Game Thread (IC)

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Idrasmine
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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Wed Nov 14, 2018 4:19 pm

Die Einsamkeit überfällt Praiala so jäh und heftig, dass sie zu zittern beginnt. Dann kommt der Kampf gegen ihre eigene hysterische Panik. Als sie noch mit den anderen zusammen war, hat sie kaum mehr tun können, als sich zu beherrschen, aber nun, wo sie alle verschwunden sind …
In Gedanken spricht sie mit sich selbst. Ihr Gehirn unter der blutigen Bandage versucht unwillkürlich, Gefährten zu erfinden. Aber diese armseligen Stimmen verstummen so schnell, wie sie aufgekommen sind, wie kleine Kinder, die peinlich berührt in Schweigen verfallen, wenn sie mit einem ernsten Erwachsenen konfrontiert werden.
Regungslos bleibt sie auf der feuchten Lichtung stehen, wo sie vor kurzem noch mit einem Kameraden zusammen gewesen war. Die Bäume scheinen sie anzustarren, ruhig aber ohne jede Sympathie, als würden sie neugierig abwarten, was sie als Nächstes tun wird. Der Regen fällt weiter in seiner teilnahmslosen Art. Sie kommt beinahe um vor Durst, weil sie die Stellen nicht ausfindig machen kann, wo das Wasser sich sammelt.
Niemand antwortet auf ihr krächzendes Rufen. Sie fragt sich, wie lange sie warten soll. Ist da überhaupt noch jemand, auf den sie warten kann?
Sie erschauert. Umklammert den Griff ihres Sonnenszepters. Sie will, dass es sie angreift.
Genau jetzt. Dass es geduckt und schnell aus dem Unterholz hervorbricht. Sie aus dem Schatten anspringt. Sie ist bereit, in seine dämonische Fratze zu sehen. Sie würde diesen Anblick und den Gestank ertragen, selbst wenn das Ding dicht vor ihr wäre. Mit der letzten Kraft, die ihr verbleibt, würde sie sich gegen den monströsen Körper werfen. Und dem heimtückischen Mörder mit ihrer geweihten Waffe in einem letzten Aufbäumen eine tiefe Wunde zufügen.
Sie denkt an einen schwarzen Bart, getränkt mit heißem dampfenden Blut, eine rote Schnauze im fahlen Licht, die sich über die nackten Körper und herausgerissenen Innereien ihrer Weggefährten hermacht. Sie auseinanderzerrt und zerfetzt, bevor es die schlaffen weißlichen Körper als groteske Inszenierung in die Bäume hängt.
Zu welchem Zweck eigentlich? Warum müssen es unbedingt solche komplizierten und ausgeklügelten Akte der Zerstörung sein? Warum ist es so erpicht darauf, ihr durch die Entstellung ihrer ermordeten Gefährten Leid zuzufügen?
Tränen schießen in Praialas Augen.
Ihre Gefährten sind umgebracht worden, ohne dass sie darin einen Sinn erkennen kann. Sie sind umgebracht worden, wie viele Leute umgebracht werden. Ganz einfach, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Nach all der Zeit des Entwickelns, des Wachsens und Erwachsenwerdens, bei aller Vorsicht und der Fähigkeit, selbst herbeigeführte Katastrophen und eigene Fehler zu überleben, sich zu regenerieren, zu kämpfen und sich durchzusetzen, sind sie ganz einfach durch den falschen Wald gegangen. Und das war’s dann.
Komm schon raus, du dreckiges Schwein!
Sie knurrt vor sich hin und sehnt sich nach dem gerechten Zorn, der sie aus dieser lähmenden Situation befreit, aus diesem traurigen Augenblick, in dem sie sich dem Ende ganz nahe fühlt.
Denn was bringt einem schon dieses ganze vernünftige Denken? Man führt ein kurzes Leben, stirbt und wird vergessen. Nur um mal eben mitzubekommen, dass es genug Gründe gibt, wahnsinnig zu werden oder sich umzubringen. Hier draußen wird man abgeschlachtet wie Vieh und dann in einen Baum gehängt der einen unter niederhöllischen Qualen aussaugt oder in eine modrige Krypta geworfen. Hinein in den Haufen gammeliger Knochen von irgendwelchen toten Menschen und Tieren.
Wenn auch nur für ein, zwei Tage, das waren Gefährten gewesen, die sie aus dem Sumpf gezogen hatten in dem sie fast ertrunken wäre. Sie waren Kameraden.
Der Regen prasselt auf sie herab, und der Wind fährt lautstark durch die Baumwipfel. Aber niemand antwortet auf ihr Rufen und nichts greift sie an, jetzt, wo sie bereit dafür ist und keine Angst mehr empfindet, wo sie ihren geschundenen und erschöpften Körper und ihren gepeinigten Geist liebend gerne aufgeben würde.
Ganz allein steht sie da, die Hände an beide Seiten des Kopfs gelegt. Darin spürt sie den pochenden Schmerz, den die zermürbenden Anstrengungen der letzten Minuten verursacht. Sie schließt die Augen und denkt an die, die verschwunden sind, an Gefährten, die von der Brache verschlungen worden sind.
Wie es euch ergangen ist, so wird es auch mir ergehen. Schon bald.
Sie dreht sich um und stolpert in den Wald hinein.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Wed Nov 14, 2018 5:03 pm

Praiala liegt auf dem Rücken und sieht hinauf in das grüne Dach, bestehend aus Millionen Blättern und einem endlosen Gewirr von Ästen und Zweigen. Hier und da kann sie den Himmel erkennen, er ist dunkel. Einen Augenblick lang fragt sie sich, wo sie überhaupt ist. Dann erinnerte sie sich und schließt die Augen wieder.

Von einem Baum zum nächsten bahnt sie sich ihren Weg und benutzt die Baumstämme und niedrigeren Äste als Stützen. Das ständige Herumschwirren der Mücken wird lauter, wenn sich dann und wann eine ihrem Ohr nähert, um zu stechen. Vom vielen Kratzen sind die Stichstellen an ihren Gelenken wund und eitrig geworden.
Das Zerspritzen der Insekten, die sie erschlägt, macht sie nur noch durstiger. Sie betet um weiteren Regen, damit er die Insektenwolken vertreibt. Eigentlich dürften diese Mücken überhaupt nicht mehr da sein. Es ist ja bereits mitte Boron und Stechmücken findet man in Garetien nur in den Sommermonaten.
Ist das überhaupt die richtige Richtung? Sie fragt sich, wie weit sie wohl gekommen ist, seit sie den letzten Lagerplatz hinter sich gelassen hat. Es kommt ihr wie ein ganzer Monat vor. Der letzte Abend scheint sich vor einer Ewigkeit ereignet zu haben. Wie weit ist es noch bis zum Waldrand? Schließlich hört sie auf, sich Gedanken zu machen, und geht einfach weiter. Ein Schritt nach dem anderen, immer darauf gefasst, dass ein weiterer bohrender Schmerz ihren Schädel durchzuckt, wenn sie den Fuß auf den Waldboden setzt.
Nach zehn Schritten lehnt sie sich gegen einen Baum oder setzt sich ins feuchte Grün und wartet, bis sie wieder klarer sehen kann. Ihr Atem geht so heftig, dass schon allein der Akt des Luftholens sie fast genauso stark erschöpft wie der Versuch, mit ihren bleischweren Beinen einen Schritt voranzukommen.
Sie nimmt keine Unterschiede mehr in der Umgebung wahr. Der Wald ist nur noch eine wuchernde Masse, die sie kaum bemerkt, die sie einfach nur durchquert. Vielleicht baut ihr Körper sich ja ab, verzehrt alle Reserven, um ihr Energie für ihren Todesmarsch zu verschaffen. Es ist schon so lange her, seit sie etwas gegessen hat. Das Brennen in ihrem verkrampften Magen hat sich in Übelkeit und Bauchschmerzen verwandelt.
Um sich von ihrer schrecklichen Müdigkeit, der Langeweile und der Angst abzulenken, zählt sie sich auf, was sie alles gegessen hat: ein Stückchen Hartkäse, eine halbe Wehrheimer Hartwurst und ein Stück Koscher Bierbrot in den letzten sechsunddreißig Stunden. Wie ein leise gemurmeltes Mantra wiederholt sie immer wieder dieses karge Menü.
Das letzte Mal hat sie am Morgen etwas getrunken. Sie spürt den kalten Schweiß auf ihrer Haut und hält an, um sich erneut gegen einen Baumstamm zu lehnen.

Nach Einbruch der Dunkelheit kann sie gerade noch eineinhalb Schritt weit sehen, aber sie taumelt weiter durch die dunkle verschwommene Leere, ohne zielstrebig einer Richtung zu folgen.
Ihr Kopf hängt herab. Ihre Augen sind fast geschlossen. Aber sie spürt jetzt, dass sie nicht allein ist. Sie schaut auf und ist sich sicher, dass in ihrer unmittelbaren Umgebung irgendwelche Gestalten aufgetaucht sind. Und in der Finsternis zwischen den Bäumen bemerkt sie tatsächlich eine ganze Schar von kleinen weißen Silhouetten. Aufrecht stehen sie da, ganz still hintereinander, so weit ihr Auge reicht. Sie reißt ihr heiles Auge auf und blinzelt in ihre Richtung.
Und auf einmal sind alle diese … Kinder? … verschwunden.
Zwergweiden im dünnen Licht der Dämmerung. In ihrer Verwirrung hat sie sie für eine Schar kleiner weißer Menschen gehalten, schmale Gestalten, die sie selbstbewusst angestarrt haben.

Irgendwann nach Mitternacht ist sie sicher, dass Dariyon hinter ihr herläuft. Tejeran ist auch da. Sie sind wieder zur Vernunft gekommen und haben eingesehen, dass sie mit diesem komplizierten und ziemlich gut inszenierten Spaß zu weit gegangen sind, jetzt, wo sie so einsam und allein und verloren ist. Sie schämen sich so sehr, als sie ihre Reaktion auf ihren grausamen Scherz bemerken, dass sie ihre Gesichter von ihr abwenden. Und sie ist wütend, weil sie ihr so übel mitgespielt haben, und ignoriert sie einfach. Sie fühlt sich verraten und würde am liebsten in Tränen ausbrechen. Irgendwann geben sie es dann auf, ihr weiter zu folgen.

