stirn und betet auch für ihn um einen
Heilungssegen
Liturgiekenntnis, Praios
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72:2
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
+2 Grad der Liturgie (Grad 0)
-14 Dämonenbrache (Randgebiet)

Wirkung: Der Segen heilt 7 LeP
.

"Habt vielen Dank für eure Hilfe", wendet sich Quin an Praiala als diese den auf dem Tisch liegenden Almadaner
verarztet
Heilkunde Wunden, Erstversorgung
KL
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FF
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Mod.
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-5
72:0
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-5 Oberflächliche Schädelverletzung
-0 Oberflächliche Rumpfverletzung (Heilsegen)
.
"Ich bin Quin und das ist mein Freund Ron, wir haben uns wegen Schulden zum Schatzsuchen überreden lassen. Wir hätten das niemals tun dürfen."

"Ich bin Praiala Greifeneck und ich helfe gerne", antwortet sie, sieht kurz auf und blickt die beiden etwas strenger an. "Die Brache ist kein Ort an den man sich leichtfertig begeben sollte, wie ihr selbst gemerkt habt. Was sind das für Schulden, die so auf euch lasten, dass ihr euer Leben und vor allem eure Seelen waghalsig riskiert?"
Die Geweihte schüttelt den Kopf "Ich bezweifle, dass es hier Schätze gibt. Und selbst wenn man hier noch wertvolle Dinge finden sollte, könnten sie doch durch den dämonischen Einfluss verändert worden sein und nun eine Gefahr für euch und all jene bedeuten, denen ihr sie aushändigen wollt."
Praiala atmet tief durch, überlegt kurz und mustert die beiden.
Als sie mit Ron fertig ist
versorgt
Heilkunde Wunden, Erstversorgung
KL
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-3
72:3
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-3 Einfacher Gliedmaßentreffer
-0 Ernsthafte Schädelverletzung (Heilsegen)
sie auch Quin's Wunden.

Nachdem die beiden vorerst versorgt sind wendet Praiala sich wieder den Beiden zu. "Wie kam es, dass ihr so hoch verschuldet seid, dass ihr hier euer Leben riskiert? Und eure Seele?" fragt sie mit besorgtem Blick.

"Wahrscheinlich ist es eine göttliche Fügung, dass gerade eine Praiosgeweihte uns rettet", meint Quin kleinlaut. "Wir hatten uns eine große Summe Geld von so einem Geldverleiher in Meilersgrund ausgeborgt. Das Geld war für's Hunderennen, wir hatten da einen todsicheren Tipp von einem Freund, der mischt den Hunden alchemistische Mittel ins Futter. Aber irgendwie ging alles schief. Und der Geldverleiher, verkaufte unsere Schulden an die Alte Gilde. Die Fackeln nicht lange, also bin ich zu einem Kumpel für den ich früher Einbrüche gemacht hab... und der erzählte mir von dem Antiquitätenhändler Arthogrosch und dass der für Zeug aus der Brache horrende Summen bezahlt..."
Nachdem Praiala die Wunden der zwei Männer mit Wundpulver desinfiziert und sie sorgfältig verbunden hat um zu verhindern, dass Schmutz eindringt, gibt sie ihnen noch je einen Schluck Einbeerentrank.

Anschließend machen die drei ein Lager auf dem Boden zurecht damit Ron und Quin sich ausruhen können.
Praiala begibt sich auf die Suche nach trockenem Holz für den Ofen. Da es draußen regnet nimmt sie schließlich eine Axt die sie auf der Werkbank im Anbau findet und zerkleinert den Stuhl in Stücke mit denen sie den Ofen anfeuert.

"Seid mir nicht böse, dass ich das frage. Aber wie geht's weiter?", fragt Quin sie schließlich.
Ausdruckslos sieht er dabei zur Wand, sein Blick auf die unzähligen Schädel gerichtet. "Wir können nicht mehr weiter. Wir sind am Rande unserer Kräfte und in einer Stunde ist es da draußen stockfinster. Wir sind völlig durchnässt. Wir würden erbärmlich erfrieren." Einige Sekunden lang sagt niemand ein Wort, sie tauschen nur Blicke aus.

Ron schüttelt schließlich den Kopf. Er krümmt sich und sieht aus, als wolle er in Tränen ausbrechen. "Ich bin so müde, dass ich kaum noch gucken kann. Doch wer weiß ob wir jemals wieder aufwachen wenn wir jetzt einschlafen."
Quin nickt ihm zu, "Ich glaube nicht, dass ich hier auch nur eine Minute die Augen schließen kann."

"Ich hoffe ihr seid hier über Nacht sicher. In diese Richtung kommt ihr dann am morgen am schnellsten aus der Brache", antwortet Praiala und beschreibt ihnen den Weg auf dem sie gekommen war.

Ein Windstoß stößt plötzlich die Tür auf und fegt feuchte Luft in die Hütte. Der Geruch des modrigen Waldes breitet sich im Zimmer aus als wolle er sie verdrängen.
Last edited by Idrasmine on Sun Jun 17, 2018 7:46 am, edited 3 times in total.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Fri May 25, 2018 8:27 am

Nachdem sich Praiala ihre Ersatzkleidung angezogen hat zieht sie noch den wetterfesten Pilgerumhang mit Kapuze über. Sie verstaut die nasse Kleidung im Rucksack, verabschiedet sich von Ron und Quin, wünscht ihnen Praios Segen und verlässt das Haus.

Inzwischen ist es draussen stockfinster geworden. Glücklicherweise ist Praiala's Sturmlaterne wetterfest und so macht sich die Geweihte mit der Laterne in der Hand und in den gewachsten Kapuzenumhang gehüllt auf die
Suche nach dem Pfad
Wildnisleben
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77:0
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-3 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
-6 Gelände/Dämonenbrache (GDdG 194)
-16 Absolute Dunkelheit (KuK 122)
+10 Licht der Sturmlaterne (KuK 122)
, auf dem sie in die Brache gewandert ist. Aufgrund der Finsternis, des starken Regens und des dichten Waldes kann sie jedoch keine Spur mehr entdecken und so entschliesst sie sich, mit Hilfe ihres Südweisers, trotz des unwegsamen Geländes möglichst in südlicher
Richtung
Orientierung
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-12 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
-5 Gelände/Dämonenbrache (GDdG 194)
+3 Südweiser (HuK 174)
tiefer in das verfluchte Land vorzudringen.

Während sie sich ihren Weg durch den verregneten Wald bahnt wird sich Praiala mehr und mehr der herrschenden Stille bewusst. Ihr kommt es so vor, als würde der Wald den Atem anhalten und abwarten, was als Nächstes passiert. Seit sie das verfallene Gebäude hinter sich gelassen hat, ist auch das gelegentliche Zwitschern der Vögel erstorben. Kein Lüftchen regt sich. Abgesehen von dem Geräusch ihrer schlurfenden Füße, dem kaum hörbaren Tropfen des Regens und dem Klatschen der Blätter gegen ihre Kleidung ist der Wald um sie herum in völliges Schweigen verfallen.

Diese eigenartige Ruhe scheint geradezu nach einer Reaktion zu verlangen, nach einer Antwort. Sie ertappt sich dabei, wie sie unruhig ins Unterholz späht. Hat sie nicht eben schon wieder die Richtung gewechselt? Sie war sich da nicht sicher. An manchen Stellen scheint der Waldboden sich in den trügerischen, höhlenartig anmutenden Schatten völlig zu verlieren. Manchmal sieht es aus, als würde sich zwischen den natürlichen Hindernissen einladende Durchgänge öffnen. Den schmalen Pfad wiederum, auf dem sie gekommen war, kann sie schon lange nicht mehr in den dicht wuchernden Büschen und blassgrünen Farnen ausmachen.

Das Blätterdach scheint hier besonders dicht. Schon wieder. Sie beginnt sich um die beiden Schatzsucher Sorgen zu machen, womöglich werden sie sich morgen am Heimweg in diesem verfluchten Wald verirren. Sie hält an und wischt sich den Schweiß vom Gesicht. Mit einem Mal fühlt sie sich wütend auf sich selbst, dass sie Ron und Quin so einfach zurückgelassen hat.

Praiala bleibt stehen und atmet schnaubend ein und aus. Ihr Brustkorb bewegt sich auf und ab.
Sie hält den Südweiser hoch, schräg vor ihr schweiß-überströmtes Gesicht. Osten. Am liebsten würde sie laut aufschreien. Sie ist schon wieder in die falsche Richtung gelaufen. Sie hat sich Stück für Stück durch das finstere Dickicht gekämpft und ist ganz allmählich vom Kurs abgekommen, so sachte, dass es sich nicht wie eine Richtungsänderung angefühlt hat. Aber seit wann? Und wie konnte das nur passieren? Sie hätte es doch merken müssen. Hätte sie sich nicht von ihren Gedanken an das seltsame Haus und die beiden leichtsinnigen Schatzsucher ablenken lassen, wäre sie sicher aufmerksamer gewesen.

Verärgert stiert sie in das Unterholz in südlicher Richtung. Überall ist es so dicht und unwegsam, dass sie keine Möglichkeit sieht hindurchzukommen. Dann entdeckt sie etwas.

Zuerst denkt Praiala, es sei ein Felsbrocken natürlichen Ursprungs. Solche massiven Steinblöcke, die plötzlich inmitten der Landschaft auftauchen und manchmal recht hoch aufragen. Diese Art von Felsen hatte sie in den Ausläufern der Drachensteine im Norden Tobriens häufig gesehen. Aber nachdem sie näher an den riesigen Stein herangegangen ist und den Efeu ein Stück zur Seite geschoben hat, sieht sie die verwitterten Runen. Sie bedecken eine ganze Seite des Felsens und werden von einer ovalen Umrandung eingefasst, in der sich eine dicke Schicht versteinerter Flechten festgesetzt hat.

Sie geht in die Hocke, wippt vor und zurück und reckt sich, um durch das dichte Gestrüpp zu spähen, dass den Felsblock umgibt. Zwischen dem Wirrwarr der abgestorbenen Äste und dem ein Meter hohen Unkraut, das es bedeckt, kann sie noch einen aufrecht stehenden Steinquader erkennen, der ungefähr vier Meter von dem Ersten entfernt ist, und dann noch einen weiteren dahinter.
Sie tritt ein Stück zurück, senkt den Blick tiefer und bemerkt, dass sich ein Pfad zwischen den drei Steinen hindurchwindet, der jedoch zu stark von niedrigen Ästen überwuchert ist um aufrecht beschritten zu werden.

Auf allen vieren untersucht sie den Tunnel aus Gestrüpp, der sich über dem Pfad geformt hat. Ist das wirklich ein Weg? Ja. Sie streckt eine Hand aus und streicht mit den Fingerspitzen über den Rand der Furchen, die von Wagenrädern zu stammen scheinen. Irgendwelche kleineren Tiere müssen diesen Tunnel durch ihr ständiges Hin-und-her-Huschen angelegt haben. Unvorstellbar wie jemand durch diesen niedrigen Tunnel im Unterholz einen Wagen voranbringen konnte.

Sie ist nun wohl vier Stunden lang seit dem Betreten der Brache unterwegs und es kommt ihr so vor als wäre sie gerade mal am Rande des verfluchten Waldes. Es scheint ihr als versuche die Brache sich gegen ihr Eindringen zu wehren, als hätten die Bäume einen eigenen Willen und würden ihre niedrigen Äste ausstrecken um ihr den Weg zu versperren.
Last edited by Idrasmine on Sun Jun 17, 2018 7:47 am, edited 1 time in total.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Mon Jun 04, 2018 4:22 pm

Die Versuchung ist groß, diesem scheinbaren Weg zu folgen und durch diesen Tunnel aus Gezweig zu krabbeln, immerhin muss das hier früher ein richtiger Weg gewesen sein. Aber ist es die düstere Vorahnung von dämonischem Wirken oder nur die bedrückende und unheimliche Stille, die ihr das Bild von sich bewegenden Ästen die nach ihr greifen vor Augen führt?
Sie verharrt kurz und sammelt sich. Sie ist sich sicher, Praios ist mit ihr. Hat er ihr dies nicht durch die karmalen Heilungssegen gezeigt als sie sich um die Wunden der beiden Schatzsucher gekümmert hat?
Dass die Dämonenbrache nicht nur eine Prüfung ihres Überlebenswillens sondern vielmehr auch eine Prüfung ihres Glaubens ist wird der Geweihten immer mehr bewusst, und es werden sicherlich noch viel schwerere Prüfungen in dieser Nacht vor ihr liegen. Suchend sieht sie nach oben zum dunklen Himmel, der durch die dichten Blätter kaum zu erkennen ist, und fasst dennoch bei diesen Gedanken wieder Mut, schüttelt die Alptraumhaften Bilder und die Beklemmung ab, die der verfluchte Wald auslöst und sieht sich die Umgebung etwas genauer an.

Den ersten der stehenden Steine kann Praiala ohne durch das Dickicht klettern zu müssen erreichen und als sie mit dem Messer an den versteinerten Flechten kratzt gelingt es ihr einige der Runen freizulegen.
Die uralten Zeichen wirken verwittert, und dennoch scharf und deutlich. Durch die schiere Kunsterfertigkeit der Kalligraphie scheint es, konnte die Witterung über die Jahrhunderte die Kanten zwar ausbrechen lassen, die markanten, scharfen Winkel die die Zeichen unterscheiden sind jedoch so geformt, dass sie klar lesbar bleiben. Ganz so als wäre die Schrift selbst, von wer weiß welchen Wesen, speziell dazu erschaffen worden in Stein gemeißelt zu werden und die Ewigkeit zu überdauern.
Dank ihres intensiven Studiums der Wege arkaner Künste und deren Auswirkungen, erinnert sich Praiala daran von etwas Ähnlichem
gelesen
Magiekunde
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-12 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
zu haben.

Form und Verarbeitung scheinen dem Echsischen entsprungen zu sein aus deren Schrift sich das frühe Ur-Tulamidya entwickelte. Dennoch wirken die Schriftzeichen weniger komplex, möglicherweise eher eine Art reduzierter Variante des frühen Ur-Tulamidischen. Praiala erinnert sie daran von diversen zauberkräftigen Geheimzeichen gelesen zu haben mittels der die Mudramulim, die alten tulamidischen Zaubertänzer und Artefakt-Erschaffer aus der Zeit des Diamantenen Sultanats vor über 1000 Jahren, Artefakte und verzauberte Orte erschufen. Sollten jene Runen tatsächlich Zauberzeichen sein?

Praiala schließt die Augen und verharrt einige Momente in der Geste der Lehre, die geöffneten Hände in einer flehenden Pose auf Brusthöhe haltend betet sie leise: "Mein Herr Praios, Richter der Himmlischen Ordnung! Siehe auf deiner Kirche Kind! Hilf mir auf deinen Spuren zu wandeln
...
Auf Praios' Spur wandeln
Aventurisches Sinnbild für: die Wahrheit suchen
und zu erkennen was zu sehen uns nicht gegeben ist. O König der Götter, O Gott der Könige! Lenke meinen Blick auf die unheilige Zauberei und gewähre deiner Dienerin die Sicht auf Madas Welt!"

Mit dem letzten Satz öffnet die Geweihte die Augen und
erkennt
Liturgiekenntnis, Praios
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-2 Grad der Liturgie (Grad 2)
-16 Dämonenbrache (Verseuchtes Gebiet)
+5 Erfüllung des kirchlichen Auftrages (Kampf gegen die verdorbene Magie)
eine golden funkelnde Aureole um die steinerne Stele vor ihr welche um die verwitterten Runen besonders stark ausgeprägt ist. Wie die Reflexion hellen Sonnenlichts im Wasser eines klaren Gebirgsbachs glitzert die Aura um den Stein. Sich auf die Leere die von der goldene Aureole umgeben wird konzentrierend erspürt Praiala ein Gefühl der Hilflosigkeit die von dem Stein oder der Magie die ihn durchdringt auszugehen scheint. Die Hilflosigkeit paart sich mit Angst vor den Schrecken der Finstersphären und wird von einem Wunsch begleitet einen Warnruf auszusenden bei dessen Vorstellung die Geweihte Myriaden wimmelnder, kriechender und krabbelnder Kleintieren auf und unter ihrer Haut zu fühlen vermeint.

Aus den Eindrücken kann Praiala
erkennen
Magiekunde
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-3 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
-3 Untergeg. Repräsentation (WdA 174)
dass es sich dabei wohl um eine Art uralter Arkanoglyphen der Mudramulim handelt, die vermutlich einer machtvollen Variante des Zaubers Arachnea ähnelt. Diese Herbeirufungsformel von Spinnentieren wurde in der Gildenmagie von einem gewissen Doctor Drinji Barn aus uralter echsischer Zauberei und historischer Dämonologie rekonstruiert. Die Stele selbst belegt ganz offensichtlich die wesentlich älteren, geschichtlichen Wurzeln dieser verdorbenen Zauberkunst. Die Geweihte
erinnert
Geschichtswissen
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-7 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
sich daran bei ihrem Studium der Geschichte der Völker Aventuriens im Kirchenarchiv einen Bericht eines Praiosgeweihten über Al'Tacht, das Unterreich Fasars, gelesen zu haben. Der Beschreibung nach erhebt sich Fasar, die älteste Stadt der Menschen Aventuriens, auf mehreren Schichten Stadtgeschichte, die von der Echsenzeit über die Epoche Bastrabuns, die Ära der Magiermogule, das Diamantene Sultanat, die Raulszeit bis zu den Zu- und Abwasserkanälen und Kellerräumen der jüngsten Vergangenheit reichen. Der Geweihte berichtete in diesen Schriften von einer vermuteten, legendären Schicht, genannt der Tacht'al'Tacht, einer Schicht aus einer Epoche noch vor der Zeit der Echsen. Von hier, so heißt es, bargen die Magiermogule vom Gadang das Wissen über den Großen Schwarm, einer Macht die von den Echsen als der rätselhafte insektengestaltige H'Ranga Srf'Srf angebetet wurde. In den
Skorpionkriegen
Einer Reihe von gewaltigen Auseinandersetzungen, etwa eineinhalb Jahrtausende vor dem Fall des bosparanischen Reiches, zwischen dem Sultanat Khunchom und den Magiermogulen vom Gadang. Nach langen Wirren des Krieges ging das Sultanat schlussendlich siegreich hervor und errichtete in der Folgezeit ein Weltreich, das alle Stämme der Tulamiden vereinte und die Dynastie der Diamantenen Sultane begründete.
nutzten die Magiermogule dieses Wissen und beschworen den Großen Schwarm im Sultanat Gorien, welches dabei völlig verwüstet wurde.
Ursprünglich, so vermutete der Autor, dürften sowohl die altertümliche Herbeirufungsformel als auch der Große Schwarm selbst Relikte aus dem Zeitalter der Vielbeinigen sein. Ein Zeitalter in dem Aventurien von Riesenspinnen und Insektenrassen beherrscht wurde die über eine Art Schwarmintelligenz verfügten und Hochkulturen errichteten deren Überbleibsel den Gelehrten bis heute Rätsel aufgeben.

Bei den Gedanken an durch uralte Zauberei herbeigerufenen Spinnenschwärmen läuft es Praiala kalt den Rücken hinunter.

Wie die Schwarzen Türme, welche noch aus den Dunklen Zeiten stammen sollen, als sich das Magierreich von Ash'Grabaal über die Brache erstreckte, kann die Geweihte auch über den Ursprung der Stelen nur Mutmaßungen anstellen. Haben die Magier von Ash'Grabaal sie unter Zuhilfenahme des Wissens der Mudramulim oder gar der Magiermogule erschaffen? Wurden sie von den Legionen des Fran Horas als Massenvernichtungswaffen mitgeführt? Was würde die offenbar noch starken Kräfte der Zauberrunen auslösen?
Last edited by Idrasmine on Sun Jun 17, 2018 9:20 pm, edited 3 times in total.

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Post by Idrasmine » Wed Jun 13, 2018 7:59 pm

Unsicher ob die mit Runen bedeckten, stehenden Steine ihre gefährliche Zauberkraft freisetzen könnten entscheidet sich die Geweihte dafür lieber weiter nach Osten vorzudringen und einen anderen Weg nach Süden zu suchen.

Nachdem sie einige Zeit durch wucherndes Gestrüpp gewandert ist erreicht sie einen faulig riechenden Grund, der sie in eine Senke hinab führt. Als sie sich ihren Weg zwischen den dicht stehenden Bäumen bahnt erkennt sie im nebeligen Dunst des schwindenden Nieselregens immer öfter totes, verrottendes Gehölz das von Pilzen und Schwämmen überwuchert ist.

Von Südwesten her kommt ein stetiger kalter Wind. Die schwarzen Äste der Bäume um die Geweihte werden ächzend hin und her bewegt, und es wirkt, als würde der Wald immer wieder ungeduldig ein- und ausatmen. Der Regen hat aufgehört, aber die Luft ist unangenehm kühl und um sie herum tanzen im Licht ihrer Laterne die Schatten der Bäume, unter einem von dicken, dunklen Wolken verfinsterten Nachthimmel.

Schließlich beginnt sich ein dichter Bodennebel über dem von morschem Gehölz und gewundenem Wurzelwerk bedeckten Boden zu bilden und die Geweihte muss bei jedem Schritt
vorsichtig ertasten
Wildnisleben
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Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-7 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
-8 Gelände/Dämonenbrache (GDdG 194)
wohin sie steigt.

Sie wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht und blickt erneut auf die vom Licht ihrer Laterne beleuchteten Bäume. Schwarze, faulende Stämme uralter Krummeichen, Moorföhren und Krüppelkiefern umgeben sie wie ein erstarrter Reigen tanzender Hexen der sich immer enger zu ziehen scheint je weiter sie sich durch den Hüfthohen Nebel voran kämpft.

Während sie vergeblich versucht tiefer nach Süden vorzudringen führt sie ihr Weg immer weiter in östliche Richtung. Auf dieser Route gerät sie in ein wucherndes Durcheinander kranker oder abgestorbener Bäume die aus dem fauligen Boden ragen, über dem ein dichter weißer Nebel hängt, der kein Ende zu nehmen scheint.

Plötzlich spürt Praiala wieder diese vertraute Angst. Niemals in ihrem Leben war sie alleine durch solch gefährliches Terrain gereist und nie hatte sie einen Dämon alleine Bezwungen. Hier an diesem Ort an dem das Gefüge der Welt durch den Frevel des Blutigen Kaisers Fran-Horas zerrissen wurde, könnte sie jederzeit auf ein Wesen der Niederhöllen treffen.
Bilder aus ihren Erinnerungen geistern durch ihren Kopf. Ein schwarzer Löwe, groß wie ein Stier, mit gewaltigen Fledermausschwingen und eine Mähne die wie ein finsterer Schlund alles Licht zu verschlingen scheint. Grakvaloth, hatten sie ihn genannt, Bote der Niederhöllen, Ungesehenes Grauen, Unerbittlerlicher Hetzer des All-Einen.
Wie würde sie so einer Kreatur der Verdammnis alleine trotzen können?
Das Bild eines noch größeren und schrecklicheren Wesens schält sich aus ihren Erinnerungen. Langsam faltet es seine Schwingen hinter dem Körper, dahinter kommen eine Reihe von sieben Schwänzen zum Vorschein, knochig und gelenk wie Wirbelsäulen, ölig schimmernd und in lanzenartigen, messerscharf-spitzen Hörnern auslaufend. Ständig in Bewegung tanzen sie gefährlich wie Schlangen durch die Luft, jederzeit bereit vorzuschnellen und seine Opfer wie wehrlose Insekten aufzuspießen.
Shihayazad, hatte es der Hohepriester Sephirim Isyahadan gerufen, der Sphärenspalter, den keine Waffe zu überwinden vermag.
Ein Gefühl vollkommener Ohnmacht bemächtigt sich ihrer Gedanken, und nun kommt es ihr so vor, als wäre es ohnehin ausgemacht, dass sie hier draußen sterben würde.

Plötzlich spürt Praiala wie der schlammige Boden unter ihren Füßen glucksend nachgibt. Schnell streckt sie die Arme aus und greift nach einem nahen Ast. Das morsche Holz zerfällt jedoch unter ihrem Griff und sie sinkt noch tiefer ein. In nur einem Augenblick schließt sich der dichte Bodennebel über ihr. Während sie sich an dem wuchernden Wurzelwerk festklammert um nicht zur Gänze im Morast zu versinken umgibt sie eine Wolke schwefligen Gestanks der blubbernd aus dem Sumpfboden aufsteigt.

Vergeblich versucht sie sich mit aller Kraft an den Wurzeln aus dem Sumpfloch zu ziehen, steckt jedoch zu tief im Morast fest. Unter der heftigen Anspannung breitet sich ein bekanntes, schmerzhaftes Brennen in ihren erschlaffenden Muskeln aus.

In einem letzten Akt der Verzweiflung verkeilt sie ihren Arm bis zur Schulter im verworrenen Wurzelwerk als sie die betäubende Wirkung des aufsteigenden, fauligen Miasma spürt unter der ihr Bewusstsein zu schwinden beginnt ...

Image
Last edited by Idrasmine on Thu Jun 28, 2018 4:05 pm, edited 3 times in total.

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Post by Idrasmine » Sun Jun 17, 2018 7:54 am

Stöcke. Durchstochene Wangen. Auf der Suche nach den Augen. Stechen in die Kehle. Stöcke. Eine Phalanx von nadelspitzen Stöcken, die aus den Ästen stechen und aus dem Boden sprießen. Stöcke überall.

In die Dunkelheit. Sich mit aller Macht nach vorn werfen. Den Kopf gesenkt, um das Gesicht zu schützen. Mit ausgebreiteten Armen, gierigen Fingern, die nach Beute suchen, die ganze Bündel von Stöcken ergreifen und sie beiseite zerren. Aber diese Stöcke stechen in deine Ärmel, in deinen Kragen und in deine Socken wie lästige Stacheln und heben dich ruckartig hoch, und da hängst du nun in der Luft und zappelst mit den Beinen. Weil du den Kontakt zum Erdboden verloren hast, dem Lehm, aus dem alles gemacht wurde. Deine Beine treten ins Leere, inmitten des knackenden Unterholzes mit seinen scharfen Dornen und dem zersplitternden toten Holz. Und bis zu den Knien steckst du in einem engen Spalt, aus dem du deine armen erschöpften Glieder nicht mehr rausziehen kannst.

Da baumelst du nun. Und schnappst nach Luft wie eine Ertrinkende. Dir schwindelt vor Erschöpfung, du bist so müde, dass du am liebsten sterben möchtest, du hängst inmitten des Efeugestrüpps und dem dichten Gewirr aus spitzen Stöcken. Und wartest. Wartest auf es.

Mit schnellen Schritten kommt es durch die Dunkelheit näher, dem schwarzen Nichts, das gleich vor deinen Augen beginnt, bewegt sich behände durch das Dickicht, das du nicht einmal kriechend bezwingen könntest. Kalter Schweiß rinnt über deinen Hals hinab zu den Hüften und lässt dich frösteln.

Wird es schnell kommen? Das Ende?

Du hast es nicht mal gesehen, aber die Dunkelheit schickt dir Bilder, zusammengesetzt aus Teilen eines Dings, das du anderswo gesehen hast, zu einer anderen Zeit. Vielleicht werden die Hörner dich aufspießen. Du wirst einen punktuellen Schmerz spüren, einen Druck auf dem festen Fleisch des Brustkorbs, und dann wird das furchtbare Zittern einsetzen. Die Zähne werden mit ihrer Arbeit beginnen. Scharfe gelbe Zähne. Uralte Efeuranken ziehen sich mit einem hölzernen Klacken um dich herum zusammen. Längliche Zähne, bereit zum Zuschnappen, ragen aus einem Rachen, dessen Zahnfleisch schwärzlich glänzt wie bei einem wilden Hund.

Also halte lieber die Augen geschlossen, wenn dein Ende naht. Ein solches Maul willst du nicht aus der Nähe betrachten. Bevor es zubeißt, bevor es sich in die weichen Teile deines Körpers versenkt, werden die fleckigen Lefzen sich in bestialischer Vorfreude kräuseln. Das weißt du auch, ohne es zu sehen.

Es kommt. Du kannst es hören. Das Brüllen eines Ochsen verwandelt sich in ein nasales Winseln. Ein Luftzug, der aus feuchten Nüstern dringt. Ein hündisches Knurren, und fast schon siehst du die Klauen vor dir, bevor das tiefe Röcheln sich in höhere Tonlagen schwingt, durch die Oktaven hindurch, bis es in diesem teuflischen Jipp-jipp-jipp gipfelt, das dich schon seit Stunden umkreist. Es ist auf der Pirsch, angetrieben durch den salzig-mineralischen Geruch deiner Angst, der von dir ausging, während du dort oben in der Luft hingst. Es ist versessen auf dein frisches Blut, bäumt sich auf in wilder Lust und giert danach, sich die wehrlose Beute einzuverleiben. Du spürst, wie es erwartungsfroh immer näher kommt.