Als Quin neben ihr auftaucht und in seinen Schritt einfällt, ist Praiala viel zu müde, um mit ihrem Gefährten zu reden oder ihn zu fragen, wo er denn die ganze Zeit gesteckt hat. Aber sie lächelt ihn an und hofft, dass Quin spürt, wie froh sie ist, ihn hier inmitten der nächtlichen Finsternis des Waldes wiederzusehen.
Als sie anhält, um sich auszuruhen, und nach ihrer Sturmlaterne sucht – sie ist sich sicher, dass sie vorhin noch eine gehabt hat –, ist Quin schon wieder weg.
Praiala setzt sich auf einen Stein und schläft ein.

Sie beginnt eine Unterhaltung mit Ergan in der Taverne am Hesindeplatz zuhause in Gareth. Es ist ein sonniger Tag, und sie sitzen draußen, genau wie bei ihrer zweiten Verabredung, als sie in einem kurzen Rock die Rohal-Allee runtergekommen war, mit Lederstiefeln, und er kein Wort herausbekommen hatte vor lauter Erstaunen und Begehren, weil sie bei ihrem ersten Treffen noch das lange Novizenornat getragen hatte. Damals war sie nach Hause gegangen und zufrieden gewesen, dass ein so hübscher, intelligenter Junge sich für sie interessierte, obwohl es ihr eigentlich egal war, ob sie ihn wiedersehen würde oder nicht. Aber dann, beim zweiten Mal, war sie so hingerissen gewesen von ihm, dass sie gleich dort im Gastgarten beschlossen hatte, es mit ihm zu versuchen. Er sagte ihr so viele schöne Wort, machte ihr Komplimente in der blumigen Sprache der Tulamiden, und sie lächelte. Sie streckte die Hand aus und berührte sein Gesicht, biss sich auf die Unterlippe und sagte, er sei süß. Sie saßen stundenlang dort. Sie küssten sich und erzählten einander alles über ihre Arbeit, ihre Herkunft, ihre Familien, ihre letzten Beziehungen, all das, worüber man sich so unterhält, wenn man sich mit jemandem trifft, den man auf Anhieb gern hat.

Als sie nun aufwacht, weil der Schmerz in ihrem Hals und das Pochen hinter ihrer zerschnittenen Stirn sie in die Wirklichkeit zurückholt, spricht sie weiter mit ihm, bis sie merkt, dass sie allein ist und gegen einen Baumstamm gelehnt mitten im Wald hockt. Ihre Hose hat sich mit Feuchtigkeit vollgesaugt, die bis in ihre Unterkleidung vorgedrungen ist. Sie ist völlig durchnässt und zittert vor Kälte. Wo ist denn bloß ihr Schlafsack?
In der Dämonenbrache, Garetien, Mittelreich

Durch die Äste über sich kann sie erkennen, dass der Himmel sich blassgrau verfärbt. Der Morgen bricht an. Sie hat sicher drei oder vier Stunden geschlafen. Warum hat das Ding sie nicht getötet? Sie grübelt darüber nach, ist aber zu müde und zu sehr mit ihren Schmerzen beschäftigt, um zu einem Ergebnis zu kommen. Sie ist so durstig, dass sie nicht einmal mehr schlucken kann. Ihre Lippen sind salzverkrustet.
Ganz langsam bewegt sie sich auf allen vieren vorwärts.
Nur noch ein paar Schritt, dann legst du dich hin und lässt dich von der Dunkelheit aufsaugen.
Sie hält sich den Südweiser vor das heile Auge und sieht nichts. Sie läßt den Südweiser fallen und spürt, wie er an dem Band hängen bleibt, das sie sich um ihren Hals gelegt hat. Wie ein Pendel schwingt der Südweiser hin und her, aber sie bekommt ihn in der Dunkelheit dicht über dem Erdboden einfach nicht zu fassen.
Geh einfach diese Steigung hinauf bis zu dem Baum da.
Dort unten am Ende der Wiese sind zwei Steine, auf die du dich setzen kannst.
Zwischen diesen beiden Fichten durch, dort wo das Unterholz sich lichtet.
Hinter diesem Gebüsch dort jenseits der Kiefer könnte es Wasser geben. Es sieht genauso aus wie ein Platz, an dem es Wasser gibt.
Die Bäume dort oben auf der Anhöhe werden dünner. Lass uns einfach mal seitlich da hochklettern. So ist es leichter.
Auf dem Gipfel eines Erdhügels, um den herum der Wald sich teilt, als würde er Platz schaffen wollen, damit die Menschen sich unter einem einzeln stehenden Baum versammeln können, setzt sie sich hin und fühlt sich eigenartig geborgen. Hier erwärmt sich ihr Körper wieder, und der Schmerz in ihrem Kopf lässt nach.
Sie schlägt ein Auge auf und sieht über die Spitzen ihrer dreckigen Stiefel hinweg den Hügel hinunter. Der Morgen beginnt strahlend rot. Oder gaukelt ihr Auge ihr das nur vor? Die Sonne scheint zu ihrer Linken durch die Bäume, dort ist Osten. Sie dreht den Kopf, um in diese Richtung zu sehen, mit dem einen Auge, das sie noch offen halten kann. Und jenseits der verstreut wachsenden Bäume dort unten auf dem felsigen Grund entdeckt sie ein breites weißes Band, das sich unendlich weit ausdehnt. Dort gibt es keine dicken schwarzen Baumstämme und kein dichtes Astwerk, das das rötliche Licht abfängt. Sie blinzelt mit ihrem guten Auge in einen weiten hellen Ozean aus purpurnem Licht. Und sie fragt sich, ob das das Ende dieses schrecklichen Waldes ist oder der Anfang der Niederhöllen oder einfach bloß das Ende ihrer geistigen Kräfte. Es macht keinen Unterschied, denn sie wird sich nicht mehr bewegen. Sie kann nicht mehr. Nicht ein einziger Schritt, keine Bewegung in irgendeine Richtung ist noch möglich. In ihr ist nichts mehr außer der langsam abflauenden Kraft ihrer Glieder und das Abklingen der Gedanken in ihrem Kopf.
Aber was war das für ein Ding, das da plötzlich auftaucht, mit dem lodernden Höllenfeuer hinter seinem langgestreckten Körper? Es ist so groß wie drei ausgewachsene Männer, die auf den Schultern übereinander stehen. Dort am Rand des schwarzen Waldes kann sie es sehen. Was ist das nur, das dort den breiten Raum zwischen zwei gigantischen Bäumen ausfüllt? Es ist gar nichts. Denn als sie versucht, das undeutliche Bild klarer zu fassen, verschwindet diese Gestalt wieder und übrig bleibt nur der scharlachrote Himmel.
Aber das Bellen, das sie ganz in der Nähe hört, ist kein Produkt ihrer Einbildung. Nein, das ist etwas, das sie auch vorher schon gehört hat. Dieses hündisch-ochsenartige Keuchen, das von einem Ding stammt, von dem kein Wanderer, der es zufällig zu Gesicht bekommt, je erzählen konnte, und doch ist es wirklich. So wirklich wie diese raue Rinde, die gegen ihr Rückgrat drückt, und der kalte Wind, der über ihr feuchtes Gesicht streicht.
Ohne ihren übrigen Körper auch nur im Geringsten zu bewegen, streckt sie den Arm aus, mit dem sie das Sonnenszepter hält. Sie deutete damit auf die nebelverhangene Baumreihe, über die sich der karmesinrote Feuerschein des beginnenden Tages ergießt und sich seinen Weg durch die dunklen Zweige und Äste bahnt.
Sie muss wohl ohnmächtig geworden sein und aufgehört haben zu atmen, denn sie wacht mit einem Mal vom Geräusch ihres eigenen Luftschnappens auf und fragt sich, ob sie das alles nur geträumt hat. Was hat sie aus diesem Versinken in einer endlosen Dunkelheit, in der sie nicht mehr atmen konnte, herausgeführt? Eine Stimme. Sie hat jemanden sprechen gehört.
Aber sie kann ihm nicht genug Aufmerksamkeit widmen, ihr Kopf fällt wieder nach vorn. Sie spürt, wie ihr Kinn auf die Brust sinkt, und schließt ihr gesundes Auge. Noch immer hält sie das Sonnenszepter in der Hand, aber sie kann den Arm nicht mehr heben, während die Stimme näher kommt. Sie ist jetzt ganz nah. Sie ruft etwas. Spricht sie an. Ganz sanft. In einem Ton wie ein Liebender den anderen anspricht, als wäre Musik in seiner Stimme. Aber sie kommt nicht schnell genug heran, um sie aus dieser warmen, erdrückenden Dunkelheit zu holen, in der sie jetzt versinkt.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Tue Nov 20, 2018 11:33 pm

Sie kommen näher.
Stimmen.
Schritte.
Leute.
Ein Gemurmel auf Bosparanisch außerhalb dieser warmen schweren Dunkelheit, die sie umfängt. Eine Frau, jung. Und ... zwei Männer mit tieferen Stimmen. Sie spürt ihre Gegenwart über sich. Die Stimmen kommen näher und sind schließlich dicht vor ihren Füßen.

Praiala liegt auf dem Boden. Ihre Beine und der Rücken sind steif, aber sie ist auf einen weichen Untergrund gesunken. Unter ihren Schultern und ihrem Hintern brennt die Haut, wenn sie etwas berührt ... etwas Gepolstertes.
Jemand hat etwas um ihren Kopf geschlungen, sie spürt, dass da etwas ist, das einen leichten Druck ausübt. Sie kann die Größe davon abschätzen, es sitzt auf ihrem Kopf wie ein zu großer Hut, der bis über ihre Augen gerutscht ist.
Als sie versucht, die Augen zu öffnen, spürt sie, dass die Lider sich dagegen sträuben. Sie sind zugeklebt. Sie bekommt ein Augenlid ein kleines Stückchen weit auf, und ein weißer schmerzhafter Blitz schießt durch ihre Pupille. Sie schließt das Auge wieder. Wenn sie den Kopf bewegt, wird sie wahrscheinlich schlimme Schmerzen spüren, Schmerzen, die nicht mehr aufhören. Das weiß sie auch, ohne es auszuprobieren.
Sie schnappt nach Luft. Versucht zu sprechen. Aber aus dem ausgedörrten, brennenden Ort, der ihre Kehle war, dringen keine Worte. Ein Rascheln und ein leises Schleifen, als würde ein langes schweres Kleid über einen Holzboden gezogen, kommt aus der Dunkelheit heran und verstummt neben ihr. Eine kleine, trockene Hand berührt ihre Wange, um sie zu beruhigen. Jemand bittet sie, sich nicht zu bewegen. Eine ältere Stimme macht besänftigende Geräusche.
Bevor sie sich überhaupt an irgendetwas erinnern kann, das vor diesem Moment geschehen ist, sinkt sie zurück in die heilende Finsternis und ihre wohltuende Wärme.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Tue Nov 20, 2018 11:58 pm

Sie wacht auf und ist so durstig, dass sie nicht schlucken kann und ihre Lippen fühlen sich wie hauchdünnes Reispapier an, das jeden Augenblick zerreißen könnte. Es ist jetzt später als zuvor, viel später. Eine längere Periode des Schlafs liegt hinter ihr und ihre Augen fühlen sich wund an.
Es ist der gleiche Ort wie vorher, jedenfalls vermutet sie das, da sie das Gefühl hat, in gleicher Position auf der gleichen Unterlage zu liegen. Aber etwas Entscheidendes fehlt diesmal. Was nur? Aus ihrem Inneren ist etwas verschwunden oder weggenommen worden, als fehle ein schweres Gewicht. Etwas, das sie angetrieben hat bis zur totalen Erschöpfung, das ihr jeden vernünftigen Gedanken geraubt und das sie mit weit aufgerissenen Augen durch die Gegend gejagt hat.
Die Angst.
Diese erstickende, lähmende Angst, die sie beherrscht hat. Die zermürbende Allgegenwart einer Macht, die sie zerstören wollte, ist verschwunden. Und mit ihr diese grauenhafte Todesangst.