Jetzt schreist du auf. In die Dunkelheit hinein. Nach oben, nach hinten, nach vorn und nach unten. Du schreist, bis deine Kehle wund ist. Schreist, so laut du kannst, aber vergeblich, denn es ist niemand da, der dich hören könnte.

Die Luft über dir steht plötzlich still, scheint angesichts der grausigen Erwartung wie in einem Vakuum zu verschwinden. In deiner Vorstellung, hinter deinen geschlossenen Augen, spannen sich seine Muskeln an. Sie sind so dick und faserig wie Schiffstaue. Der lange Hals stößt nach vorn, durch die Dunkelheit, durch deine Gedanken. Zwei mit Flecken übersäte Knochenspeere senken sich herab. Schwarze Hörner. Noch schmutzig und besudelt vom letzten Tötungsakt.

Ein letzter Hauch stinkenden Atems, viehisch und heiß, der Geruch verdorbenen Fleischs umfängt dich von hinten. Ein widerlicher Luftzug, der aus einem entsetzlich langen, mächtigen unsichtbaren Schatten dringt und deine Nervenstränge von den Muskeln bis in die Wirbelsäule ein letztes Mal unter beißendes Feuer setzt. Um deinen letzten unerträglichen Schmerz zu speisen, wenn die Stacheln sich in deinen Körper eingraben. Die Stöcke. Die hölzernen Spieße. Hart wie Elfenbein. Überall diese Stöcke ...

Erwacht. Inmitten der Dunkelheit, leise wimmernd. Zitternd, als wärst du aus einem nasskalten Sturm hereingekommen. Dein Atem geht stoßweise und pumpt die abgestandene Luft in deinen Körper, die sich jahrzehntelang angesammelt hat und modrig riecht wie in einem alten Keller, dazwischen der Geruch nach verschimmeltem Holz und feuchtem Staub, der von irgendwo aus dem lichtlosen Raum zu dir dringt.

Wo bist du? Ein Luftstrom gleitet über dein Gesicht, oder ist das nur Einbildung?

Schmerzen. Dein Rücken und deine Schultern liegen auf dem harten Holzfußboden und tun weh, und du schaust nach oben ins Dunkel. Du bewegst deine Arme und verursachst ein Rascheln. Du liegst auf dem schmutzigen Holzboden. Du schnappst nach Luft und richtest dich auf. Mit den Handflächen tastest du das raue Holz ab, auf dem du gelegen hast.

Praiala. Mein Name ist Praiala, und ich liege hier auf dem Boden. In diesem Haus. Die Hütte, die ich in der Dämonenbrache gefunden habe …

Ihr Atem verlangsamt sich. Sie hört auf zu keuchen. Die Stöcke sind weg. Sie wird gar nicht gejagt. Es war nur ein Traum, sonst nichts. Aber ihre Haut schmerzt überall, als wäre sie von einer Unzahl von Stacheln, Dornen und kratziger Baumrinde aufgeritzt worden und rau geworden wie ein mit Seepocken übersäter Schiffsrumpf. Das muss wohl eine Folge des gestrigen Marsches sein. Das endlose, erschöpfende Sichdurchschlagen durch den feuchten Wald.

Sie blickt sich um und bemerkt den rötlichen Schimmer im Ofen und erinnert sich daran, wie sie ihn am Abend angefeuert hat. Wann war sie eingeschlafen? Schwierig zu sagen, wie spät es ist, denn die Fenster sind geschlossen, die Tür ebenfalls. Kein Licht dringt durch das Dach im Obergeschoss und ergießt sich über die Treppe.

Und wo sind Ron und Quin?

Um sie herum, im schwachen rubinroten Schein sieht sie die leeren Kleidungsstücke, alle ausgezogen und aufgehängt, daneben Kleinigkeiten, die aus ihren Taschen herausgefallen sind.

Ganz still dasitzend, viel zu ängstlich, um sich zu bewegen, horcht sie. Strengt ihre Ohren an und versucht, irgendetwas in der Dunkelheit zu vernehmen.

Und da ist es. Ein Ton, ganz schwach und kaum von dem Rhythmus der aufs Dach und gegen die Wände prasselnden Regentropfen und dem gelegentlichen Knarren dieser uralten Behausung inmitten des feuchten Urwalds zu unterscheiden. Ein Schluchzen. Jemand weint. Im oberen Stockwerk. Sie sieht zur Decke und schluckt die Angst hinunter, die sich in ihrer Kehle festgesetzt hat. ...


Du liegst auf den Knien und weinst. Heftiges Schluchzen quält sich aus deiner schmerzenden Brust. Deine Augen sind trocken, du hast alle Tränen vergossen. Aus deiner Kehle dringt kratziges Stöhnen, es klingt fremdartig in deinen Ohren. Du weinst, weil du weißt, dass dies das Ende ist. Dein Leben hört jetzt auf, an diesem dunklen, übel riechenden Ort, der überhaupt keinen Sinn ergibt. Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, und es gibt auch keinen Ausweg. Aber deine Qualen durchdringen es nicht vollständig. Es hockt da vor dir auf diesem schäbigen hölzernen Thron, seine langen Hörner majestätisch zur Decke gestreckt, als gehörten sie zu einer Art Krone. Es starrt dich mitleidlos an, triumphiert angesichts deiner Schande, während du auf dem dreckigen Holzboden kauerst. Seine Arme recken sich dem Dach entgegen, als würde es auf eine grässliche Art jubilieren.

Deine Unterwäsche ist nass, deine Beine klebrig.

Jemand ruft nach dir. Dort hinten …

"Ron. Ron. Was ist denn los? Was ist? Wo ist Quin?"

Die Stimme klingt vertraut, aber Ron kann nicht antworten, weil es zu spät ist und er hier auf sein Ende warten muss. Es dauert nicht mehr lange.

Eine Hand legt sich auf seine Schulter und schüttelt ihn. "Wach auf, Ron, wach auf. Es ist nur ein Traum, ein Traum. Du weißt gar nicht, wo du bist. Wach auf. Es ist vorbei. Komm schon!"

Ron hebt den Kopf, hält aber seinen Blick gesenkt, um nicht das schreckliche schwarze Ding vor sich anschauen zu müssen. Er sieht auf und wendet sich der Stimme zu. Er spürt das Salz seiner getrockneten Tränen auf den Wangen. Praiala, die Praiosgeweihte die ihn gestern gerettet hat.

Als er seine Retterin wiedererkennt, verzerrt sich sein Gesicht, und er wäre in Tränen ausgebrochen, wenn er noch welche übrig gehabt hätte. Sein Mund fühlt sich heiß und salzig an, weil er so viel geweint hat. Aber warum? Warum hockt er hier in seiner Unterkleidung zitternd in der Dunkelheit, nassgepisst und schluchzend? Er sollte sterben. Nachdem er eine endlos lange Zeit in Todesangst verbracht hatte. Ron kneift mühsam die Augen zu und versucht, sich gewaltsam an den Traum zu erinnern, der ihn so in Angst versetzt hat.

Ein Gefühl von Lächerlichkeit durchströmt ihn, wärmt seine Wangen und seine Haut. "Was bei Praios Namen ist denn los?" Er dreht sich um und blickt auf das, was ihm diese Angst eingejagt hat. Im düsteren Zwielicht, das nur durch zwei Ritzen im Dach erhellt wird, kann er die Umrisse erkennen. Lange Gliedmaßen und Hörner, ein erwartungsvoll angespannter Körper.

Aber das Ding lebt doch gar nicht mehr. Nein, es ist doch bloß eine Figur. Ausgestopft und von Mäusen zerfressen. Das Überbleibsel eines kranken Irrsinns, zurückgelassen auf einem baufälligen Dachboden in einer verlassenen Hütte im Wald. Er schaut zu Praiala hoch und schüttelt den Kopf.

Praiala sieht ihn an, er ist völlig verwirrt und verängstigt. "Wir müssen so schnell wie möglich hier weg. Jetzt gleich."

Ron nickt und streckt die Hand aus, um sich an ihr abzustützen. Praiala fasst ihn am Arm und zieht ihn hoch.

"Wo ist denn Quin?", fragt die Geweihte. "Wir müssen ihn suchen."


Sie finden Quin draußen, er kniet, nur mit Bruche und Unterhemd bekleidet, im hohen nassen Gras. Mit glasigen Augen starrt er in die Bäume. Sein ganzer Körper zittert erbärmlich in der nächtlichen Kälte.

Keiner der beiden wagt, ihn zu berühren. Ron hatte ihn noch nie in so einer Verfassung gesehen. Seine Lippen sind dunkel, sein Gesicht schmutzverschmiert und darunter völlig bleich, wegen der Kälte und dem, was er gesehen oder geträumt hat, genau wie sie auch. An den Seiten, wo seine Tränen aus den Augenwinkeln in einem heißen, salzigen Rinnsaal über die unrasierten Wangen geflossen waren, ist sein Gesicht eigenartig rosa verfärbt. Er bemerkt sie offenbar gar nicht. Er kniet reglos da und murmelte vor sich hin, während die beiden bebend neben ihm stehen, nur ganz langsam ihren eigenen Schockzustand überwindend und versuchen, wieder zur Ruhe zu kommen.

Völlig zerzaust und mit wildem Blick stehen sie da und können gar nicht anders, als Quin’s Augen zu folgen, um herauszufinden, was er dort zwischen den dunklen Bäumen gesehen hat. Aber sie sehen nur schwarze Bäume, feuchttriefendes Grün und weißlich glänzende Birkenstämme, die sich aus dem mit Gestrüpp überwucherten Waldboden nach oben recken.

Ron spricht als Erster: "Quin, alter Junge, Quin."

Offenbar hat er Ron gehört. Ohne den Kopf zu drehen, sagt er: "Es wird uns dort oben in die Bäume hängen."

Das kann einfach nur irgendwelcher Unsinn sein, den Quin noch im Schlaf von sich gibt, aber eine ganze Weile sagt keiner ein Wort. Bis Praiala ihre Hand auf seinen Arm legt um ihn fortzuziehen. "Wir müssen los." ...


Die kräftigen Arme widersetzen sich, zerren in die andere Richtung. Mit den Händen die Männerarme fest packend spürt Praiala wie sie fortgezogen wird. Heraus aus der nassen, kalten Umklammerung des Sumpfes.

Wurzeln und scheinbar fester Boden breiten sich unter ihrem Körper aus. Die Arme halten sie immer noch fest, zitternd, umschlungen.

Aus der sich lichtenden Dunkelheit und dem dichten Neben beginnt Praiala Umrisse wahrzunehmen.

Gesichter … Quin und Ron, inmitten des uralten, wild wuchernden, Waldes.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Sat Jun 30, 2018 4:14 pm

Es fällt Praiala zuerst nicht leicht, das was sie gerade gesehen hat - diese alptraumhafte Begegnung in der Hütte - durch den Mangel an frischer Luft und durch die stinkenden Dämpfe des Sumpfes wohl benebelt - mit dem zu verbinden, was nun tatsächlich real passiert.

Sie ringt nach Luft und wischt sich den Schlamm von Nase, Mund und dem Gesicht ab, so gut sie kann, ehe sie ihre beiden Retter ansieht "Danke. Aber wie kommt ihr hierher?"

Langsam nimmt die Geweihte ihre Umgebung mehr und mehr wahr. Tatsächlich liegt sie in den Armen der zwei Schatzsucher, inmitten des sumpfigen Waldes. Dichter Nebel macht es schwierig etwas zu sehen und selbst das schwache Licht der Öllaterne, die neben ihnen, schief in den Luftwurzeln eines knorrigen Baumes hängt, reicht kaum mehr als drei Schritt weit.

"Nachdem du gegangen warst haben wir versucht zu schlafen. Und dann waren da diese furchtbaren Alpträume. Das Böse ist in diesem Haus. Wir konnten nicht dort bleiben. Also sind wir deinen Spuren gefolgt", erklärt Quin während Ron mit dem Ärmel seines Hemdes Praialas Gesicht von Schmutz befreit.

Die Geweihte braucht einige Augenblicke um den Terror etwas von sich abzuschütteln, der sie ob der Alpträume gepackt hat - und dass sie gerade nur knapp mit dem Leben davongekommen ist, hilft dabei nicht.

"Nun es war gut für mich, dass ihr mir gefolgt seid", sie bemüht sich um ein Lächeln, "und ein Zeichen, dass die Götter selbst hier mit uns sind, wenn wir nur fest im Glauben bleiben und nicht von unserem Pfad abweichen" - und spricht sich damit auch selbst Mut zu.
Sie kommt noch etwas wackelig auf die Beine und sieht an sich hinab, nun von Kopf bis Fuß voller Schlamm, aber das lässt sich nun nicht ändern. Sie sieht sich nach ihren Sachen um, besorgt etwas im Schlamm verloren zu haben und blickt dann wieder zu den beiden hin "Ihr könnt mich gerne begleiten, aber meine Aufgabe ist es hier zu übernachten und nicht gleich den Weg aus der Brache zu suchen."
Die Geweihte sieht sich um, versucht sich zu
orientieren
Orientierung
KL
IN
IN
TaW
Mod.
13
15
15
6
-9
98:0
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-7 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
-5 Gelände/Dämonenbrache (GDdG 194)
+3 Südweiser (HuK 174)
und lächelt dann schief "Auch wenn ich zugebe, im Augenblick etwas den Überblick verloren zu haben."

Als sie sich gesammelt hat sieht sie nach oben zum dunklen Himmel - den man durch die Bäume nur erahnen kann - und denkt an die golden glühende Sonnenscheibe, die am Morgen am Himmel stehen würde. Zuerst noch etwas schwächer, dann aber doch immer entschlossener betet sie: "Herr Praios, Herr der Sonne, hier stehe ich, um mich in deinem Namen dieser Prüfung zu stellen. Wappne meinen Geist gegen finstere Zauberei und Dunkelheit, erfülle mein Herz, dass es nicht wankt, noch zweifelt und führe meine Schritte dem Licht entgegen!"
Sie findet Mut in ihren Worten und dem Glauben, dass auch Praios über sie wacht. Sie sieht zu den beiden hin "Es ist immer am dunkelsten, bevor das Licht die Dunkelheit zu verdrängen beginnt, also verliert nicht den Mut oder den Glauben."
Sie wischt sich von dem Schlamm so viel ab, wie es ihr möglich ist. Dabei realisiert die Geweihte, dass ihr Geweihtenornat sich so mit Schlamm und Moorwasser vollgesogen hat, dass es als solches nicht mehr erkenntlich ist.