Nun fällt ihr auch wieder ein, was geschehen ist, bevor sie geschlafen hat. Wie ein eisiger Strom kommt die Erinnerung über sie, als dränge sie durch Mund, Augen und Ohren in sie ein. Sie spürt wieder die Kälte und die Nässe, ein einziges schreckliches Durcheinander von Bildern, und riecht wieder diesen widerlichen Gestank nach vergammelten Blättern und modrigem Holz.
Zerkratzt und blutend ist sie ihrem eigenen Ende entgegengetaumelt. Ihre Lungen haben gebrannt, ihre Beine waren von Krämpfen gelähmt, doch nun fühlen sie sich einfach nur noch warm und müde an. Ihr geschundener Körper ist von Narben bedeckt, und jede einzelne Wunde erzählt ihr eine Geschichte, die sie nicht noch einmal erleben will.
Malträtierte Gesichter tauchen vor ihrem geistigen Auge auf. Ron. Quin. Sie sieht die aufgehängte Leiche wieder oben im Baum, Haut, Fleisch und Knochen. Dann erinnert sie sich an die schmalen Silhouetten der spärlichen Bäume, die vor dem rot flammenden Himmel standen. Und an etwas anderes. Es war dort zwischen den Bäumen, es gehörte zu ihnen und war gleichzeitig etwas anderes. Etwas Aufrechtes, das sie beobachtete, dort drüben vor dieser unheimlich wirkenden, fremdartig strahlenden Kulisse. Die jähe Erinnerung an einen Schlag gegen ihren Kopf, als würde ein Hammer gegen eine Porzellanvase geschmettert, durchzuckt ihren ganzen Körper. Ihr eigener Schrei, den sie in der Dunkelheit vernahm, irritiert sie.
Aber nun ist sie gerettet und liegt in einem Bett. Jemand hat sie gefunden und sich um sie gekümmert. Ihr Herz füllt sich bis zum Bersten mit Dankbarkeit.
Mit aller Kraft reißt sie die Augen auf und hat das Gefühl, als würde sie in ihrem Kopf einen dünnen Stoff zerreißen. Ein heftiger Schmerz folgt, der sich anfühlt wie ein dumpfer Schlag hinter ihren Augen. Dann noch einer und noch einer, aber die sind schwächer und leichter zu überstehen und ereignen sich weiter innen in ihrem Schädel.
Hier an diesem Ort ihrer Rettung riecht die Luft unsauber. Es erinnert sie irgendwie an alte Kleider in einem Gebrauchtwaren-Laden. Sie spürt einen brennenden Durst, der von ihrer geschwollenen Zunge bis hinab in die Magengrube reicht. Sie öffnet die Lippen, die sich anfühlen, als wären sie aus trockenem Holz, und schmeckt den Verfall: feuchtes, verfaultes Holz, Schmutz, ein Bettlaken, das so tranig riecht, dass es an ein Tier erinnert.
Sie späht in das weiße undeutliche Etwas vor sich. Ihre Augen bewegen sich hin und her, die Pupillen ziehen sich zusammen und gehen wieder auf, fixieren erneut, und sie erkennt das Gewebe ihres Verbands. Eine dünne Schicht direkt vor ihren Augen, so nahe, dass sie sie beinahe mit ihren Wimpern berührt. Sie erinnert sich undeutlich, dass sie irgendwann verwundert bemerkt hatte, wie ihr Kopf im Schlaf von sanften Händen hin und her bewegt wurde. Von Händen, die ihr helfen wollten und sie beinahe aus den Tiefen ihres Genesungsschlafs geholt hätten. Das ist vor langer Zeit gewesen. Vor Wochen? Tagen?
Etwas Schweres und Dickes bedeckt ihren Körper von den Füßen bis zum Kinn. Unter dieser Decke ist es warm und angenehm, sie riecht bloß schlecht. Außerdem piekst sie etwas, als wären da lauter kleine Nadeln. Die untere Seite ihrer Oberschenkel schmerzt. Um ihren Brustkorb herum spürt sie viele winzig kleine Wunden.
Zwischen ihren Schenkeln und unter ihrem Hintern ist das Bett nass. Dieser Umstand alarmiert sie mehr als die Läuse oder Flöhe, die sie beißen.
Sie konzentriert sich und bewegt ihre Hüften, ihre Beine, ihre Füße, dann beugt sie die Knie, schließlich die Ellbogen. Ihren Hals hält sie ruhig und bemüht sich, weiterhin gerade nach oben zu blicken, hinauf in den schmuddeligen Stoff, der über ihren Augen hängt, während ihr Körper wieder zu sich findet und aufgeregt seine Möglichkeiten abschätzt.
Ganz langsam hebt sie ihren bleischweren geschwollenen Kopf von dem tranigen Kopfkissen, und der Geruch einer staubigen Decke steigt ihr in die Nase. Sie neigt den Kopf ein wenig nach vorn, kneift die Augen unter der Bandage zusammen und schaut nach unten.
Vor ihr erstreckt sich die hügelige Landschaft einer altertümlichen Bettdecke aus zahlreichen verschiedenfarbigen, ausgeblichenen und schmutzigen Flicken; ungleich große viereckige Stofffetzen bedecken ihre Füße. Die Decke reicht genau bis zu dem hölzernen Rand des Bettes, auf dem sie liegt. Es sieht aus, als befände sie sich in einem Kasten oder einem Sarg. Zwischen den seitlichen Begrenzungen ist sie tief eingesunken und liegt unter zahllosen alten Tüchern. Es ist eine Art Bett, aber so gebaut, dass man Angst haben muss, dass es einen Deckel dafür gibt.
Vorsichtig legt sie den Kopf auf die linke Seite. Im blassgrauen Licht sieht sie neben dem Bett einen Schrank aus dunklem Holz. Ein hölzerner Krug steht neben einem ebenfalls aus Holz gefertigten Becher. Unwillkürlich muss sie schlucken, und ihre wunde Kehle schmerzt.
Behutsam dreht sie sich auf die linke Seite und krümmt sich zusammen. Dann richtet sie sich auf einem Ellbogen auf und streckt die Hand nach dem Becher aus. Er ist schwer. Und gefüllt mit schmutzigem lauwarmen Wasser. Sie trinkt es aus und registriert erst hinterher den rostig-mineralischen Geschmack, der sich unangenehm in ihrem Mund ausbreitet. Wasser aus einem sehr alten Brunnen.
Ein schlagartiger heftiger Schmerz meldet sich hinter ihren Augen, und ihre Lider fallen zu, als wollten sie ihr Bewusstsein von der Außenwelt abschirmen. Ihre Muskeln erschlaffen vor Erschöpfung nach dieser kleinen Bewegung, die kaum der Rede wert war. Bin ich wirklich so kaputt? Sie lässt sich wieder in die Kuhle zurückfallen, die sich während ihres offenbar längeren Aufenthalts in diesem Bett gebildet hat. Sie scheint jetzt tiefer einzusinken als zuvor, tief hinein in eine übel riechende Kuhle ungelüfteter Decken.
Nun, als sie wieder ruhig daliegt, gehen die Schmerzen in ihrem Kopf zurück. Der große Schluck Wasser hat eine beruhigende Wirkung und schläfert sie wieder ein.
Sie ist gerettet. "Gerettet". Sie ist der Dämonenbrache entkommen und auch diesem Ding, das darin sein Unwesen treibt. Sie lebt und ist in Sicherheit. Gerettet. Lebendig. Gerettet. Tränen der Erleichterung laufen ihr über das Gesicht. Sie schluchzt. Und dann fällt sie in einen tiefen Schlaf.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Wed Nov 21, 2018 8:13 am

Es sind Menschen im Zimmer.
Schon wieder?
Sie beugen sich über dich, während du in einer Metallwanne stehst, und sie starren deinen bleichen Körper an. Sie sind alt. Wirklich sehr alt. Jeder Zentimeter ihrer Gesichter ist zerfurcht, ihre gelbliche Haut völlig zerknittert, fast schon runzlig wie unter den Augen, deren Blinzeln man kaum ausmachen kann, so tief liegen sie in den Höhlen. Aber wenn einer von ihnen den Kopf vorstreckt in diesen fahlen Lichtschein, dann kann man die milchig-blaue Hornhaut erkennen, die eine verfärbte Iris überzieht.
Eine dieser Gestalten könnte eine Frau sein, aber sie hat kaum Haare auf dem Kopf. Nur einige wenige weiße Büschel, die ihr an der Seite herunterhängen. Ihre Haut ist von dunklen Adern durchzogen. Die andere Person könnte ein Mann sein, vielleicht ist es aber auch nur ein großer ausgemergelter Vogel ohne Federn, zusammengeschrumpft und so mager, dass sich die Knochen unter der Haut deutlich abzeichnen.
Gekrümmt stehen sie da, in ihren schwarzen Gewändern, die wirken, als hätte man sie über die bloßen Knochen gehängt, und glotzen dich an, inspizieren deine Schultern, den Brustkorb, den Unterleib.
Finger mit Knöcheln von der Größe eines Pfirsichkerns, bedeckt von durchsichtiger Haut, durch die hindurch man das Fleisch erkennen kann, das wie das von toten Hühnern aussieht, tasten deinen fleckigen Bauch ab, als wärst du ein Stück Fleisch im Schlachterladen. Ein knappes Grinsen entblößt schwarze spitze Zähne in einem lippenlosen Mund, der eher wie eine wulstige Schnauze aussieht.
Du versuchst, etwas zu sagen, aber du bekommst kaum Luft. Sie sprechen murmelnd miteinander in einer Sprache, die du nicht verstehst. Mit trällernden, melodiösen Stimmen, die in eigenartigen Tonleitern auf- und absteigen.
Talglichter werden angezündet und an den Wänden aufgestellt. Ihr unruhiges Licht lässt die Schatten über dem dunklen Holz flackern und hebt die Hörner, Geweihe und ausgebleichten Knochen hervor, die dort festgenagelt sind.
Und weiter oben, direkt über dir, durch die Decke hindurch, hörst du ein Klopfen. Das Schlagen von Holz auf Holz. Wildes Hämmern und Pochen ohne jeden Rhythmus, als würde ein kleines Kind mit einem Kochlöffel auf einen Topf schlagen. Vielleicht ist dort oben ja ein Tier, ein Hund oder so etwas, sehr wahrscheinlich sogar, denn man hört es winseln. Das Winseln und Jaulen, das zwischen den Schlägen zu hören ist, wird gedämpft von der rauchgeschwärzten Decke.
Du bist dankbar dafür, dass diese Geräusche die alten Leute in ihren schmutzigen schwarzen Wollsachen dazu bringen, von dir abzulassen. Aber du bist nur für einen kurzen Moment erleichtert, denn die beiden gehen zur Tür und scheinen es auf einmal sehr eilig zu haben hinauszukommen. Der eine fummelt hastig am Türriegel herum, und der andere schaut nach oben zur Decke, mit einem freudigen Glanz in den Augen und einem breiten Grinsen, das noch mehr Zähne als vorher entblößt, als sie diese hart klingenden Schritte vernehmen, die sich im Stockwerk über ihnen hin und her bewegen, zuerst unregelmäßig, dann in einer Art Galopp.
Du versuchst, den beiden alten Leuten durch die Tür nach draußen zu folgen, aber es ist unmöglich. Du kannst dich nicht bewegen und über die Kante der schwarzen Metallwanne steigen. Deine Knöchel sind mit etwas Dünnem und Schmerzendem verschnürt, das in deine Haut einschneidet. Wenn du aufblickst, kannst du sehen, dass deine Hände sich an den Gelenken violett verfärbt haben, dort, wo sie mit Lederbändern zusammengebunden sind, die oben an der Decke um einen eisernen Haken geschlungen wurden.
Dann sind die alten Leute verschwunden, und du bist allein in dieser kalten Wanne aus Metall. Aber irgendwas kommt herunter aus dem Zimmer im oberen Stockwerk. Du kannst die knochigen Füße hören, die draußen vor dem Zimmer über die hölzernen Treppenstufen tapsen, und du kannst hören, wie irgendetwas seinen Körper durch einen engen Durchgang quetscht, und du hörst auch sein aufgeregtes Schnaufen.
Ein riesiger Schatten erscheint in der Tür zu deinem Zimmer. Du schreist laut auf, als du erkennst, wie es sich auf allen vieren dort hindurchzwängt, die langen Hörner nach vorn gestreckt.

Praiala erwacht mit einem lauten Schrei.
Sie ringt nach Atem, als hätte sie gerade nach einem rasend schnellen Sprint die Ziellinie überquert. Sie schreit nach Hilfe.
Sie kommt ziemlich schnell wieder zu vollem Bewusstsein, und der Alptraum verblasst zu einer bräunlich blassen Vision und verschwindet schließlich ganz. Schwer atmend liegt sie da und schnauft durch den Verband, der ihr Gesicht bis zur Nase verdeckt. Sie blinzelt und muss stöhnen. Für einen kurzen Augenblick hat sie geglaubt, sie würde an den Handgelenken gefesselt von der Decke hängen. Aber das war nichts weiter als die Verwirrung, die sie erfasst hatte, als sie im Dunkeln aufgewacht war.
Die Kuhle, in der sie liegt, ist feucht und warm, der Stoff klebt an ihr, ihr ausgestreckter Körper zeichnet sich darunter ab.
Sie späht unter dem Verband hervor, die Augen zu kleinen Schlitzen zusammengepresst, um den grellen dünnen Lichtschein ertragen zu können. Sie sieht die schmutzige alte Daunendecke, unter der sie liegt, die Seiten des Kastenbetts und zu ihren Füßen ganz vage eine dunkle Wand.
Noch immer in Sicherheit. In Sicherheit.
Sie hat nur schlecht geträumt. Das macht doch nichts. Hier gibt es keine schlimmen Überraschungen. Es sind ja noch andere da.
Sie denkt an ihre offene Wunde. Die Gehirnerschütterung. Sie berührt den Verband.
Atmet aus, ganz langsam. Der Verband sitzt fest. Sie ist sicher, und Hilfe ist unterwegs.
Sie schließt die Augen.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Mon Nov 26, 2018 9:20 am