"Hier übernachten? Seid ihr auf der Flucht vor dem Gesetz?", fragt Quin etwas verwundert.
"Wie dem auch sei, wir sollten besser zusammen bleiben", schlägt Ron vor, dem immer noch die Angst in den Knochen steckt.

Nachdem sie sich vom gröbsten Schlamm und an ihr klebenden Pflanzenresten befreit hat, sieht sie sich um und lächelt den Beiden zu "Nun wir sind zu dritt und ich habe einen Südweiser, verzagt nicht wir werden schon einen Weg hier heraus finden".

Sich anhand des Südweisers orientierend versucht Praiala ihre Umgebung im schwachen Licht der Laterne zu erkennen. In allen Richtungen blickt sie auf dichten Bodennebel und wucherndes Ast- und Wurzelwerk das ihr den Blick versperrt. Sich daran erinnernd, dass sie nach Osten ging bevor sie in das Sumpfgebiet eindrang fügt sie leicht grinsend hinzu: "aber ich denke wir sollten die Sümpfe vermeiden."

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Post by Idrasmine » Mon Aug 20, 2018 7:18 am

"Sollen wir hier lang?" Praiala beugt sich vor und schiebt mit den Armen das Unterholz aus Luftwurzeln, Farnen und wuchernden Trieben beiseite, auf der Suche nach einer Möglichkeit sich in Richtung Osten durch diesen trostlosen stillen Sumpf zu kämpfen.
Die Spannung der anderen beiden, die in ihrer Verzweiflung so schnell wie möglich von diesem Haus wegkommen wollen, scheint für Praiala körperlich spürbar zu sein und ihre Gedanken zu infizieren. Die meiste Zeit, während sie ihre Möglichkeiten abwägt und nach einem Weg durch den Sumpf sucht, vermeidet sie den Augenkontakt mit den anderen.
Wieder wurden ihre Pläne durchkreuzt. Sie wollte eigentlich in südwestliche Richtung laufen, um ihr Abdriften nach Osten zu korrigieren und ihrem Plan zu folgen tiefer in das verfluchte Land einzudringen. Das Ende der Brache dürfte eigentlich nicht weiter als sechs oder sieben Meilen entfernt sein, aber nur, wenn sie in östlicher Richtung marschieren. Ganz bestimmt wäre es falsch, sie weiter nach Süden zu führen denn Quin wird mit seiner schlimmen Schulter nicht lange durchhalten.
"Wie bei den Niederhöllen sollen wir jemals hier rauskommen?" entfährt es Ron als sie wieder einmal vor einer dichten Wand aus mannshohem Wurzelwerk stehen.
"Was gefunden?" hört Praiala Quin's Stimme von hinter ihnen.
Praiala, die sich über einen verrotteten Baumstamm gebeugt hat, tritt einen Schritt zurück. "Hier eher nicht. Das ist alles dichtes Gestrüpp. Voll mit Ästen und Baumstämmen. Sogar die Bäume, die aufrecht stehen, sind tot. Man kann nicht weiter als fünf Meter sehen. Das ist schlimmer als alles, was ich bisher vor mir hatte." Als habe es sich um uns herum aufgebaut, sagt sie beinahe, denn auch die Geweihte übermannt langsam eine paranoide Verzweiflung, weil alle Erwartungen sich auf sie richten. "Da kommen wir niemals durch. Wir können es versuchen, aber wir werden höchstens ein paar Meter in der Stunde schaffen."
Ron fasst ins Wurzelgestrüpp und zerrt daran, verzieht das Gesicht zu einer Grimasse. "Warum denn? Warum ist das hier so?" Eine Wurzel lässt sich ein Stück weit verbiegen, widersteht ihm dann aber, und seine Hand durchfährt ein brennender Schmerz, als sich grünlicher Saft darauf ausbreitet. Ron lässt sie los und tritt mit dem Fuß dagegen. Dann schreit er auf vor Schmerz. "Scheiße! Und was ist jetzt mit deinem großartigen Plan vom Schätze im Wald auflesen? Wie soll man denn durch dieses Gestrüpp durchkommen?"
"Das ist eben ein seit jahrhunderten unberührter Urwald."
"Unberührt? Der ist absolut tot, Quin. Und unberührt ist hier gar nichts."
Quin blickt in Ron's müdes Gesicht, holt seine Feldflasche heraus, nimmt einen tiefen Zug und wischt sich den Schweiß von der Stirn, bevor er seinen Handrücken anschaut und das Gesicht verzieht. "Irgendwas hat mich gestochen. Verdammte Mücken!"
"Wenn der Wald nicht so feucht wäre, würde ich ihn einfach anzünden", sagt Ron. Gebückt, die Hände auf die Knie gestützt, wirkt er wie ein Bild der Hoffnungslosigkeit. "Wir sollten uns eine Schneise durchbrennen. Die ganze verdammte Brache sollte niedergebrannt werden."
Quin setzt die Feldflasche ab und seufzt, der Geruch von billigem Schnaps breitet sich aus. Er blickt auf seine Hände. Die Fingerspitzen zittern noch immer. Er schluckt. "Das hat es noch nie gegeben. Es wurde noch nie eine Schneise hier durchgeschlagen. Das ist ja gerade der Punkt."
Unter dem Schmutzfilm und den Spuren der nächtlichen Tränen unter seinen Augen wird Ron's Gesicht weiß vor Wut. "Warum zum Namenlosen hast du uns dann hierher geführt, wenn man da überhaupt nicht durchgehen kann?"
"Ich hatte nie vorgehabt, hier quer durchzugehen. Ich wollte nur ein bisschen im Randgebiet der Brache nach Überresten aus ursprünglichen Zeiten suchen. Und dann wollte ich eine Abkürzung nehmen."
"Das ist wirklich total ursprünglich hier. So ursprünglich, dass kein Arsch, der noch halbwegs richtig im Kopf ist, sich hier rein verirren würde."
"Das tun ja auch nur wenige. Gerade deshalb habe ich uns ja guten Chance ausgerechnet etwas wertvolles zu finden. Wir sind halt zufällig hier hingeraten. Wegen der Abkürzung. Wir wollten eigentlich ja im Randgebiet bleiben."
"Im Randgebiet, leck mich am Arsch, Quin. Wir hängen fest. Wir sitzen wie die Ratten in der Falle!"
Quin seufzt und wirft Praiala einen hilfesuchenden Blick zu. Quin's Stimme klingt schwach und dünn, als er wieder das Wort ergreift. "Die Brache ist zu ihrem natürlichen Teil auch nur ein letzter Rest ursprünglicher Natur, so wie der Reichsforst."
Ron verdreht die Augen und schaut sich um, als wenn er alles zum ersten Mal sehen würde. Quin nimmt einen weiteren Zug aus der Feldflasche. Praiala, die das Gespräch der beiden mit angehört hat, versucht, diesem plötzlichen Drang zu widerstehen, ganz einfach auszubrechen und sich alleine durchzuschlagen.

"Das Ding in der Hütte", beginnt Ron zu seinem Freund, "das war nicht nur ein Alptraum."
Ein dunkler Schatten, der aus dem Traum im Sumpfloch stammt, taucht in Praiala's Kopf auf und erinnert sie an etwas, das sie mit ganzer Willenskraft unterdrücken muss. Sie atmet tief durch und setzt sich entlang des Wurzelwalls wieder in Bewegung.
Der bloße Gedanke an das, was ihr diese Nacht passiert ist, ruft in Praiala die unnatürlich lebhaften Bilder ihres Traums wieder wach, während sie nun langsam nach Süden weitergeht, mit Ron und Quin hinter sich.
Während Ron stockend erzählt fällt Praiala auf, dass auch Ron sich an alle Einzelheiten seines Traumes erinnern kann, als hätten sie es letzte Nacht in einem Buch gelesen. Sie strengt sich an, um in diesen trüben und schmuddeligen Ansammlungen von Bildern irgendeinen Hinweis zu finden. Etwas, das dem Ganzen einen Sinn gibt.
Ron erzählt, dass er in seinem Alptraum aus seinem Lager gekrochen und die Treppe ins Dachgeschoss hinaufgestiegen war, um sich vor dieses grässliche halb vergammelte Monstrum zu knien.
Zwei Gestalten hatten in der Dunkelheit im Erdgeschoss neben ihm gestanden. So hatte der Traum begonnen. Uralte Gesichter mit verrotteten Zähnen im Mund befahlen ihm, die Stufen hinaufzusteigen. Erklärten, jemand warte dort auf ihn. Lass ihn nicht warten, hatten sie gesagt. Deine Kleider sind im Feuer.
Und so war er nach oben gegangen. Immer weiter die schwarzen Holzstufen hinauf. Verzweifelt wünschte er sich, er müsste diese Treppe nicht hinaufsteigen, aber der unbarmherzige Wille, der ihn im Traum dazu drängte, hielt ihn davon ab, sich umzudrehen und wieder hinabzugehen. Er versuchte anzuhalten, merkte aber, wie er benommen wurde und nicht mehr atmen konnte. Also stieg er weiter nach oben. Und war sich bewusst, dass er nicht nur im Traum, sondern auch in Wirklichkeit hinaufging.
"Nicht so schnell, Praiala!", ruft Quin neben ihr aus.
"Hm? Entschuldigung." die Geweihte verlangsamt ihren Schritt.
Seine Füße waren nackt gewesen, erzählt Ron weiter, die Sohlen waren schwarz geworden von dem Schmutz auf den Stufen. Mit ausgestreckten Händen hatte er sich an den oberen Stufen abgestützt und die Feuchtigkeit gespürt. Er hatte nichts mehr angehabt. Sein Körper war dünn und blass, er bibberte. Wie ein hilflos vor sich hin tapsender kleiner Junge kam er sich vor. Ja, im Traum war er tatsächlich kleiner und jünger. Er sehnte sich verzweifelt nach etwas, das ihn umarmte und schützte.
Im Haus gab es keine Fenster, nur diesen schwachen rötlichen Schimmer, der von dort oben kam. Am Ende der Treppe stolperte er dann auf den Dachboden und öffnete den Mund, um nach Hilfe zu rufen. Aber es kam kein Ton heraus. Keine Luft drang aus seinen Lungen, er war völlig außer Atem.
Auf dem rötlich schimmernden Dachboden hielt er den Kopf gesenkt und starrte seine Füße an. Sie waren schmutzig und feucht. Nass von der Pisse, die warm an seinen Beinen hinunterlief und von den Schenkeln tropfte.
Er versuchte, nicht aufzuschauen, weil außer ihm noch etwas dort war. Es schnaufte aufgeregt, weil es seine Pisse und seine Angst riechen konnte.
Knochen. Überall auf dem Boden lagen Knochen. Sie machten das Ganze noch viel schlimmer. Vor allem die, an denen solche grauen Stückchen klebten. Und einige von den kleinen Kadavern waren so schwarz geworden, dass er überhaupt nicht mehr erkennen konnte, was sie einst gewesen waren. Er stieg auf den fleckigen Holzdielen über die Knochen hinweg und konnte nicht verhindern, dass ab und zu einer unter seinen nackten Fußsohlen knackte oder zwischen seine schmutzigen Zehen rutschte. Je näher er dem grunzenden Ding kam, desto größer wurden die Knochen.
Und dann konnte er es riechen. Kot im Stroh, viehischer Schweiß, Schwefelgestank, so heftig, dass seine Augen zu tränen anfingen. Ein nach Ziege riechender Atem zog über seinen Kopf hinweg, er spürte ihn auf der nackten Brust und musste husten.
Dann hatte das Klopfen begonnen, als er es gerochen hatte. Neben ihm. Es klang wie das Geräusch von Holz, das auf Holz geschlagen wurde. Vor ihm. Er konnte nicht widerstehen, dorthin zu spähen, von wo dieses dumpfe Pochen kam.
Schwarze Hufe. Erneut tauchten sie in seiner Erinnerung auf. Groß und scharf mit gelblichem Horn an den Spitzen. So groß wie Pferdehufe. Sie schlugen auf die Holzkiste, in der es saß, schlugen mit großer Begeisterung immer weiter darauf. Der schwarze Rahmen der Holzkiste war schon arg zerschlagen und abgenutzt.
Es freute sich immer mehr, als er in seiner ganzen weißen, weichen Nacktheit näher kam. So nahe. Aus dem riesigen Kopf tönte ein feuchtes Schnauben und tiefes Heulen. Klack, klack, schnapp machte das heiße Maul mit seinen gelben Zähnen, mechanisch wie eine Falle.
Vor ihm, unter ihm, eingearbeitet in die Vorderseite der Kiste war eine kleine runde Auskerbung, in die er seinen Hals legen konnte. So dass sein Kopf mitten in den ekelerregenden Ausdünstungen dieses teuflischen Monstrums landete. Sein Kopf hing unter dem von Brustwarzen übersäten Bauch dieses Viehs, dessen Haut unter dem langen schwarzen Haar rosig glänzte. Und dann schlugen die Hufe herab wie ein Hammer auf einen Porzellanteller.
Teile von Schädeln lagen auf dem dreckigen Stroh zwischen den schwarzen stockartigen Beinen. Die Vorderbeine waren lang und schlugen immer wieder mit den Hufen auf den Holzkasten, in einem stumpfen irrsinnigen Rhythmus.
Sein Leib war viel zu groß für diese kleine Wiege. Und er hörte, wie die Hörner auf diesem grässlichen Kopf über die Balken unter dem Dach kratzten.
Gegen seinen Willen ging er dort hinüber. In den betäubenden Gestank hinein, und seine eigenen Schreie wurden übertönt von dem lauten Klopfen. Es wurde immer schneller. Ein widerwärtiges Pochen ohne klaren Rhythmus, das das splitternde schwarze Holz malträtierte. Noch immer hörte er das Echo dieses schaurigen Getöses nachhallen.
Er hatte seinen Kopf in die abgenutzte runde Ausbuchtung auf der Vorderseite der Kiste gelegt. Immer wieder erhoben sich die dünnen schwarzen Vorderbeine. Hoch zum Dach hinauf, wo sie ganz kurz innehielten, um dann wieder mit rasender Geschwindigkeit herunterzukrachen.
Und dann hatte er Praialas Stimme neben sich gehört, war aus dem Traum aufgewacht und die Treppe hinunter gerannt als wäre der Dämonensultan selbst hinter ihm her.
"Schaut! Da drüben. Dort gibt es einen Durchgang durch das Unterholz." Quin's Stimme lässt Ron aus seiner Erzählung hochschrecken. Praiala sieht hoch und kneifft die Augen zusammen. Quin hockt am sumpfigen Boden neben dem Wall aus Wurzelgewirr und deutet auf eine dunkle Stelle im Unterholz.
Praiala's Magen krampft sich zusammen. Durch das dämonische Wurzelwerk zu kriechen wirkt alles andere als einladend, aber es scheint der einzige Weg weiter nach Osten zu sein.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Sun Aug 26, 2018 11:00 pm