Viele verschiedene lautstarke Klänge reißen sie aus dem Schlaf. Einige Sekunden lang murmelt sie weiter etwas vor sich hin, das an die dünnen, sitzenden Gestalten gerichtet ist, von denen sie geträumt hat. Dann wendet sie sich dem Ursprung des Lärms zu, der irgendwo jenseits dieses Raumes tost. "Bitte. Wer?"
Etwas oder jemand schreit. Es ist ein schrilles, unmenschliches Kreischen. Zu diesem durchdringenden Geschrei gesellt sich ein Geräusch, als würden ganze Bergflanken während eines Erdbebens aufeinanderprallen und in einen ungeheuerlichen irrwitzigen Rhythmus verfallen. Trommeln.
Das Bett vibriert. Sie spürt die Vibrationen in Händen und Füßen, auch in ihrer Magengrube. Bass.
Zwergische Musik. Von der Art wie sie Praiala in den luminiszenten Tanzhallen der Jungzwerge in Schatodor gehört hat.
Sie atmet erleichtert aus. Der Raum ist nicht etwa von einer Million summender Insekten erfüllt, die ständig gegeneinander prallen und eine riesige Schwarmwolke bilden, nein, es sind Gitarrensaiten, die in rasender Geschwindigkeit angeschlagen werden und so laut widerhallen, dass sie völlig verzerrt klingen. Irgendeine Art völlig abseitiger Musik donnert auf sie ein.
Praiala richtet sich auf ihrer stinkenden Bettstelle auf und stützt sich auf die Ellbogen. Ihre Augen stieren blinzelnd durch die Lücke im Verband. Sie presst die Hände gegen den Kopf. Schiebt den Verband über die Stirn, und das ganze Durcheinander der Mullbinden fällt von ihrem Kopf ab, als hätte es jemand unerwartet von hinten weggezogen. Kalte schale Luft legt sich um ihren nackten Schädel. Sie zwingt sich die Augen weit aufzureißen. Den Raum anzuschauen. Und dann zuckt sie zusammen.
Drei Gestalten stehen am Fuß ihres Bettes. Ihr bloßer Anblick macht ihr klar, dass die Niederhöllen, wie sie von der Praioskirche beschrieben werden, real sind, und dass sie dort aufgewacht ist.
Schwarze Hörner ragen aus dem Schafskopf des Wesens in der Mitte. Hart wie Eichenholz, poliert wie blanker Stein, wachsen sie direkt aus seiner mit Borsten übersäten Stirn, biegen sich über ihre ganze Länge nach außen, bevor sie nach oben knicken und in scharfen Spitzen enden.
Allein der Anblick verschlägt ihr den Atem und lässt in ihrem Kopf die Erinnerung an einen anderen düsteren Ort aufblitzen, eine Erinnerung, die in diesem Augenblick überhaupt keinen Sinn ergibt. Durch ihren Kopf schießen zahllose Bilder, als würden ständig neue Türen und Fenster aufgerissen und in rasender Geschwindigkeit wie ein verzerrter Film vorbeiziehen.
Die kohlschwarzen Ohren der Ziegengestalt stehen in einem Winkel von neunzig Grad von dem riesigen regungslosen Schädel ab, als wäre dieses Tier eben gerade auf einer Waldwiese überrascht worden. Die gelben Augen mit ihren großen ovalen Pupillen wirken wegen der hellbraunen Brauen und der langen Wimpern auf seltsame Art weiblich. Schwarzes Fell, glänzend wie der Schweif eines Pferdes, hängt vom Kinn dieser Kreatur herab.
Auch ohne seine beiden schaurigen Begleiter wirkt diese Ziege so, als würde sie immer größer werden und nicht nur fast den ganzen Raum bis zur Decke einnehmen, sondern jeden Halbfinger unter ihre unmittelbare Herrschaft bringen. Es ist eine ungeheuerliche majestätische Blasphemie, erschreckend und wahnsinnig zugleich.
Praiala erwartet, dass die Ziege die Hörner senkt, um damit in die Decke ihres Lagers zu stechen und dort herumzustöbern. Sie sieht sich schon in ihrem Bett zurückweichen, bis zum Kopfende, wo sie dann aufgespießt wird. Aufgerissen und mit klaffendem Torso würde sie zusehen, wie ihre Innereien sich über das Bettzeug ergießen. Sie denkt an den armen Ron, an Quin, und ihr Gesicht verzerrt sich zu einer Maske des Grauens.
Aber die Ziege steht einfach nur vor ihr, beugt sich über sie und starrt sie ruhig an, fast schon feierlich, und wirkt unter der niedrigen bräunlichen Zimmerdecke einfach riesig.
Ist das ihr Henker? Aber wenn es so ist, wieso trägt dieses Monstrum dann eine schmutzige schwarze Robe und darunter ein zerknittertes kragenloses Hemd? Die ausgefransten Ärmel sind halb über ihre Vorderläufe hinaufgezogen. Oder sind das Arme? Die schäbige Robe ist so eng an den Schultern, dass die langen Vorderbeine vom Oberkörper abzustehen scheinen. Es sieht aus, als hätte diese Kreatur sich die Kleider eines viel kleineren toten Mannes übergezogen.
Praiala schaut die anderen beiden Gestalten an.
Sie sehen aus wie Schauspieler in einer degenerierten Vinsalter Pantomime. Sie drängen sich rechts und links gegen die aufragende Ziege und verströmen einen Geruch nach muffigen Kostümen, nach dreckiger Garderobe und abgestandenem Schweiß.
Den Hasen anzusehen ist für längere Zeit unmöglich, er ist zu grässlich. Die Tatsache, dass er so klein ist, kaum größer als eineinhalb Schritt, lässt sein Gesicht nur noch grauenhafter wirken, obwohl er neben der mächtigen Ziege steht.
Lose Fetzen von bräunlichem Fell hängen von seinem langen Gesicht herab. Manische Augen, gelblich glühend und gleichzeitig schwarz vor tief empfundener Wut, treten aus knochigen Augenhöhlen hervor. Nach oben ragende Ohren, die nach vorn knicken, und irgendwie zerrissen aussehen. Zwei lange dicke Hauer hängen aus einem schmutzig-schwarzen Maul herab. Sie würden jede Beute blitzschnell tödlich durchbohren, wenn es so weit wäre.
Praiala schnappt nach Luft, hebt kraftlos eine Hand und hält sie schützend vor ihre Kehle, als wolle sie auf diese Weise die grauenhafte Bedrohung durch die hässlich vorstehenden Hauer abwehren. Der lange, mit haarigen Büscheln besetzte, fleckige und borstige Hals endet dort, wo zwei nackte milchige Schultern beginnen, die in schwere Brüste übergehen, deren rosa Brustwarzen hart und deutlich abstehen.
Voller Entsetzen muss Praiala den Blick abwenden. Nun verlangt das Schaf nach ihrer Aufmerksamkeit. Es schnaubt. Das erste Geräusch, das eine dieser Gestalten von sich gibt. Sie starrt in die durchdringenden blauen Augen dieses Tiers, bemerkt die rosigen Ränder und die ausgebleichten Wimpern. Es scheint sie mit einer unendlichen Traurigkeit anzuschauen, wie ein Gesicht auf einem uralten Familienportrait. Verfilztes, im Laufe vieler Jahre gelblich verfärbtes Fell, das um den Kopf herum kurz geschnitten ist, sich aber trotzdem wie das Haar eines menschlichen Kindes kräuselt. Oben auf dem Kopf sitzt ein Kranz welker Blumen, in den auch ein wenig Heidekraut mit eingeflochten ist. Unterhalb des Mauls mit den kleinen eckigen Zähnen und dem schmalen Kinn hängt ein spitzenbesetzter Kragen. Das Gewand aus brüchigem, fleckigem Stoff erinnert gleichermaßen an ein Totenhemd wie an ein altmodisches Taufkleid für ein kleines Mädchen. Aber die jugendliche Anmutung der Kleidung kann Praialas Schock angesichts des Anblicks eines aufrecht stehenden Schafs am Fuße ihres Bettes nicht mindern. Kann sie überhaupt nicht beruhigen, sondern macht im Gegenteil alles nur noch schlimmer.
Verzweifelt versucht sie, diesen surrealen Horror, der sich da vor ihr aufbaut, zu verstehen, aber in der Kakophonie der brüllend lauten Musik ist es ihr unmöglich, sich zu bewegen oder zu sprechen oder auch nur klar zu denken. Und ihre Besucher stehen einfach nur still da wie Schaufensterpuppen, starren sie aus unheimlich hell strahlenden Augen an und bewegen sich nicht, als würden sie eine Reaktion von ihr erwarten: ein Wort, einen Schrei, irgendeine schwache abwehrende Geste.
Auf einmal dreht sich der mächtige schwarze Kopf der Ziege zu dem Schaf, und irgendetwas wird zwischen ihnen ausgetauscht. Das Schaf geht zur Seite, sein rosafarbenes, innen behaartes Ohr kommt in Praialas Blickfeld, und dann hockt es sich auf den Boden, sodass sie es nicht mehr sehen kann. Ein weißer menschlicher Arm schießt aus dem fleckigen Kleid, mädchenhaft blass, aber oberhalb des Handgelenks mit schwarzen gezackten Tätowierungen übersät. Die Musik hört wie durch Zauberhand schlagartig auf und geht in eine unheimliche Stille über.
Praiala setzt sich auf, lehnt sich gegen das Kopfende ihres Kastenbetts und zieht die Beine an. Ihr Schock lässt allmählich nach, aber nur ein bisschen. Als sie sich bewegt, bringt sie die schmutzigen Schaffelle und das uralte Heu durcheinander, mit dem ihr Bettkasten gefüllt ist.
Wieso liege ich nicht bei einem Wundarzt? Und sie fragt sich ebenfalls, ob diese zweite unangenehme Begegnung mit einer schwarzen Ziege womöglich noch einen Sicherungsbolzen in ihrem Kopf hat brechen lassen. Jene Sicherung, ohne die sie für den Rest ihres Lebens in Panik und Todesangst verbringen wird.
Die Ziege hebt zwei menschliche Hände mit langgliedrigen Fingern. Das ist das erste Erfreuliche, das Praiala an dieser Kreatur bemerkt, denn sie hat eigentlich Hufe erwartet.
Schmutzige Fingernägel packen die haarigen Seiten des Ziegenkopfes, heben ihn nach oben, und die Maske gibt ein Gesicht frei, das Praiala lieber nicht gesehen hätte.
Das Gesicht ist mit einer hellen Schminkfarbe beschmiert. Alles ist weiß, bis auf die schwarzen Linien, die über die Stirn gezogen sind und auf jeder Seite des mürrischen Gesichts herablaufen. Die Augen sind mit ziemlich dick aufgetragener schwarzer Gesichtsfarbe so geschminkt, dass sie besonders tief in den Augenhöhlen zu liegen scheinen. Auch die Lippen sind schwarz angemalt, aber durch die Wärme unter der Maske und den Schweiß ist ein Großteil des obszönen breiten Munds verschmiert. Das Gesicht grinst Praiala höhnisch an und entblößt dabei gelblich-braune Zähne, die wie ungekochte Maiskörner aussehen.
Lange schwarze Haare, schmierig vor Schweiß, fallen in öligen Strähnen über das breite, traurige Gesicht der Gestalt. Dunkle Linien, gemalt und gleichzeitig tief eingegraben, verlaufen vom Nasenrücken zur Stirn, wodurch die Person aussieht, als würde sie die ganze Zeit die Stirn runzeln. Die Augen sind von einem eisigen klaren Blau, ihr Ausdruck durchdringend, verächtlich und sehr ernst. Der Mann trägt einen langen Bart, in dem Streifen von weißer fettiger Farbe zu sehen sind, die ihm einen hellgrauen Schimmer geben.
So schnell wie möglich nimmt Praiala die weitere Umgebung in sich auf. Sie sucht nach einer Tür in den rußigen Wänden. Zwischen dem Hasen und der Ziege geben die schmucklosen Wände eine Lücke frei, es ist nur ein schmaler Durchgang. Geschlossen. Um sich herum sieht sie nur uralten Putz, der sich ausbeult und von den krummen Holzwänden abbröckelt, wodurch der Raum eine eigenartig wulstige Form bekommt, die Praialas Beklommenheit, falls das überhaupt möglich ist, noch verstärkt. Ein kleines Fenster mit bräunlichen zugezogenen Vorhängen lässt nur gedämpftes Licht ins Zimmer.
Das Schaffell in ihrem altertümlichen Bett ist so schmutzig, dass es sich auf ihrer Haut gummiartig anfühlt, und sie bemerkt nun, dass auch ihr Körper noch immer völlig verdreckt ist, wie zu dem Zeitpunkt, als sie nach ihrem qualvollen Gewaltmarsch den Wald verlassen hat. Die Tatsache, dass sie nicht gewaschen worden ist, womit sie fest gerechnet hat, trifft sie mit einer derartigen Wucht, dass sie am liebsten laut losheulen würde.
"Willkommen", sagt der weißgesichtige Mann. Die Stimme klingt sehr tief, aber durchaus gefühlvoll. Die plötzliche Mundbewegung und der Tonfall lassen den Mann jünger erscheinen, als er Praiala in dem Augenblick vorgekommen ist, als er die Maske abnahm. Jetzt geht sie davon aus, dass dieser seltsame Mensch ungefähr Anfang zwanzig sein muss, vielleicht sogar noch etwas jünger.
Praiala räuspert sich, und ihre Kehle fühlt sich an, als würden tausend Stacheln darin stecken. Sie muss schlucken. "Wo bin ich?" Ihre Stimme klingt krächzend, ausgetrocknet, kraftlos.
"Südlich des Himmels", sagt die ernst dreinblickende Gestalt mit ihrer tiefen Stimme, die jetzt beim zweiten Mal noch absurder klingt als zuerst.
Ein dünnes hässliches Lachen kommt aus dem Innern des Schafskopfes. Die höhnischen bösartigen Laute werden durch die Maske gedämpft. Dann beugt sich die Gestalt vor, packt den grauenhaften filzigen Kopf unterhalb der Ohren und hebt ihn nach einigem Herumzerren ab. Der junge Mann richtet sich wieder auf, wirft den Kopf zurück und lässt sein langes schwarzes Haar über die Schultern fallen. Einige Strähnen, nicht dicker als Schnürsenkel, bleiben an seinen feuchten Wangen kleben.
Das schmale Gesicht des Schafes, das ein wenig unschuldig jungenhaft wirkt, aber auch an ein Wiesel erinnert, ist ebenso mit dicker Gesichtsfarbe verkleistert. Über seine Wangen laufen leuchtend rote Streifen, die wie Blutspuren aussehen und von den Nasenlöchern und den schwarz geschminkten Mundwinkeln aus nach unten verlaufen. Sie wirken, als wären sie ganz frisch.
Praiala schluckt. "Wer sind Sie?"
Die schaurige Antwort kommt aus der Kehle des Schafs und klingt wie eine Mischung aus einem Bellen und einem schrillen Kreischen. Dann kichert der junge Mann vor sich hin. Die blassblauen Augen in den schwarz geschminkten Höhlen sehen fröhlich dabei aus. Es klingt, als hätte er einen Namen geschrien: "Achmad Bal."
Praiala wirft ihm einen fragenden Blick zu und muss wieder und wieder schlucken. "Achmad Bal?"
"Aschkrabal", kreischt der Kerl wieder und sieht jetzt noch kaputter aus, als er zwei spindeldürre Arme, die aus einer Art Nachthemd ragen, zur Decke hebt.
"Wir sind die wilde Jagd", sagt die große Gestalt mit schwerem Akzent ziemlich großspurig.
"Die letzte Zusammenkunft", schreit eine gereizte, aufgeregte Stimme hinter der grässlichen Hasenmaske. Obwohl sie weiß, dass sich ein Mensch dahinter verbirgt, ist Praiala jetzt schon klar, dass sie sich angesichts dieser wilden Augen und der verkommenen Zähne niemals wohlfühlen würde.
"Ich verstehe nicht, was soll das heißen?", fragt Praiala und hofft, dass sie nicht merken, wie groß ihre Angst und ihre Verunsicherung sind. Sie ist alt genug, um zu wissen, dass es immer ein Fehler ist, vor labilen Menschen Schwäche zu zeigen.
Der grässliche Hasenschädel wird abgezogen und der Kopf einer höchstens zwanzigjährigen Frau kommt zum Vorschein. Auch sie hat sich das Gesicht geschminkt, aber im Gegensatz zu den anderen, die sich groteske Fratzen aufgemalt haben, die herrische Grimassen und blutige Wunden zeigen, hat sie die weiße Farbe und den schwarzen Stift benutzt, um ein wesentlich künstlerischeres Bild zu schaffen. Auf ihrem Gesicht mit den grellroten Linien und Flecken liegt ein Ausdruck gehässiger Fröhlichkeit oder Schadenfreude, als hätte sie erst kürzlich etwas obszön Sadistisches getan.
Um sie für sich einzunehmen und dieses nervtötende Spiel zu einem Ende zu bringen, deutet Praiala auf die wunden Stellen an ihrem Kopf, der sich viel zu groß anfühlt. Sie spürt eine dicke Kruste von getrocknetem Blut unter ihren Fingerspitzen. Die Wunde ist noch immer feucht und in der Mitte offen. Der Verband, der jetzt hinter ihr auf dem grauen Kopfkissen liegt, ist derselbe, den Quin ihr ungeschickt umgebunden hatte, als sie ohnmächtig auf dem felsigen Hügel lag, in der letzten Nacht, die sie draußen im Wald verbracht hatten. Diese weiß geschminkten Jugendlichen haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihr einen frischen Kopfverband anzulegen, und auch nicht daran gedacht ihren malträtierten und schmutzigen Körper zu waschen.
Nun sitzt sie aufrecht da, und der Schmerz, der tief in ihrem Schädel zu spüren ist, das permanente Unwohlsein und der Schwindel machen ihr allzu deutlich klar, dass sie dringend untersucht werden musste. "Ein Medicus. Mein Kopf." Sie schauen sie weiter an, ohne eine Gefühlsregung zu zeigen. "Ich brauche Hilfe, bitte."
Der junge Mann, der die Ziegenmaske aufgehabt hat, hebt den Kopf und sagt mit einem zu einer traurigen Grimasse verzogenen Gesicht: "Bald." Dann dreht er sich um, senkt den Kopf wieder und geht mit schweren Schritten auf die kleine Tür zu. Er muss knapp zwei Meter groß sein, seine Ausmaße wirken in diesem engen Zimmer völlig grotesk. Stahlkappen blitzten an seinen riesigen Reiterstiefeln auf, die unter der schmutzigen, schwarzen Robe zu erkennen sind. Die Absätze der Stiefel sind mit Nieten oder kurzen Nägeln beschlagen.
Die Häsin kreischt Praiala an und streckt ihr die Zunge heraus, die zwischen ihren glänzend schwarzen Lippen unerhört rot wirkt. Praiala schreckt unwillkürlich zurück. Dann folgt die Frau im Hasenkostüm dem Riesen auf ihren schmutzigen, nackten Füßen durch den schmalen Durchgang.
Praiala sieht den übrig gebliebenen jungen Mann an, der jetzt, wo er allein ist, noch abartiger wirkt in seinem schauderhaften Nachthemd und dem schmalen, mit Gauklerfarben beschmierten Gesicht.
"Meine Freunde", versucht Praiala zu erklären. "Menschen wurden getötet. Ermordet. Sie müssen die Stadtgarde rufen und die Praioskirche informieren. Sofort. Verstehen Sie mich?"
Der junge Mann legt den Kopf schräg und sieht sie spöttisch an. Dann imitiert er die tiefe Stimme und den höhnischen Unterton des großen Kerls: "Du musst dich damit abfinden, dass es hier keine Stadtgarde gibt. Sei froh, dass du noch lebst. Sehr glücklich kannst du sein, meine Freundin. Aber keine Sorge jemand ist losgegangen, um Hilfe zu holen. Sie wird bald kommen."
Völlig entgeistert starrt Praiala ihn aus ihrem Kastenbett heraus an. "Ich versteh nicht …"
Der Typ im Nachthemd streckt seine Brust heraus. "Alles ist gut. Bleib ruhig." Dann folgt er den anderen durch die Tür.
Praiala hört das laute Klackern eines schweren Schlüssels in einem alten Schloss, dann das schwere Stapfen von drei Paar Füßen, die durch einen hölzernen Raum oder Korridor trampeln. Lange noch nachdem sie sie allein gelassen haben, ist sie unfähig sich zu bewegen und starrt entsetzt auf die abgeschlossene Tür.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Sun Dec 02, 2018 12:52 pm