Mit einem Schnaufen senkt Praiala den Kopf und bricht durch das Unterholz. Sie beißt die Zähne zusammen und zwingt sich, über die Schmerzgrenze hinauszugehen, den Schmerz in ihrer Brust und in ihren Beinen zu besiegen. Sie will sich nicht geschlagen geben. Genug jetzt. Nur ein bisschen Himmel, ein paar Sterne das ist alles, was sie verlangt. Ein bisschen Himmel und eine Lichtung mit ein paar Laubbäumen am Rand, durch die sie sich ganz locker den Weg bahnen können.
Ein Ast bohrt sich unter ihrem Arm in die Kleidung, schleudert sie zurück und wirft sie zu Boden. Sie packt den Ast und versucht, ihn zu zerbrechen, aber das Holz widersteht ihr, und sie hat das Gefühl, ihre Arme wären völlig kraftlos geworden.
Sie bleibt auf dem Boden sitzen und schnappt nach Luft. Quin drängt darauf, dass sie sich weiter durch den Tunnel im Unterholz fortbewegen sollen. Aber Praiala hat instinktiv das Gefühl, dass dieser Pfad durch das Gehölz sie eher in ein noch tieferes und schwerer zugängliches Gebiet führt und gar nicht näher an den Waldrand, jedenfalls nicht näher als der Ort, in dem sie vor dem Regen Schutz gesucht hatten.
Sie kann diesen erstickenden nassen Wald einfach nicht mehr ertragen, dieses dunkle Etwas, das sie ständig in die Hocke zwingt, mit Ästen und Zweigen nach ihr schlägt und mit Stacheln und Dornen ihre Haut ritzt. Ihre Kehle brennt. Getrockneter Schweiß hinterlässt eine Salzkruste auf ihrer Haut und scheuert die Innenseite ihrer Schenkel und den Bereich unter ihrem Gürtel wund. Am liebsten würde sie sich die Kleider vom Leib reißen.
Ihre Beinmuskeln sind so überanstrengt, dass sie Krämpfe bekommt. Sie müssen unbedingt dieses wirre dichte Gehölz hinter sich bringen.

Nachdem sie schlussendlich Meter für Meter auf dem Bauch vorangekrochen sind, wird es mit einem Mal lichter und sie kann einen größeren Bereich überblicken. Praiala hat das Ende des natürlichen Tunnels erreicht und kann jetzt sogar den Kopf heben.
Sie richtet sich auf, völlig durchnässt und schlammbesudelt, und bricht durch das Geäst am Ende des Durchschlupfs. Sie muss die Beine hoch anheben, um über dorniges Gestrüpp zu steigen, und betritt einen Flecken, wo die größeren Bäume zurückweichen und der Wald lichter wird. Hier wuchern auf einer Art Lichtung niedrigere Büsche und Zwergbirken.
Regen setzt wieder ein und im Licht der Öllaterne sieht es aus als würden silbrige Pfeile herabschießen von einem Himmel, dessen gezackte Umrisse oben zwischen dem feuchten Blätterwerk, das die Lichtung nicht ganz bedeckt, kaum auszumachen ist. Die Nacht ist wolkenverhangen und düster. Gestern Nachmittag hatte sie den bleigrauen Schleier am Himmel zuletzt noch sehen können der die Sonnenscheibe gänzlich verdeckte und den winterlichen Tag dunkel und trostlos wirken ließ. Plötzlich entdeckt Praiala vor ihr einen Pfad durch das Unterholz. Er sieht benutzt aus. Womöglich hat er einmal zu einer Behausung geführt.
Die Geweihte bleibt stehen und starrt das an, was dort drüben am anderen Ende der Lichtung steht. Ein Tempel. Von der Bauart her ein Boronschrein. Und sie war geradewegs über den Boronsanger gekrochen. Ein sehr alter Friedhof, dessen Gräber man dank der aufrecht stehenden Grabsteine noch immer erkennen kann.

"Eigenartig, wirklich eigenartig", sagt Praiala zu Quin, der so dicht neben ihr durch das Dickicht läuft, dass er wie ein Kind wirkt, das hinter seiner älteren Schwester herläuft.
"Was?"
Praiala hält bei einem Steinhaufen an, der sich auf einem kleinen Hügel inmitten des überwucherten Friedhofs befindet. Die Steine sind völlig überwachsen von dem hüfthohen Gestrüpp, das bis zu den flachen, quer liegenden Steinen an der Spitze reicht. "Das ist ein Pyramidion. Ein uraltes tulamidisches Magiergrab.
Die meisten, wie dieses hier, waren nicht mehr als zwei Schritt hoch. Das hier war das Dach."
Sie klopft auf den flachen Stein, der ganz oben liegt. "Alle Steine sind in Form einer Pyramide auf einem Erdhügel errichtet worden. Auf Grabhügeln. Die Steine hier drüben waren die Seitenteile, aber sie sind großteils zerfallen. Und hier drüben" – Praiala leuchtet mit ihrer Laterne zu einem weiteren Hügel – "ist noch einer. Ein Pryamidion oder Benbenet. Das sind richtig alte Gräber."
Sie dreht sich jäh um und leuchtet auf die Ansammlung von weißrindigen Birken und das Brombeergebüsch, die weitere größere Steine eingrenzen, Steine, die mit Moos überzogen sind und sich auf der anderen Seite der Lichtung befinden. Sie waren einmal herumgelaufen auf der Suche nach einem Pfad der leichter gangbar wäre als das allgegenwärtige Dornicht.
"Und das ist ein teilweise eingefallenes Ganggrab. Ein ziemlich großes. Ganz sicher. Das dürfte mehr als sechs Meter lang sein. Du kannst die beiden aufrechten Steine sehen, die den Eingang markieren. Daran sieht man, dass es ein Ganggrab ist. Die gibt es überall im Norden Aventuriens. Ganggräber und Pyramidia findet man normalerweise aber nicht am gleichen Ort. Ganggräber wurden in der Siedlerzeit von den Güldenländischen Einwanderern angelegt."
Sie dreht sich um, mit ernstem Gesicht. "Und wenn du dich mal umschaust, diese langen flachen Steine, über die wir gestolpert sind, das sind Teile von aufrechten Grabsteinen. Die wurden wesentlich später gebaut. Ich schätze, wir können nur wenige von den Steinen überhaupt sehen. Die anderen liegen bestimmt zwischen den Bäumen versteckt. Aber die die ich erkennen kann scheinen einen Kreis zu bilden. Sie umfassen diesen viel älteren Platz, zu dem die Pyramidia und Ganggräber gehören.
Und schaut euch mal die Bäume an. Das sind Bosparanien. Eichen. Ebereschen und auch Boronsbirken. Die wirken wie eine Einfassung. Wie eine Grenze, die dazu dient, für Ruhe im inneren Kreis zu sorgen. Auch auf dem Herren Boron geweihten Friedhöfen gibt es so etwas. Diese Bäume wurden wesentlich später gepflanzt. Wahrscheinlich als der Schrein gebaut wurde, irgendwann in den letzten Jahrhunderten."

Quin erwidert nichts, sondern sieht einfach nur Praiala an.
"Die ur-tulamidischen Magiergräber könnten aus den Zeiten von Ash'Grabaal stammen. Sie sind so alt, dass sie wie eine bloße Ansammlung von Steinen aussehen. Ich wäre glatt daran vorbeigelaufen, wenn wir die Grabsteine und den Tempel nicht bemerkt hätten. Die Pyramidia und Ganggräber werden im Laufe der Zeit natürlich völlig verdeckt, und die Steine fallen auseinander. Nur wenige Teile sind überhaupt noch sichtbar im Normalfall, versteht ihr? Aber hier ist alles ziemlich gut erhalten worden. Nicht vor kurzem, aber in den letzten Jahrhunderten. Die Gräber wären nicht so intakt, wenn sich niemand darum gekümmert hätte. Offensichtlich haben Leute über tausend Jahre hinweg diese Anlage gepflegt. Das muss so gewesen sein. Bis eines Tages der Schrein verlassen wurde und die Grabsteine umgekippt sind."
Quin schaut sie aufmerksam an, in Erwartung einer abschließenden Einschätzung, die etwas Licht darauf werfen würde, wie dies alles ihnen helfen könnte, sie aus dem Wald zu bringen. Er möchte auf keinen Fall, dass Praialas Erklärung damit endet, dass sie sich zu einem Ort verlaufen haben, in dem eine unbekannte mehr als tausend Jahre alte Kultstätte mit Gräbern liegt. Und dass sie noch dazu einen Pfad bemerkt haben, der hierher führt, einen Weg, der noch benutzt aussieht. So wie jener der zu diesem grässlichen Haus zwischen den düsteren Bäumen führt.
Praiala nickt ihm mit einem ermutigenden Lächeln zu. "Komm schon, das ist ein zwölfgöttlicher Schrein. Der Ort sieht geschützt aus. Gehen wir ihn uns ansehen."
 
Die steinernen Wände des kleinen Tempels sind an den Fundamenten in die schwarze Erde eingesunken und die darüber liegenden Mauerschichten sind nachgerutscht und haben die ganze Konstruktion mit nach unten gezogen. Die rechten Winkel und geraden Linien verlaufen jetzt schief und ungerade. Das ganze Gebäude ist zusammengesackt. Das Dach ist verschwunden. Nur einige Bögen mit daran hängenden Ziegeln sind übrig geblieben, und das Ganze wirkt wie ein Gerippe, wie die schwärzlichen Überreste eines freigelegten Brustkorbs.
Teile von verrottetem Holz hängen von einem Eisenbalken auf der einen Seite herab. Sonstige Metallteile, die zu sehen sind, sind entweder schwarz vor Rost oder haben bräunliche Spuren auf den dunklen Steinen hinterlassen.
Ein paar Meter vor den zerfallenen Stufen des Tempels setzt sich Ron auf einen Steinbrocken. Er schweigt und sieht völlig erschöpft und demoralisiert aus. Er hat seine kaputte Jacke und das Hemd wieder geöffnet und umklammert den schmuddeligen Verband.
Praiala schaut sich den verwitterten Rundbogen aus Stein im Eingang des Schreins genauer an. Sie beugt sich näher und kratzt mit ihrem Messer vorsichtig am Stein herum. Quin steht hinter ihr. Ihre profunde Menschenkenntnis sagt der Geweihten dass Ron, wenn er nicht dort hinter ihnen sitzen würde, Quin jetzt sicherlich anschreien würde. Er würde von Quin eine Erklärung verlangen, was ihn bloß dazu bringt, in dieser Situation, wo er hungrig und nass und fertig ist, mit der Praiotin diese dämlichen alten Steine anzustarren. Es ist schon ganz angenehm, seine alles übertönende Stimme nicht zu hören, die normalerweise die Ruhe dieses Ortes stören würde, den sie nach einem schier endlosen Marsch durchs Gestrüpp gefunden haben.
Praiala schlägt mit der Hand gegen den Torbogen, als wolle sie prüfen, ob der Rest des Gebäudes zusammenbricht oder noch hält.
Auf zwei Steinen des Bogens kann man Einkerbungen erkennen, die offenbar die Form von Menschen oder Tieren haben, aber sie sind so sehr von Flechten überwuchert, dass man, auch nachdem Quin mit seinem Messer daran herumkratzt, nur ahnen kann, was sie wohl darstellen sollten. Verwitterte Symbole und andere nicht entzifferbare Einkerbungen umrahmen die Wesen und Figuren in der Mitte jedes Pfeilers. Vögel mit ausgestreckten Flügeln sind in den abgenutzten Kalksteinbogen oberhalb der Granitpfeiler eingeritzt. Und darüber war der Durchgang einst wohl von einem Holzbalken gekrönt worden, der jetzt aber so verrottet ist, dass nur noch feuchte vergammelte Überreste davon vorhanden sind.
Im Innern des Schreins sind die Wände früher einmal verputzt gewesen. Das meiste von diesem Putz ist abgefallen und hat die darunterliegenden Granitblöcke freigelegt. Die Steine sind mit milchig-grünen Flechten bedeckt. Zwei Reihen schiefe, von der Feuchtigkeit arg in Mitleidenschaft gezogene und von schwärzlichen Schimmelpilzen überwucherte Holzbänke sind noch immer zu einer Kanzel hin ausgerichtet, die aussieht wie ein Klumpen roh behauener Steine, der irgendwie am Gemäuer kleben. Auf dem Altar liegen abgestorbene Äste. Der Boden ist kniehoch mit welken Blättern bedeckt, die durch das löchrige Dach hereingefallen sind.
"Eine kleine Gemeinde", stellt Praiala fest. "Wahrscheinlich nicht mehr als zwanzig Mitglieder."
Quin bringt kein Wort heraus.
"Merkwürdig. Wirklich merkwürdig." Praiala tritt durch den Torbogen in den Tempel. Quin folgt ihr. Der Fußboden fühlt sich unter ihren Sohlen schwammig an, beinahe beweglich, als würden sie auf einer Art Matratze laufen. Er fällt schräg ab.
Und dann stürzt Praiala mit einem Mal zur Seite und bleibt liegen, nachdem ihre Beine hinter der ersten Reihe der Tempelbänke bis zu den Oberschenkeln in den von einer Blätterschicht bedeckten Fußboden eingesunken sind. "Au!" Sie bewegt sich nicht. "Ich bin durch den Boden gekracht."
Quin schaut erschrocken vor sich auf den Boden. "Alles okay?"
Praiala antwortet nicht und bewegt nur ihren Kopf. Sie sieht nach unten, dorthin, wo ihre Beine verschwunden sind, stützt sich dann mit einem Arm ab, der bis zum Ellbogen in den verrotteten Blättern versinkt, als sie nach etwas tastet, das ihr Halt geben kann.
"Praiala, ist alles in Ordnung?"
"Ich glaube schon."
"Hier. Nehmt meine Hand."
"Vorsicht", sagt Praiala. "Das ist alles total vergammelt."
Quin bleibt stehen, dann schiebt er sich ganz langsam auf die Wand zu, weil er das Gefühl hat, der Boden wäre dort stabiler.
Praiala richtet sich in dem Loch, in das sie eingebrochen ist, auf. "Das Holz hier ist total weich. Da musst du höllisch aufpassen. Stell dir vor, du würdest einen Splitter abbekommen. Wie weit kommen wir dann noch?"
"Oder einen rostigen Nagel."
Praiala legt den Kopf zurück, blickt zu den Überresten des Dachs und stöhnt laut vor Anstrengung. Sie hebt einen Fuß aus dem Loch und versucht, eine Holzbohle zu finden, die stabil genug ist, um ihr Gewicht zu tragen, damit sie sich neben der Bank zu ihrer Rechten wieder aufrappeln kann.
"Ich komme rüber", sagt Quin.
"Nein. Dann landen wir beide noch in der Krypta."
Quin lacht. In seinen eigenen Ohren klingt es ziemlich dämlich. Er hält inne und hört auf, blöd vor sich hin zu grinsen.
An der Seite ist der Boden fester. Quin arbeitet sich vorsichtig zur hintersten Bankreihe vor. Dann klettert er über die letzte Reihe und bleibt zwischen den hinteren beiden Bänken stehen. Dort ist kaum genug Platz für ihn, seine Beine sind zu dick. "Die Leute hier sind anscheinend sehr klein gewesen. Wie Kinder."
Praiala fühlt sich verunsichert von dieser Beobachtung, wie sie es schon öfter in historischen Gebäuden ähnlich erlebte, wenn sie sich unter den niedrigen Türrahmen ducken musste und die kleinen Betten und Stühle betrachtete, die einst von den längst Verstorbenen benutzt worden waren. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich in solchen Momenten plötzlich und unvermittelt mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert fühlt, einem heftigen Gefühl, von dem ihr beinahe schwindlig wird. Alles ist vergänglich. Alle, die hier gelebt haben, die diese Möbel benutzt haben, bevor sie zu Antiquitäten wurden, sind längst zu Staub zerfallen. Die unangenehme beklemmende Atmosphäre an diesem abgeschiedenen, feuchten und verrotteten Ort verstärkt ihr Gefühl von Einsamkeit. Trotz des Regens ist sie geradezu erleichtert, dass dieses Gebäude kein Dach hat das sie einschließt. Mit einem Mal ist sie dankbar für die Gesellschaft der beiden Schatzsucher. "Geweiht ist dieses Ding hier ganz bestimmt nicht mehr." Quin konnte nicht anders, als es laut auszurufen.
"Ich weiß, was du meinst." Praiala hievt sich wieder heraus und steht nun in dem engen Seitenschiff zwischen den Bänken und überprüft den Fußboden, bevor sie vorsichtig einen Fuß vor den anderen stellt, als gehe sie über eine dünne Eisschicht.
Quin steigt über die nächste Bankreihe, aber die Stelle ist brüchig und gibt nach. Er zieht den Fuß zurück und versucht es woanders, bis er festeren Grund spürt. Praiala ist inzwischen am Altar angelangt.
"Denkt ihr die Stelle dort, wo ihr gerade seid, kann uns beide tragen?", fragte Quin.
"Ich glaube schon." Praiala wischt die dicke Schicht welker Blätter vom Altar, bis sie ein Stück des nackten Steins freigelegt hat.
Quin nähert sich mit dem Rücken zur Wand vorsichtig dem Altar von der Seite her. Das dunkle Gemäuer besteht größtenteils aus Stein, der Putz ist lange abgefallen, nachdem der Regen, der durch das offene Dach fällt, ihn mürbe gemacht hat. Wie lange das gedauert hat, kann man kaum sagen. Bestimmt eine sehr lange Zeit.
"Und ist da irgendwas zu sehen?", fragte er.
"Nur so eine seltsame Kuhle. Hier direkt in der Mitte, siehst du. Das ist extra ausgehöhlt worden."
"Ein Taufbecken vielleicht."
Praiala nickt. "Da könntest du Recht haben."
"Und was habt ihr vorhin gemeint?"
"Hm?"
"Vorhin. Ihr sagtet, es sei merkwürdig hier."
Praiala verzieht das Gesicht und schaut ihn aufmerksam an. Dann klopft sie mit dem Finger auf den Steinblock, hinter dem sie steht. "Keine Boronsräder an den Wänden. Und alle eingeritzten Zeichen und Bilder sind tulamidischen Ursprungs."
"Wirklich?" "Und sehr alt. Dann sind da noch diese Symbole die wie Vögel mit ausgestreckten Flügeln aussehen."
"Also ich glaube, hier war mal ein Bild einer Sanduhr eingeritzt. Und außerdem etwas, das aussieht wie die Umgebung hier" – er deutet mit der Hand zur Tür und auf den Wald draußen – "mit den Blättern und dem ganzen Gestrüpp. Der Regen hat das meiste ausgewaschen."
"Toll, das schau ich mir mal an."
"Ich hab ein bisschen von dem Dreck mit dem Messer abgekratzt."
"Das ist ein ziemlich komplexes Bild, was wirklich eigenartig ist, weil ja das ganze Gebäude so simpel gebaut ist. Aber es muss einmal ein Boronschrein gewesen sein, wegen der Grabsteine. Wahrscheinlich wurde es zuletzt für diesen Zweck genutzt. Es ist nur merkwürdig, dass keine zwölfgöttlichen Symbole mehr zu sehen sind. Auch draußen sind keine Boronsräder. Scheinbar wurde hier auch niemand beerdigt in den letzten … Jahrhunderten. Wie passt das zusammen?"
"Der Schrein wurde zudem über eine noch ältere Kultstätte gebaut?"
"Genau. Irgendwann während der Dunklen Zeiten. Ein heiliger Ort der Magier von Ash'Grabaal vermute ich."
"Ash'Grabaal?", fragt Quin.
"Ja", antwortet Praiala, "Ich habe darüber gelesen. Der bosparanische Kriegsherr Karas beschreibt in seinen Schriften, seinen Sieg über das Königreich Luring, ein Reich das sich zu seiner Blüte über ganz Garetien und die westliche Rommilyser Mark erstreckte. Regiert wurde es von Königin Roana von Luring der sich der Greif Luringan offenbarte und die das Land mit immenser Truppenstärke von den Burgen Luringans Wacht, Greifenklau, und Sonnenhöh verteidigte.
Im Herzen des Königreichs Luring wucherte die Dämonenbrache.
Knapp ein Jahr, nachdem die Dämonenschlacht geschlagen war, errichteten hier Magier mit Dämonenhilfe den ersten Magierturm inmitten der Brache. Zahlreiche skrupellose Zauberkundige und Paktierer aus ganz Aventurien sammelten sich in dem verdorbenen Landstrich und errichteten weitere Türme, so dass sich innerhalb weniger Jahrzehnte überall in der Brache finstere, runde Bauwerke in den Himmel bohrten - Ash'Grabaal, das verborgene Königreich.
Die eigensinnigen Bewohner verschrieben ihr Leben und oftmals auch ihre Seele den Erzdämonen, allen voran dem Vielgestaltigen Blender und der Herrin der Chimären, die sie unter den Namen Iribius und Calynaria als Gottheiten verehrten.
Auch im Umland etablierten sich Kulte, die zu diesen Wesen beteten. Angeführt wurde die Magokratie des Verborgenen Königreichs vom Magister Daemonis, dem gewählten Herrscher, welcher vom Dämon Uridabash beraten wurde, einem hochrangigen Diener des göttlichen Iribius.
Auch Karas' Legionen konnten die Schrecken der Brache nicht bezwingen. Doch schreibt der Kriegsherr von den Bestienjägern, einem Kult dessen Krieger mit den von den Zauberern von Ash'Grabaal erschaffenen Mantikoren Jagd auf die gefährlichsten Bestien der Dunklen Zeiten machten und nur durch immense Zahlenmäßige Überlegenheit besiegt werden konnten.
Die Paltierer des Verborgenen Reiches erschufen in dieser Zeit eine Vielzahl von Chimären, groteske mit Dämonenmacht ineinander verschmolzene Mischwesen. Glücklicherweise waren nur die wenigsten dieser Ungestalten fortpflanzungsfähig.
Erst einem von legendenumrankten Helden ins Leben gerufenen Bündnis gelang es, in einem groß angelegten Feldzug durch die Dämonenbrache, Ash'Grabaal zu vernichten, zahlreiche Türme zu schleifen und den unheiligen Uridabash zu bannen."

Praiala macht eine kurze Pause und blickt sich im Schrein um.
"Dieser Schrein ist dann später gebaut worden. Vermutlich gehörte er zu einer Siedlung - hier in der Brache. Vielleicht mit Häusern wie das das wir gefunden haben. Die Menschen sind aber bereits seit vielen hundert Jahren nicht mehr zu Gottesdiensten hergekommen und haben ihre Toten hier nicht mehr bestattet."
Als sie dies sagt, wird Quin ziemlich mulmig zumute, sein Magen rebelliert. Das Durcheinander seiner unklaren Gefühle und Gedanken drängt ihn dazu, Praiala mit weiteren Fragen zu bestürmen, aber er hält sich zurück. Am liebsten würde er so schnell wie möglich von hier fortlaufen.
"Das andere Eigenartige ist", fährt Praiala fort und hebt dabei die Arme, "dass sich das alles immer noch hier befindet."
Quin verzieht das Gesicht.
Praiala deutete auf einen Steinsockel. "Hätte die Boronkirche in Gareth davon erfahren hätten sie den Schrein entweder abgetragen oder erneuert. Niemand hat die kunstfertigen Reliefs herausgebrochen und den Schrein ausgeplündert. Also, nur zwischen uns gesagt, ich glaube, niemand weiß bisher davon."
Quin bekommt einen ziemlichen Schreck, als Praiala das ausspricht, auch wenn er selbst schon den gleichen Gedanken hegte.
"Niemand ist bisher an diesen Ort gekommen, seit er verlassen wurde. Darauf kannst du wetten."
Quin schüttelt den Kopf und hofft, dass niemand bemerkt, wie verängstigt er ist.
Die beiden sehen sich einen Moment lang beunruhigt an, als Ron draußen vor dem Schrein zu schreien beginnt.

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Post by Idrasmine » Sun Aug 26, 2018 11:20 pm

Quin rennt aus dem Schrein. Ron steht knietief im Gestrüpp, wendet dem Schrein den Rücken zu und hat den Blick auf den überwucherten Friedhof gerichtet. Als er sich umdreht, ist sein Gesicht starr vor Schrecken und Angst. Den gleichen Ausdruck, erinnert sich Praiala, den er gehabt hatte, als sie ihn im Traum nackt und völlig aufgelöst in der Hütte gefunden hat. Seine Hose ist aufgeknöpft. Offenbar hatte er pinkeln wollen. Wäre er nicht so verstört wegen dem, was er gesehen hat, würde es ganz lustig aussehen.
Die Geweihte steht nahe des Altars, irgendwo weiter hinten. Sie war Quin nicht durch den Eingang des Schreins gefolgt. "Was ist denn passiert?", ruft Quin Ron zu und blickt sich fragend zu Praiala um, als keine Antwort kommt.
Ron hatte laut geflucht, als ob er gestochen worden war oder sich verletzt hätte und sich über den Schmerz empörte. Aber dann hatte er aufgeschrien, und es klang eindeutig nach Angst. Seit Quin über die Tempelbänke gesprungen und nach draußen in das wuchernde Unkraut gestürzt war, stand Ron nur noch reglos und schweigend inmitten des Regens. Das erscheint der Geweihten noch viel schrecklicher als sein Geschrei.
Quin sieht Ron an, der die braune, spitze Kapuze seiner kaputten Jacke über den Kopf gezogen hat. "Ron? Was ist denn los?"
Ron starrt zu den Bäumen, leuchtet mit seiner Laterne auf die beiden Grabsteine, die von der Lichtung vor dem Schrein aus zu sehen sind. Als er Quin's Stimme hört, steckt er sein Hemd in die Hose und macht den Gürtel zu. Dann dreht er sich um und stapft durch das Gestrüpp zum Schrein hin, als würde er sich am Strand in großer Eile den Weg durch die heranströmende Flut bahnen.
Quin sieht über seine Schulter hinweg und brüllt: "Praiala! Kommen sie raus! Sofort!"
Die Geweihte entgegnet etwas aus dem Innern des Schreins. Es wird von den Mauern gedämpft und ist so leise, dass er es nicht verstehen kann. Offenbar ist sie gerade mit irgendetwas anderem beschäftigt. Aber was konnte jetzt wichtiger sein als die Schreie, die Ron von sich gegeben hatte?
"Praiala!" Quin geht mit raumgreifenden Schritten auf den Schrein zu. Er schaut durch die Tür und sieht, wie Praiala sich im Halbdunkel nach vorn beugt. Ein Teil des Bodens um sie herum war eingebrochen und die Bänke auf der einen Seite des Tempelschiffs waren in die Mitte gekippt, als Praiala versuchte, dort hindurchzurennen. "Alles in Ordnung, Hochwürden?", fragt Quin.
Praiala nickt. "Jedenfalls mit mir, was man von diesen armen Seelen hier nicht gerade sagen kann." Sie deutet mit ausgestreckten Armen nach unten auf ihre Füße und schiebt einen Teil des Laubs und Geästs zusammen, um es auf die umgekippten Bänke zu werfen.
"Verzeiht, aber... Irgendwas stimmt mit Ron nicht. Vielleicht kommt ihr besser mal raus."
"Ich weiß. Ich hab aus der Tür geguckt. Aber er stand ja bloß rum. Was war es denn? Hat er sich an einer Wurzel verätzt? Ich hab euch doch vor den Pflanzen gewarnt."
"Ich glaube nicht, dass es eine Wurzel war. Was zum Namenlosen tut ihr denn da?"
Praiala blickt auf. Nur die Zähne und das Weiße in den Augen sind in der Dunkelheit in ihrem schmutzigen Gesicht zu sehen. Sie sieht ziemlich krank aus, wie sie da in dem kaputten Boden steht. Ihr Gesicht ist zerfurcht und schlaff vor Erschöpfung. Was auch immer sie da entdeckt hat, scheint die letzten Reste des angesichts ihres spannenden Funds gerade wieder aufflammenden Optimismus abzuwürgen. "Ich weiß echt nicht mehr, was ich davon halten soll."
Quin schiebt sich vorsichtig wieder über den morschen Boden ins Innere des Gebäudes. "Was denn? Was ist da?"
"Ich weiß wirklich nicht, ob ich das anfassen sollte."
Quin stützt sich auf die Lehnen der noch heilen Bänke und beugt sich zögernd vor, um in das Loch zu schauen, in dem Praiala steht. Um ihre Füße liegen jede Menge großer feuchter Blätter, die sich in dem schwachen Licht der Öllampe zu einer einzigen braunen Masse vereinen. Außerdem sind dort unten noch andere Dinge zu sehen, die Praiala teilweise unter den Blättern freigelegt hat. Es sieht aus, als lägen da noch viel mehr verrottete Äste und Zweige, feucht, dunkel und verfault. "Was denn? Was ist das da unten, Praiala?"
Praiala hebt den Kopf. "Sterbliche Überreste. Von Menschen."
"Ist das die Krypta?" Quin kann kaum seine eigene Stimme hören und muss schlucken, die Worte kommen nur brüchig und leise über seine Lippen.
Praiala schüttelte den Kopf. "Die sind nicht begraben worden. Da sind keine Särge. Die wurden einfach nur reingeworfen. Sind alle kaputt. Alle Schädel sind eingeschlagen."
"Oh nein, Scheiße."
Praiala bückt sich und hebt etwas auf. Instinktiv ruft Quin aus: "Fasst es nicht an!"
Praiala hebt es hoch, um es im trüben Licht zu betrachten. Draußen fällt der Regen immer dichter. "Das hier ist von einem Tier." Sie hält eine längliche Rippe nach oben. Dann lässt sie sie fallen und schlägt die Hände zusammen, als wolle sie sie auf diese Weise vom Schmutz befreien. Sie beugt sich wieder hinab, sucht in dem feuchten schwarzen Dreck unter ihren Füßen herum. "Ein Unterkiefer. Drei Wirbelknochen. Noch ein Haufen Rippen. Vielleicht von einem Pferd. Oder einem Elch. Keine Ahnung." Sie bückt sich erneut in die Gruft. "Aber alles vermischt mit solchen Sachen hier." Das Nächste, was sie hoch hält, ist ein menschlicher Brustkorb. Ein Arm löst sich geräuschlos ab, als sie das Ding aus dem Blätterhaufen zieht. Die blassbraune Farbe ist verstörend. Es sieht viel jünger aus als die Tierknochen. "Und das." Sie hebt einen Menschenschädel hoch, dessen Kiefer längst abgefallen ist. Die obere Zahnreihe ist schwarz, die Hälfte der Schädeldecke eingeschlagen. Sie lässt ihn fallen und reibt sich heftig die Hände an den Hosenbeinen ab.
"Menschliche Überreste und tierische Überreste zusammengeworfen. Ziemlich grausig das Ganze. Und die sind nicht alle alt. Ich meine, die liegen hier schon ein paar hundert Jahre, aber manche scheinen wesentlich älter als andere." Sie spricht jetzt mehr mit sich selbst und ist sich der Anspannung von Quin nicht bewusst, der gebannt neben ihr steht. Es scheint so, als wolle sie, indem sie laut spricht, eine befriedigende Erklärung für dies alles finden, obwohl es eindeutig auf etwas ziemlich Übles hindeutet. Beide zittern jetzt trotz ihrer wetterfesten Kleidung. Und es ist nicht nur der Regen und die Kälte, die sie erschauern lässt.
Quin ist nicht mehr in der Lage zu schlucken. Und was ihn noch viel mehr entsetzt als alles, was sie erlebt haben, seit er und Ron sich verirrt haben, ist die Erkenntnis, dass an diesem Ort der Unterschied zwischen Mensch und Tier aufgehoben worden war.
"Hier sind auch Kinderknochen."
"Um Himmels willen, Praiala!"
Praiala seufzt und schiebt mit dem Fuß den feuchten, schwarzen Unrat beiseite.