Verstört sinkt Praiala zurück, ihr Kopf schmerzt noch mehr als sie versucht sich aus dem Gesagten einen Reim zu machen.
Die wilde Jagd. Ein Grauen erfasst die Praiotin. Denn unter diesem Namen kennen Gelehrten eine Meute verschiedener Dämonen aus dem Gefolge des Jägers der Verdammnis. In den wenigen Fällen in denen sie die dritte Sphäre betraten wurden sie von ihrem Anführer herbeigerufen, einem trollgroßen, gehörnten Dämon namens Umdoreel, dem Meister der Jagd.
Legenden der Norbardenstämme des hohen Nordens berichten von Umdoreel als einem von drei Göttern welche durch die Herrscher der Niederhöllen versucht wurden.
Der-mit-den-Widderhörnern, der wachte über die Fruchtbarkeit des Leibes und der Herden wurde von der Dunklen Wollust genommen.
Der-mit-den-Stierhörnern, der wachte über den Sturm und die Kämpfer, wurde vom Blutigen Gemetzel verleitet.
Doch der dritte der gehörnten Götter stützte am tiefsten, denn er, der einst wachte über das Wild und die Jagd, fiel dem Eisigen Hetzer anheim. Und so wurde er zum Meister der Wilden Jagd, die Sterblichen zu hetzen, in seine Fallen zu treiben und ihre Seelen zur Strecke zu bringen.

Erneut wird der Geweihten schwindlig und sie braucht eine Weile bis sie sich wieder auf ihre Gedanken konzentrieren kann.

Südlich des Himmels. Was soll das bedeuten? Und was bezwecken sie mit ihren unklaren Antworten. Der Begriff sagt Praiala nichts. Obwohl. War das nicht ein Teil des Refrains eines Liedes, dieser ketzerischen, zwergischen Band in Schatodor?
Fragmente eines Liedtextes
Vorsichtig beginnt die Geweihte sich umzusehen. Der Durst quält sie und ihr gemarterter Verstand versucht verzweifelt ihre Situation einzuschätzen.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Wed Dec 05, 2018 9:32 am