Quin legt seinen Arm um Ron. Er und Praiala sehen Ron fragend an. Der Regen fällt stetig aus dem nächtlichen Himmel und prasselt monoton auf ihre Jacken und Rucksäcke. Ron sieht furchtbar blass aus und erschauert immer wieder. Er schiebt die Hände unter die Achseln, um sich warm zu halten. Zitternd wirft er einen Blick über die Schulter. "Es ist hier. Es folgt uns."
Praiala und Quin schauen einander an, dann wieder auf Ron. Praiala blickt suchend in die Dunkelheit. "Was denn?"
Quin's Augen weiten sich und wirken in seinem fleckigen und verschorften Gesicht viel zu groß. "Wovon zum Namenlosen redest du da eigentlich?"
Ron schluckt. "Ich hab’s gesehen …"
Praiala atmet tief durch und legt ihre Hände auf Ron's Schultern. "Ist schon gut, jetzt beruhige dich mal. Mach einfach mal langsam. Und erzähl uns ganz genau, was du gesehen hast."
"Ich bin pinkeln gegangen. Dabei hab ich auf den Boden geschaut, damit ich mich nicht nass mache. Aber dann hab ich dieses merkwürdige Gefühl bekommen. Du weißt schon, so als würde jemand neben mir stehen. Es war direkt neben mir. Und als ich aufblickte … ich dachte ja noch, es wäre ein Baum oder so was. So mitten im Wald. Es hat sich nicht bewegt, aber es sah irgendwie verkehrt aus. Ich hab es angeguckt … und da hat es sich bewegt."
Quin blinzelt im Licht der Öllaterne. "Hä?" Die anderen beiden wenden sich dem überwucherten Friedhof zu.
"Da drin." Ron deutet auf eine Ansammlung von Bäumen, die über dem ersten Grabstein gewachsen waren, an dem sie vorbeigekommen sind. "Dort bei den Bäumen. Am Rand. Etwas ist dort rausgekommen und dann ganz schnell wieder zurückgegangen, und dann war es verschwunden. Es hat kein Geräusch gemacht. Es war unheimlich schnell."
"Ein Tier vielleicht?", fragt Praiala.
Ron schüttelt den Kopf. "Ich dachte erst, es sei ein abgestorbener Baum. Einer, der von einem Blitz getroffen wurde. Aber dann … ich weiß auch nicht … Ich glaube, es war etwas auf zwei Beinen. Etwas, das aufrecht stand. Ziemlich groß. In diesem Wäldchen da ist es sehr dunkel. Aber das Ding hat sich irgendwie getarnt oder versteckt, jedenfalls stand es ganz still."
"Verdammt, jetzt hör doch auf damit", sagt Quin. "Das ist nicht witzig. Jedenfalls nicht hier."
"Das ist kein Witz, Quin! Ich hab was gesehen. Ich hab’s schon mal in meinem Traum gesehen. In diesem Haus."
"Es reicht jetzt!", schreit Quin ihn an. "Ich versuche die ganze Zeit zu vergessen, was wir in diesem verfluchten Haus gesehen haben."
Quin wirft einen Blick in den Wald um sie herum. Dann schaute er Praiala an, die unter dem Dreck des Sumpfschlamms unmerklich erbleicht und ihn beunruhigt ansieht.
"Glaubt ihr mir etwa nicht?", fragt Ron.
Quin's Gesicht ist so angespannt, dass seine Lippen kaum noch zu sehen sind, während er die Zähne bleckt. "Nein, das tun wir nicht! Hör endlich auf, uns verrückt zu machen!"
"Vielleicht steckt wirklich etwas dahinter.", sagt Praiala leise mehr zu sich selbst.
"Was soll das jetzt heißen?", fragt Quin erschrocken.
"Nichts, es gibt nichts zu sagen. Aber dieses ganze verrottete Durcheinander dort" – Praiala deutet auf den verfallenen Schrein – "ist voll von menschlichen Knochen. Die liegen da total durcheinander."
"Was?" Hinter dem Schmutzfilm scheint Ron's Gesicht völlig farblos zu werden.
Praiala schüttelt den Kopf. Sie sieht aus, als hätte ihr jemand eine schlimme Nachricht überbracht. "Irgendwas Schlimmes ist hier passiert. Ich vermute, die Leute sind alle eines grausamen Todes gestorben."
"Was für ein grausamer Tod?"
"Zerfetzt, die Schädel eingeschlagen. Es sieht aus wie ein Massengrab aus dem Krieg, ist aber zu jung um aus der Ersten Dämonenschlacht zu stammen."
Ron's Zittern wird immer schlimmer. Und zum ersten Mal fällt Quin keine Entgegnung mehr ein.
"Wie denn?", wendet Ron sich an Praiala, aber es klingt mehr nach einer Bitte aufzuhören als nach Neugier.

Praiala schluckt und atmet tief durch "Wisst ihr, Praios sei Dank sind wir alle am Leben und sollten nicht weit vom Rand der Brache entfernt sein. Habt etwas Vertrauen in die Zwölfgötter und morgen Abend lacht ihr vielleicht schon über dies alles."
"Aber was ist das denn nur?", stößt Ron hervor.
Quin antwortet: "Ich weiß es nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich es überhaupt wissen will."
"Hexerei. Schwarze Magie. Ein uralter Kult.", meint Praiala, "Ich weiß auch nicht. Das was du da gesehen hast, Ron, war sicherlich ein Tier. Ein Elch. Oder ein Hirsch, Rotwild. Das gibt’s hier in der Brache. So einfach ist das. Wir sind total nervös. Wer wäre das nicht in unserer Situation? Aber wir müssen wieder runterkommen. Ein bisschen ruhiger werden. Und das meine ich sehr ernst." Sie wirft Quin einen eindringlichen Blick zu. "Wir dürfen uns nicht auch noch entzweien, es ist auch so schon schlimm genug, okay?"
Quin nickt. Auch ihm ist klar dass er sich in dieser Situation nicht auch noch mit Ron streiten sollte. In diesem verfluchten Wald, das ist ihm bewusst, müssen sie zusammenhalten wenn sie überleben wollen.
Schließlich meint er: "Wir sollten weiter marschieren, wenn wir hier rauskommen wollen. Ich schlage vor, wir ändern die Richtung und versuchen, den gleichen Weg zu nehmen, den wir auch in den Wald reingekommen sind."
"Was bedeutet, dass wir wieder an diesem verdammten Haus vorbeikommen", sagt Ron, der kurz davor steht, in Tränen auszubrechen. Es ist deutlich an seiner Stimme zu erkennen.
"Oder", sagt Praiala und breitet fatalistisch die Hände aus, "wir versuchen unser Glück auf der anderen Seite dieser Lichtung und ziehen es durch."
Ron schlägt die Hände vors Gesicht und stöhnt laut auf.
"Ein neuer Versuch?", fragt Quin in versöhnlicherem Ton.
Ron nickt.

"Gut.", antwortet er, "Und falls jemand noch ein bisschen Wasser übrig hat, wäre ich ihm sehr dankbar, wenn er mir einen Schluck davon abgeben könnte."
"Ich hab nichts mehr", sagt Quin und schnappt sich seine Öllampe, als hätte er Angst, die anderen könnten ihn stehen lassen.
Praiala reicht Ron ihre Wasserflasche. Sie war noch halbvoll. Das war der Rest.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Thu Sep 06, 2018 2:35 pm

Auf der anderen Seite des verlassenen Schreins wo die Birken und Weiden nicht so dicht stehen, und auch das dornige Gestrüpp im Unterholz dünner ist, bahnen sich die drei erschöpften Gefährten ihren Weg weiter nach Osten. Trotzdem kommen sie nicht wirklich gut voran, da die hüfthohen Farne, die aus der fetten Erde emporwachsen, sich überall wuchernd ausbreiten. Sie erreichen schließlich einen unebenen, steinigen Untergrund mit von schmierigen Flechten überzogenen Felsblöcken. Die Äste der hohen Bäume des Waldes breiten sich wie ein dunkles Gewölbe über ihnen aus.
Langsam kämpfen sie sich Schritt für Schritt über das feuchte, moosbewachsene Geröll, zwischen den von Wurzeln umwucherten Findlingen vorwärts. Obwohl das Unterholz weniger dicht steht ist die Sicht ob des Regens hier auch nicht besser. Der Boden ist auch nicht weniger gefährlich, und Praiala muss
sehr genau achten
Wildnisleben
IN
GE
KO
TaW
Mod.
15
13
11
10
-4
121:0
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
+3 Schwierigkeit der Probe (WdS 13)
-7 Gelände/Dämonenbrache (GDdG 194)
um nicht auf den glitschigen Steinen abzurutschen.

Als die Geweihte einen plötzlichen Schmerzensschrei hinter sich hört erkennt sie im Licht ihrer Laterne Quin hinter ihr auf dem Geröll liegen. Offenbar ist sein Bein eingeknickt, das Knie ist verdreht und er stöhnt als er sich mit Ron's Hilfe wieder aufrichtet.
Besorgt kniet sich Praiala neben ihn und
untersucht
Heilkunde Wunden, Erstversorgung
KL
CH
FF
TaW
Mod.
13
15
11
11
-13
121:1
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
-7 Schwere Gliedmaßenverletzung
-16 Absolute Dunkelheit (KuK 122)
+10 Licht der Sturmlaterne (KuK 122)
das Bein welches vor Schmerz unkontrolliert zittert.
"Du hast dir das Knie verdreht. Wenn wir so weiter gehen wird es anschwellen und vielleicht bald steif werden. Wir könnten mit einem Ast eine behelfsmäßige Krücke anfertigen.", erklärt die Geweihte.
Mit einem erneuten Gebet zu Praios und Peraine erbittet sie einen
Heilungssegen
Liturgiekenntnis, Praios
MU
IN
CH
TaW
Mod.
15
15
15
16
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121:2
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
+2 Grad der Liturgie (Grad 0)
-15 Dämonenbrache (Gefahrenzone)
. Ob der Götterverlassenheit des verfluchten Landes erwirkt ihr Gebet jedoch keine heilende Wirkung. Ron, der seinem Freund inzwischen einen Ast als Krücke abgebrochen hat, stützt ihn während sie weiter durch das unwegsame Gelände humpeln. Die Geweihte stapft den beiden voran, leuchtet mit der Laterne voraus und sucht einen Weg aus dem gefährlichen Geröllfeld.