Das metallische Klackern des alten Schlüssels in dem rostigen Schloss weckt Praiala, die neben dem Bettkasten hockt und vor sich hin döst. Sie richtet sich viel zu schnell auf und fällt gegen den Schrank. Der hölzerne Becher fällt zu Boden, der Krug kippt um und sein Inhalt ergießt sich über das Möbelstück. Das Aufschließen und Öffnen der Tür wird hastiger.
Bevor Praiala sich in eine halbwegs gerade Positur bringen kann, sieht sie eine ältere kleine Frau in einem langen Kleid eilig hereinkommen und sich auf sie zubewegen. Unter ihrem langen schwarzen Gewand, das sie bis zum faltigen Hals bedeckt, machen ihre kleinen Füße pochende Geräusche auf dem Holzfußboden. So laut, dass es ihr im Kopf wehtut.
Mit ihren winzigen Händen berührt sie sie nur ganz vorsichtig und führt sie zurück zu ihrem Bett. Dort sitzt sie nun und blickt blinzelnd um sich, während heftige Schmerzwellen aus dem Inneren ihres Schädels gegen ihre Augen drängen. Sie glaubt schon, sich übergeben zu müssen. Vor ihren Augen erscheinen silbrige kleine Punkte und ihr Nacken versteift sich. Dann muss sie sich tatsächlich übergeben. Ihr Magen zieht sich zusammen und quetscht einige Tropfen einer ekligen Flüssigkeit aus ihrem Mund. Die alte Frau murmelt etwas unverständliches auf Bosparano vor sich hin.
Während sie noch Galle spuckt, spürt sie, dass eine weitere Person in den Raum gekommen ist. Als sie spricht, klingt es in Praialas Ohren eher Garethisch als Bosparanisch. Sie erkennt die Stimme des jungen Mannes, der die Schafsmaske getragen hatte.
Die Übelkeit verschwindet wieder, und die Wände des Zimmers hören auf sich zu drehen. Sie schaut wieder zu der alten Frau. Ihr Gesicht ist ausdruckslos, aber die kleinen schwarzen Augen funkeln in den Höhlen. Sie ist so alt, dass die runzelige Haut ihres Gesichts sie an Walnussschalen erinnert. Das, was von den Augen zu sehen ist, wirkt fremdartig und eindringlich. Es ist unmöglich, sie länger anzusehen.
Ihre Lippen haben sich in den Mund zurückgezogen, das Kinn ist tief gefurcht und mit kleinen Haarbüscheln bewachsen. Das weiße Haar auf ihrem kleinen Kopf ist sehr dicht, aber kurzgeschnitten. Es sieht aus, als hätte sie es selbst mit einer Schere oder einem Messer gekürzt.
Beinahe hätte sie laut losgelacht angesichts dieser irrwitzigen Erscheinung, aber ihre Fremdartigkeit macht ihr gleichzeitig so sehr zu schaffen, dass sie stumm bleibt. Ihre Haut ist grau, an manchen Stellen auch gelblich wie bei einem gealterten Raucher. Sie kann kaum größer als eins dreißig sein. Aus der Ferne muss sie eher wie ein Kind in einem altmodischen hochgeschlossenen Kleid wirken. Auch das ist eine Feststellung, die ihr Unbehagen verursacht. Sie hat sich eine Schürze umgebunden, die bis zum Boden reicht. Sie muss einmal weiß gewesen sein, ist jetzt aber mit braunen Wasserflecken übersät.
"Ich komm nicht zu dir, wenn du kotzen musst", sagt der grinsende junge Mann, der hinter der alten Frau steht. Er hat das kindliche Spitzenkleid ausgezogen, und man sieht, dass er sehr mager ist. Nun trägt er eine schwarze Robe, auf die der Name "Gorgoroth" und verschiedene arkane Symbole gestickt sind. Die rissige weiße Farbe auf dem Gesicht des Jungen reicht nur bis knapp unter das Kinn. Sein Hals ist nicht bemalt, aber sehr blass. Der Adamsapfel tritt deutlich hervor. Er hält ein Tablett in seinen feminin aussehenden Händen. "Keiner von uns kann was Vernünftiges kochen. Wir würden sogar Wasser anbrennen lassen. Aber ihr Essen ist in Ordnung. Wenn man jeden Tag Eintopf mag."
Praiala ist nicht sicher, ob sie lächeln oder Danke sagen sollte. Sie weiß nicht, warum sie hier ist und wer diese Leute sind. Sie sagt nichts.
Auf einem hölzernen Teller liegt dunkles Gemüse, darüber ist eine braune klumpige Sauce gegossen worden.
"Wir haben auch was zu trinken. Wir machen es selbst, deshalb ist es ziemlich stark. Aber wahrscheinlich musst du kotzen, wenn du es heute trinkst. Also gebe ich dir lieber Wasser."
Er stellt das Tablett aufs Bett. Praiala sieht sich die Tätowierungen auf seinen Armen an. Sie sind schwarz und zeigen irgendwelche Runen, um die sich Blätter ranken. Auf der Innenseite eines Unterarms ist ein Mantikor zu sehen. Ein schlecht gezeichnetes schwarzes Raubtier verunstaltet einen seiner Handrücken. In seinem Gürtel steckt ein langer Dolch. Der schwarze Griff ist aus Knochen gefertigt. Die Klinge hebt sich glänzend von seiner dunklen Robe ab. Bei dem Anblick spürt Praiala, wie ihr Mund austrocknet.
"Bitte", sagt sie. "Mein Name ist Praiala. Ich bin verletzt. Ich brauche … Bitte, holen Sie doch Hilfe für mich."
Der Junge steht auf. "Praiala, hm? Ich bin Zhandukan." Er lächelt stolz. "Weißt du, was das bedeutet?"
Praiala starrt ihn ausdruckslos an.
"Es bedeutet Khoramsbestie. Ha! Weil ich einer Khoramsbestie ähnle, verstehst du? Das haben schon viele Menschen festgestellt. Und der andere von uns, der heißt Baar. Weißt du, was das heißt?"
Als Praiala ihn nur verblüfft anschaut und nichts weiter dazu sagt, erklärte er: "Dämon. Und er heißt so, weil er genau das ist, meine Freundin. Und das Mädchen mit den großen Titten – erzähl ihr aber bloß nicht, dass ich das gesagt habe – nennt sich Hazitai. Das ist doch ein schöner Name für eine Dämonin, oder? Es bedeutet nämlich Feuer. Und auch sie heißt so, weil sie genau das ist. Verstehst du mich?"
"Ja." Praiala will nichts mehr hören, kein Wort mehr, von diesem Idioten, der so komisches Zeug redet, es klingt einfach schwachsinnig.
Die alte Frau starrt sie immer noch an, was ihr auf die Nerven geht, obwohl sie peinlich vermeidet, in die undurchdringlichen Augen zu sehen, die aus ihrem kleinen, eingefallenen Gesicht glotzen. Sie lächelt nicht. Womöglich hat sie in ihrem ganzen Leben noch nie gelächelt.
"Und wo kommst du her, Praiala?"
"Gareth", antwortet sie automatisch.
"Ah, Gareth", wiederholt Zhandukan und betont dabei die zweite Silbe. Er spricht es aus als verbinde er tiefen Hass mit diesem Ort. "Eines Tages werden wir dorthin gehen, schätze ich."
Praialas Gesicht fühlt sich schwer an, und es schmerzt sie beinahe, dass sie angesichts dieses erstaunlich wirren Geschwätzes nicht in der Lage ist, eine Miene zu verziehen. Ihr fällt nichts dazu ein, und ein Teil von ihr will schon gar nicht mehr um Hilfe betteln. Instinktiv spürt sie, dass ihr dies eher schaden als nutzen würde.
"Und wieso bist du von Gareth hierhergekommen, Praiala?"
Praiala sieht zu Boden und schließt die Augen, weniger um nicht mehr von dem grellen Licht geblendet zu werden, als um sich überhaupt erinnern zu können. "Prüfung."
Der Junge schweigt und denkt anscheinend angestrengt über das nach, was Praiala da gerade gesagt hat. Dann fängt er an zu lachen, immer lauter, und kann offenbar nicht aufhören. Schließlich wischt er sich mit der Hand über das Gesicht und verschmiert dabei die schwarze Gesichtsfarbe mit der weißen Schminke. "Gottverdammt beschissene Prüfung, was?" Und dann lacht er wieder.
Wenn einer ihrer zwei zufälligen Begleiter nicht so brutal abgeschlachtet worden wäre und der andere nicht verlorengegangen wäre, dann würden Praiala diese Worte vermutlich kalt lassen. Aber so macht das Kichern des jungen Mannes sie wütend. Der Wutanfall ist ihr willkommener als das ständige Angstgefühl, das sie einfach nicht bezwingen kann. Nach den nervenzermürbenden grauenhaften Erlebnissen, die ihr jede Kraft geraubt haben, ist das geradezu erfrischend. "Meine Gefährten sind gestorben. Hier draußen. Im Wald. Wir hatten uns verirrt. Wir wurden angegriffen. Von einem …"
"Ihr seid den falschen Weg gegangen, meine Freundin. Das kann man wohl sagen."
"Was meinst du damit?"
Zum ersten Mal seit er hereingekommen ist, hört der Junge auf zu grinsen oder ein dummes Gesicht aufzusetzen und sich über sie lustig zu machen. Mit einem Mal ist er richtig ernst. Er schaut über die Schulter hinweg zu der offenen Tür, dann wieder zu Praiala. "Was hast du gesehen?"
"Wieso, was soll ich denn gesehen haben?"
Zhandukan lächelt und zuckt mit den Schultern. "Wie sind deine Gefährten denn umgekommen?"
"Sie wurden umgebracht … von irgendeinem Ding. Draußen im Wald. Zwischen den Bäumen …" Praiala kommt durcheinander, ihr fehlen die Worte. Gibt es überhaupt Worte, um zu beschreiben, was dem armen Ron passiert ist? Und Quin? Was ist mit Quin? Praiala senkt den Kopf, dann hebt sie ihn wieder und sieht Zhandukan an. Amüsiert der sich etwa?
"Wie hießen sie denn?", fragt der Junge. Wahrscheinlich eher, um das Thema zu wechseln, als aus ehrlichem Interesse für das Schicksal ihrer Gefährten.
"Wieso?"
"Ist auch egal." Zhandukan blickt wieder ernst drein und zieht ein, wie er glaubt, böses Gesicht. Dann scheint er sich in dieser Pose zu langweilen und fängt wieder an zu grinsen. "Und was machst du so in Gareth, Praiala?"
Was soll sie darauf antworten?
Zweifellos haben sie sie komplett verdreckt vorgefunden und sich offenbar nicht die Mühe gemacht ihre Ausrüstung zu durchsuchen, falls sie sie überhaupt mitgenommen haben. Daher kann Niemand ihre Identität erraten. Wie viel sollte sie nun von sich preisgeben? Der Junge ist wahrscheinlich geschickt worden, um sie auszufragen.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Wed Dec 12, 2018 12:24 pm

"Ich und ein paar andere sind dort zu Besuch... die große Stadt ansehen und den einen oder anderen Auftrag erledigen. Abenteurer sind wir... wir sind eigentlich viel in der Welt unterwegs... waren ganz im Süden und auch auf See... waren es drei oder viermal die wir Schiffbruch erlitten haben... ich weiß es nicht mehr genau aber das hier wirkt übler."
Sie schluckt sichtlich "Mein Kopf dröhnt so sehr. Gibt es jemand, der mir helfen kann, bitte?"
Praiala sieht von Zhandukan zu der kleinen alten Frau hin, die sich bisher nicht weiter an dem Gespräch beteiligt hat und dann zurück zu Zhandukan - bewegt den schmerzenden Kopf nur langsam.
"Ich bin auf jeden Fall für eure Hilfe dankbar. Wir Menschen - wie wir uns auch nennen, sollten zusammenhalten."

Der Junge sieht Praiala gelangweilt an.
"Magst du Musik?" Das scheint den Jungen tatsächlich sehr zu interessieren.
"Hast du mal Gorgoroth gehört?", fragt er.
Praiala schweigt, betrachtet aber aufmerksam die Robe ihres Gesprächspartners.
Richtig, denkt sie, das war der Name dieser frevlerischen Zwergengruppe die in Schatodor auftraten. Es kam zu einem Tumult in den Tanzhallen und einer Schlägerei. Ihr Freund Dariyon wäre dabei beinahe gestorben. Er behauptete damals der Gitarrist und Sänger hätte ihn mit einem namenlosen Fluch belegt.
"Von ihnen.", korrigiert Praiala den Jungen.
"Hä?"
"Ich hab von ihnen gehört."
"Kennst du dich mit Zwergischer Metallmusik aus?"
Praiala zuckt mit den Schultern.
"Welche Gruppen?"
Praiala stellt verärgert fest, dass sie tatsächlich eifrig versucht, sich an die Namen der Musikgruppen zu erinnern, die in Lorgolosch auf dem Programm standen und von denen die Jungzwergin Algrime gesprochen hatte.
"Was spielt das schon für eine Rolle?"
"Gar keine. Welche Gruppen?"
Praiala seufzt. "
Dimma Thorgir
rogolan. Dunkle Festung
"
"Angeber!", blafft Zhandukan angewidert.
"
Fortox Dorkarim
rogolan. Wiege des Abschaums
"
Der Junge hebt kommentarlos die Schultern und gähnt.
"
Venogrimm
rogolan. Gift
"
Er lächelte. "Die Meister! Jetzt wird es langsam interessant, Praiala aus Gareth." Dann fährt er mit gespielt tiefer Stimme fort: "Aber noch fehlt dir das nötige Wissen, meine Freundin. Du solltest dir mal
Rogmarog
rogolan. Bergkönig
anhören.
Dimmo Morzrom
rogolan. Dunkler Thron
.
Burzum
rogolan. Finsternis
. Und du wirst sie auch alle hören, während du unser Gast bist hier im Wald der ewigen Trauer. Und vielleicht, vielleicht, wenn du ein ganz braves Mädchen bist, werden wir dir sogar Baal Argrimm vorspielen." Der Junge verhält sich, als sei er angesichts von Praialas fehlender Begeisterung für die genannten Musikgruppen und ihrer anhaltenden Verwirrung enttäuscht. "Baal Argrimm! Meine Gruppe."