Nach der felsigen Fläche erreichen sie erneut dichtes Gehölz. Seit sie den Schrein verlassen haben, versperrt ihnen überall dichtes Blattwerk den Blick auf den nachtschwarzen Himmel.
Als sie vor einem umgestürzten Baumriesen anhalten und mit den Lampen die Umgebung ableuchten plädiert Ron dafür anzuhalten, weil sie nur sehr langsam durch den Wald vorankommen. Noch immer sind sicherlich fünf Meilen der verfluchten Brache vor ihnen, aber Ron und Quin sind längst schon an ihre Grenzen gestoßen. Zweimal hatte Quin sich seit dem Geröllfeld mitten im Wald hingesetzt, schweigend, unwillig und unfähig, noch weiterzulaufen. Seine Bewegungen sind immer weniger zielgerichtet und immer unkoordinierter, so als sei er betrunken. In gewisser Weise ist er das auch, er ist betäubt vor Erschöpfung.

"Ich kann nicht mehr weiter.", sagt er schließlich.

Praiala und Ron sitzen dicht nebeneinander unter dem schmalen Vordach des Zeltes und sehen zu, wie beißender Rauch von den feuchten Holzstücken ihres kleinen Lagerfeuers aufsteigt. Mit dem feucht-modrigen Gehölz ließ sich trotz aller Bemühungen nicht viel anfangen und so mussten sie Lampenöl verwenden um es überhaupt zu entzünden. Der Regen hatte sich mittlerweile in ein feines Nieseln verwandelt und erneut breitet sich Nebel aus. Mit jeder Minute, die vergeht, während sie darauf warten, dass das Feuer endlich ein wenig Wärme spendet, wird es schwieriger ihre Füße zu erkennen oder den Ort, wo sie den Rucksack hingestellt haben.

An der Stelle, wo sie ihr Lager aufgeschlagen haben, ist der Waldboden übersät mit zerbrochenen Ästen. Es war beinahe unmöglich gewesen, hier ihr Zelt zu errichten. Bevor sie es aufbauen konnten, mussten sie erst einmal den Platz säubern. Praialas Finger sind wund, weil sie so viele abgestorbene Äste und Zweige beiseitegeräumt hatte, um eine kleine Fläche halbwegs frei zu bekommen. Nun steht das kleine Zelt irgendwie schlaff und schief da, besser haben sie es nicht hinbekommen. Unter dem Zeltboden sind noch immer jede Menge Wurzeln, Nesseln und Farne zu sehen, so dass man sich kaum vorstellen kann, an dieser Stelle auch nur einigermaßen bequem liegen zu können.
Ron geht davon aus, dass es eine schlimme Nacht werden wird. Irgendwie werden sie sie zusammengerollt oder in einer Ecke des Zweimann-Zeltes hockend überstehen. Immerhin wird es drinnen trocken sein, jedenfalls hofft er es. Von der Hüfte abwärts sind sie alle völlig durchnässt. Praialas Oberschenkel sind von der wattierten Unterkleidung wund gescheuert. Sie schiebt den nassen Stoff ganz vorsichtig bis zu den Knien, fürchtet aber, dass sie sie nicht mehr anbekommen würde, deshalb zieht sie sie lieber nicht ganz aus.
Quin liegt im Zelt in Praialas Schlafsack und schweigt.
Auf dem Fußende der daneben ausgebreiteten Wolldecke liegt ihre restliche Ausrüstung.
Zehn Minuten lang sitzen sie schweigend da und starren in die Dunkelheit.
Langsam fühlt Praiala wie die Erschöpfung durch die gewaltige Anstengung des Marsches sie übermannt.
Immerhin haben sie das Zelt an einer Stelle aufbauen können, die besser aussieht als alles, was sie in den letzten Stunden hinter sich gebracht haben. Hier sind sie einigermaßen geschützt vor den eisigen Luftströmen, die zwischen den Bäumen wehen, und haben einen halbwegs festen Untergrund, nachdem sie einen Großteil des morschen Geästs beiseitegeräumt haben. Als das Zelt aufgebaut war, machte Praiala sich daran, ein Lagerfeuer zu entzünden.
Sie sind viel zu müde, um sich zu unterhalten. Und sehen sich nicht einmal mehr an.

Die Geweihte hat sich in den vergangenen Stunden völlig verausgabt. Ihre Oberschenkel tun weh, in ihrem Gesäß pocht ein stechender Schmerz. Sie fragt sich, wie weit sie wohl gekommen wäre, wenn sie sich von den anderen getrennt hätte. Mindestens doppelt so weit. Würde ihre Prüfung nun daraus bestehen diese beiden Narren aus der Brache zu schleppen? Vielleicht hätte sie alleine mehr erreicht. Wer weiß? Als sie diesen grässlichen Schrein endlich hinter sich gelassen hatten, wäre sie den anderen am liebsten davongelaufen. Jeder Augenblick des Leidens, den sie ertragen muss, speist ihre Abneigung gegen Ron und Quin, die daran schuld sind, dass sie nun vor der Kommission des Illuminaten darlegen muss, dass sie sich mit nichten dämonischem Wirken gestellt hatte, sondern der Dummheit zweier verirrter Schatzsucher.
Gleich beim ersten Licht des Tages werden sie aufbrechen. Sie werden den Kompass nehmen und sich direkt nach Osten aufmachen. Nachdem sie einige Stunden geschlafen haben. Sie werden einfach immer weitergehen, egal durch wie viel Dornicht und Sumpflöcher sie sich kämpfen müssen, trotz der Angst und des Schreckens, immer dem Ziel entgegen. Praios wird ihnen beistehen.
Durch die Öffnung des Zeltes kann sie sehen, wie Quin schweigend daliegt, das verletzte Bein auf den Rucksack gelegt, um die Schwellung zu lindern.
Ron nickt und seufzt. Dann schaut er hinauf in das dunkle Blätterdach und zu den dicken feuchten Ästen, unter denen sie ihr Lager errichtet haben. Die Zweige dort oben verbinden sich zu einem tiefschwarzen Dach. Wasser tropft ihm ins Gesicht. Einige wenige dicke Tropfen klatschen gelegentlich in ihrer Nähe auf die Erde. Das Wasser findet immer einen Weg zu ihnen.

Aus dem Zelt hören sie Quin's Stimme. "Es tut mir leid, Kumpel. Wirklich, das ist mein Ernst. Die ganze Sache. Das war einfach … völlig daneben."
Eine ganze Weile antwortet Ron nicht. Und mit jeder Sekunde Schweigen wird die dicke Luft im Lager noch undurchdringlicher. Als er reagiert, klingt seine Stimme ganz ruhig. "Das stimmt. Aber deine Entschuldigung kannst du dir in den Arsch schieben. Ich will nichts davon hören. Wenn es nicht unmittelbar mit unserem Überleben zu tun hat, dann möchte ich kein einziges Wort mehr mit dir wechseln bis wir hier wieder raus sind."
Praiala wirft Ron einen Blick zu. Der verzieht das Gesicht und wendet sich ab.

Quin schnarcht im Zelt vor sich hin. Es klingt kaum noch menschlich, eher wie eine Maschine. Das ist kein Geräusch, an das Praiala sich gewöhnen könnte. Sie sitzt neben Ron mit ihrer Sturmlaterne unter dem Vordach des Zeltes. Das Lagerfeuer hatte nicht lange gehalten, und Wärme gespendet hatte es auch nicht.
Sie seufzt und starrt das feuchte Glasfenster der Laterne an. Es ist das einzige Ding, das ihr noch etwas Angenehmes bieten kann inmitten dieses Waldes, in dem es so dunkel ist wie am Grund des tiefsten Ozeans. Wenn man zu sehr ins Dunkel schaut und versucht, in dem Nichts irgendwelche Formen auszumachen, kann man völlig die Orientierung verlieren. Um sie herum pladdert der Regen herunter.
Praiala hat sich in sich zurückgezogen und wird von nur allzu vertrauten Gedanken heimgesucht. Warum wollen manche Menschen, so wie Ron und Quin, es einfach nicht wahrhaben, dass der Platz der ihnen von Praios in seiner unendlichen Weisheit in dieser Welt zugewiesen wurde, der ihre ist. Sie versuchen mit Diebstahl, Betrug, oder Schlimmerem ihren Mitmenschen das wegzunehmen für das diese im Schweiße ihres Angesichts schwer gearbeitet haben. Und für solche Menschen riskiert sie ihr Leben? Setzt ihre Chance in die Heilige Inquisition berufen zu werden aufs Spiel?
Dann sieht sie plötzlich Gesichter vor sich. Halb verhungerte, schmutzige Straßenkinder aus dem Südquartier. Um ein Stück Brot bettelnd im Dreck und Unrat der Straße.
Kriegsversehrte, Kranke und Krüppel.
Wie schon so oft verbeisst sie sich in die ungelösten Fragen ihres Lebens. Wenn sie könnte würde sie das gesamte Leid der Welt tilgen.
Sie fragt sich wieso sie zweifelt. Liegt es daran, dass sie als Abenteurerin durchs Land gereist ist anstatt sich ganz den Pflichten einer Priesterin im Tempel zu widmen? Hat sie ihren Auftrag, den Glauben an Praios zu verbreiten erfüllt? Den Glauben an die Gerechtigkeit, die himmlische Ordnung auf Dere und die Demut sich seinem Schicksal und der Herrschaft Praios' zu ergeben?
Die ganze Schwere der letzten Jahre drückt sie nieder, das Leiden des Orkensturms, die Belagerung Greifenfurts.
Auch ihre Erfolge im Kampf gegen die Umtriebe der Anhänger des Namenlosen Gottes helfen ihr nicht, ihren Schmerz, ihre Vergänglichkeit, ihre Desorientierung, ihre Fehlschläge und Fehler zu ertragen. Und sie gesteht sich ein, dass sie sich immer nach einer Familie gesehnt hat, wie viele ihrer ehemaligen Kollegen sie haben, nach einem Heim, einer Karriere und einem scheinbar zufriedenen Leben. Ohne diese Dinge, das war ihr vor ein paar Jahren schon klar geworden, könnte man auch nicht im Entferntesten hoffen, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Nicht ernsthaft, nicht in dieser Welt, nicht wenn man aus dem jugendlichen Alter herausgewachsen ist. Aber gleichzeitig verachtet sie sich auch dafür, dass sie sich danach sehnt, das zu bekommen, was ihre ruhigeren Kollegen haben, diese scheinbare Sicherheit, die vielen so selbstverständlich vorkommt. Sie verachtet sich dafür, dass sie sich danach sehnt, akzeptiert zu werden, weil sie doch gleichzeitig weiß, wie überflüssig sie sich in solchen Aufgaben und Stellungen vorkommt. Aber trotzdem sehnt sie sich danach. Das ist wohl der Kern ihrer unseligen Existenz, ihrer Verzweiflung. Wahrscheinlich wird sie sterben, ohne je ein normales Leben erreicht zu haben, unfertig und enttäuscht.

Plötzlich wird sie von einem lauten Krachen aus ihren Gedanken gerissen. Irgendwo dort draußen, inmitten der endlosen ungeordneten Reihen der Bäume und dem Meer von verrottendem Holz und undurchdringlichem Gestrüpp, ist ein großer Ast oder ein ganzer Stamm offenbar auseinandergebrochen. Der brutale Klang dieses mächtigen Zerberstens scheint sich in alle Richtungen zu verbreiten. Es ist praktisch unmöglich herauszufinden, wo dieses Geräusch seinen Anfang genommen hat.
"Bei Praios, hab ich mich erschreckt."
Ron, der neben ihr sitzt, atmet heftig aus. "Ich mich auch."
"Das hab ich schon mal gehört. Vor dieser Hütte.", erklärt Praiala, "Das war nur ein Ast, der runtergefallen ist."
"Meint ihr?", fragt Ron.
"Morsche Äste saugen sich mit Wasser voll und brechen ab."

Nach zehn Minuten Stille steht Ron stöhnend auf. Er scheint durch Praialas Worte überzeugt zu sein, dass keine Gefahr besteht. Die Geweihte selbst ist sich da jedoch nicht so sicher, will sich aber nichts anmerken lassen. Sie wundert sich, dass Ron ganz ruhig sagt: "Habt vielen Dank für Alles, ohne euch wären wir verloren! Ich lege mich jetzt hin. Ich brauche dringend etwas Schlaf."

Wenig später hört die Geweihte das Schnarchen der beiden Männer während sie weiter gegen die Müdigkeit und die Überanstrengung ankämpft.

Erneut vernimmt sie etwas ungewöhnliches. Aber die nachfolgende Serie von Geräuschen wird nicht von einem Baum verursacht und ähnelt auch nichts, das sie bisher in diesem oder irgendeinem anderen Wald gehört hat. Es ist eine Mischung aus ochsenartigem Keuchen und dem Bellen eines Schakals, aber so tief und kraftvoll, dass man sich ein viel größeres Tier mit einem viel mächtigeren Brustkorb und riesigem Maul vorstellen muss. Eine Bestie, etwas Wildes, dem man besser aus dem Weg geht. Das Geräusch wiederholt sich. Ungefähr zwanzig Meter von ihnen entfernt. Aber man kann nichts hören, was darauf hindeutet, dass sich da etwas bewegt.
Es ist garantiert ein Tier, etwas Großes. Praiala weiß, dass die Dunkelheit ganz natürliche Geräusche verfremden und verstärken kann. Sogar eine kleine Kröte kann mitunter gigantisch wirken und kilometerweit gehört werden. Ein Vogelruf kann mit einem menschlichen Schrei verwechselt werden, und im Lockruf eines Säugetiers kann man bisweilen Wortfetzen der menschlichen Sprache entdecken.
Was war das?
Und da ist es wieder, das eigenartige Geräusch. Viel näher jetzt, aber es scheint nun hinter Praialas Rücken zu sein und nicht mehr vor ihr, als hätte es geräuschlos ihr Lager umkreist.
Sie richtet die Sturmlaterne auf die umstehenden Bäume. Der Lichtkegel wird von dem dicken feuchten Blattwerk und Geäst aufgesogen.
Ein Dachs oder so was, schätzt Praiala. Oder ein Bär.
So sehr sie sich auch bemüht, sie kann sich keinen Bären vorstellen der solche Geräusche von sich gibt und sie weiß, dass es sich auch um ein dämonisches Wesen handeln könnte.
Leise greift die Geweihte nach dem Sonnenszepter, tritt aus dem Lichtschein und begibt sich leise ins Dunkel der Bäume um den vermeindlichen Eindringling zu überraschen. Doch sie kann nichts erkennen und das Geräusch ist auch nicht mehr zu hören.

Nach einer schieren Ewigkeit der Stille scheint die Geweihte schließlich überzeugt zu sein, dass keine Gefahr mehr besteht.

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