"Zhandukan."
Als er seinen Namen hört, verschwindet das Grinsen aus dem Gesicht des Jungen. "Das ist mein Name."
"Ich muss mal pinkeln."
Zhandukan schreit der alten Frau etwas zu, die seit sie hereingekommen ist, nichts weiter getan hat, als Praiala anzustarren. Nun bewegt sie sich ganz langsam durch das Zimmer und verschwindet durch die Tür. Ihre kleinen Füße machen dabei unerwartet laute Geräusche auf den unregelmäßig verlegten Holzbohlen.
Praiala wendet sich von der geöffneten Tür ab und versucht, sich ihre erwachte Neugier nicht anmerken zu lassen. "Und dann hätte ich gern meine Kleider wieder, Zhandukan der Sandwolf."
"Khoramsbestie. Ich bin Zauberer. Ein Magier!"
"Okay, dann Zhandukan der Magier. Ich möchte gern von hier fortgehen. Vielen Dank, dass ihr mich aus dem Wald gerettet habt. Ich wäre sonst sicherlich gestorben. Aber meine Gefährten wurden umgebracht, und ich muss das den Behörden melden. Und ehrlich gesagt, macht ihr mich ziemlich nervös."
Zhandukan lächelt böse. "Du bist eine weise Frau, Praiala aus Gareth. Denn die Khoramsbestie, den Dämon und das Feuer sollte man wirklich fürchten. Vor allem dann, wenn sie gerade auf Beute aus sind."
"Ich verstehe kein Wort."
Zhandukan grinst breit und entblößt seine vergilbten Zähne.
Die alte Frau kommt zurück ins Zimmer und schleppt einen Holzkübel herein, den sie kaum tragen kann. Es ist ein sehr alter Bottich, ein echtes Museumsstück, das mit Eisenbändern zusammengehalten wird. Zhandukan sieht zu, wie sie sich abmüht, macht aber keine Anstalten, ihr zu helfen.
Die Stimme des zweiten jungen Mannes dröhnt plötzlich aus dem Erdgeschoss nach oben. Er spricht Garethi, wie Praiala schon vermutet hatte. Zhandukan verdreht die Augen. "Ich muss jetzt gehen, Praiala. Aber wir werden uns bald wieder unterhalten. " Er deutet mit dem Kopf auf den Bottich, der offenbar ein altertümlicher Nachttopf ist. Die alte Frau stellt ihn vor Praialas Füße. "Bitte schön, tu dir keinen Zwang an, wenn du mal musst." Damit dreht er sich um und geht zur Tür. Die alte Frau folgt ihm mit lauten Schritten.
Praiala hört, wie der Schlüssel im Türschloss gedreht wird. "He! Warum schließt ihr die Tür ab?", ruft sie laut.
Aber sie bekommt keine Antwort.

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Re: Game Thread (IC)

Post by Idrasmine » Wed Jan 09, 2019 2:05 pm

Vorsichtig bewegt sich Praiala an den Wänden entlang. Sie sind schmutzig von Staub und Ruß. Der Dreck klebt so fest auf dem Verputz, dass er nicht abfärbt, als hätte er sich über Jahrhunderte angesammelt.
Zwei Wände des Zimmers sind, dem Klang nach zu urteilen, aus Holz, vermutlich Innenwände. Sie weisen jedoch keinerlei Ritzen, Fugen oder Löcher auf. Die anderen beiden Wände sind aus Stein. Große, wohl behauene Steinblöcke mit einer dünnen Schicht aus Mörtel zu einer dicken Mauer zusammengefügt.
In einer der Außenwände befindet sich eine kleine Fensteröffnung, die mit bräunlichen zugezogenen Vorhängen verhängt ist. Durch einen Spalt erkennt Praiala den grauen Himmel.
Ihr Magen knurrt und ein saurer Geschmack breitet sich in ihrem Mund aus. Sie blickt hinüber zum Bett auf das Zhandukan den Teller gestellt hat.
Das Besteck ist entweder aus Knochen gefertigt oder aus Holz. Praiala weiß es nicht, und sie will es auch nicht anfassen. Der Holzteller steht wacklig am Fuß des Bettes und ist halb gefüllt mit Fleischeintopf und Wurzelgemüse. Sie steht davor, sieht das Essen an und zögert. Ihre Hände wollen danach greifen, aber dann hält sie inne, obwohl der Geruch sie lockt. Ihr Magen knurrt und zieht sich erwartungsfroh zusammen, ihr wird schwindelig. Wann hat sie das letzte Mal etwas gegessen? Sie weiß es nicht, weil sie keine Ahnung hat, wie lange sie sich schon hier in diesem Zimmer befindet, in diesem Bett, in dem sie sich vollgepinkelt hat.
Das Essen ist lauwarm, es ist abgekühlt, während Zhandukan geredet hat. Immerhin ist es weichgekocht. Praiala kniet sich davor hin und senkt den Kopf.
Als sie die bittere salzige Sauce bis zum letzten Rest vertilgt und sogar vom Rand des Tellers abgeleckt hat, hört sie ein anschwellendes Stimmengewirr und lautstarkes Hin- und Herlaufen aus dem Stockwerk unter ihr.
Aufgeregte Stimmen. Schreiende und kreischende Stimmen, die den Gesang von zwergischer Metall-Musik imitieren. Grollend und gurgelnd, bevor sie in schrille Falsetttöne ausbrechen. Sie fragt sich, ob sie wohl auf diese Art miteinander kommunizieren oder sich einfach nur gegenseitig übertreffen wollen, wie Kinder es tun. Zhandukan ist der Lauteste. Praiala bezweifelt, dass der Junge überhaupt in der Lage ist, längere Zeit zu schweigen. Seine dümmlichen Ausrufe werden untermalt von Baars dröhnendem Bariton. Vielleicht imitiert das Mädchen ja dieses schakalartige Bellen und wetteifert mit Zhandukan darin. Es kann ja wohl kaum die alte Frau sein, die ihre Stimme derart entstellt. Und warum tragen sie ihre Schuhe im Haus, fragt sie sich, um sich gleich darauf idiotisch vorzukommen angesichts der Abwegigkeit dieser Frage. Aber das ständige hohle Stampfen ihrer Füße auf dem Holzboden kann einen schon verrückt machen, es ist höllisch laut. Sie zuckt zusammen, ihre Nerven sind bis zum Zerreißen gespannt. Es schüchtert sie ein, und sie hat Angst, sie könnten lärmend die Treppe hinauftrampeln und erneut in ihr Zimmer eindringen.
Auch mit den Möbeln gehen sie nicht gerade zimperlich um. Holzstühle, jedenfalls nimmt sie an, dass es Stühle sind, werden ständig laut auf dem Fußboden herumgeschoben. Es klingt, als würden sämtliche Möbel im Erdgeschoss umgeräumt oder umgeworfen, als würden dort unten Sachen zerschlagen. Sie fragt sich, wer wohl diese alte Frau ist. Ist sie mit einem aus dieser Gruppe namens "Baal Argrimm" verwandt? Sie wüsste gerne, warum sie den jungen Leuten erlaubt, sich so wild aufzuführen.
Auf einmal ärgert sie sich darüber, dass sie nicht gefragt hat, warum sie hier festgehalten wird und wer die alte Frau ist. Sie hätte auch noch eine Menge anderer Fragen stellen können, die sie unbedingt beantwortet haben will. Ihr wird eiskalt. Sind diese Jugendlichen etwa die Mörder ihrer Gefährten? Sind sie hinter ihnen her gewesen, haben sie sie gejagt? Sie zur Strecke gebracht. Diese drei, die Khoramsbestie, der Dämon und das Feuer?
Nein, das passt nicht zusammen.
Praiala hat ihren Verfolger, ihren Mörder, nicht gesehen, aber was sie erahnt und gespürt hat, ist viel zu flink und zu lautlos für ein menschliches Wesen gewesen. Sie kann sich nicht vorstellen, dass diese geschminkten Jugendlichen in der Lage wären, eine derart bestialische Durchtriebenheit an den Tag zu legen. Außerdem geht von ihnen nicht diese unnatürliche Präsenz aus, die sie sogar bis in ihre Träume verfolgt hat. Dieses Ding. Praiala schlägt die Hände vors Gesicht und schnappt nach Luft, als sie eine erneute Panikattacke erfasst.
Das Krachen und Kreischen der Jugendlichen dröhnt, als sie nach draußen gehen. Auf dem Gras ist das Getöse nicht mehr so laut zu hören. Nur dieses idiotische Geschrei will einfach nicht aufhören.
Praiala geht durch das Zimmer zu dem kleinen Fenster. Als sie den Vorhang behutsam öffnet bemerkt sie schwarze Nägel oder Metallstifte, die in der Fensteröffnung neben dem Fenster aus der Wand herausragen. An der Wand über dem Bett sind rechteckige helle Flecken zu sehen. Dort haben Bilder oder Ähnliches gehangen, und jemand hat die Sachen abgenommen. Das ist kein gutes Zeichen, denkt sie, auch wenn sie nicht erklären kann warum. Sie schiebt den ausgeblichenen zerfledderten Vorhang gänzlich zur Seite und sieht aus dem Fenster.
Draußen wird es dunkel, aber der Himmel ist noch hell. Sie schätzt, dass es ungefähr vier Uhr Nachmittag sein muss. Sie befindet sich zwei oder sogar mehr Stockwerke über dem Erdboden. In einem Turm? Ein orangefarbener Glanz fällt aus einer offen stehenden Tür oder einem Fenster irgendwo unter ihr.
Von ihrem kleinen Fenster aus kann sie beobachten, wie die Jugendlichen dort draußen einen Scheiterhaufen anzünden.
Schwärzliche Holzbalken sind ungefähr sieben Meter vom Turm entfernt auf einer Grasfläche, die sich bis zum Waldrand erstreckt, aufrecht gegeneinander gestellt worden. Dazwischen und darum herum liegen übereinandergeschichtete Äste und gebündelte Zweige. Ein roter Tonkrug mit Brandöl ist ebenfalls im dunkelgrünen Gras zu sehen, das schon lange nicht mehr geschnitten worden ist. Rund um den Scheiterhaufen sind die langen Halme plattgetreten.
Auf der Wiese wachsen einige wenige Obstbäume. Gegenüber des Gebäudes in dem sich Praiala befindet, steht eine kleinere Hütte. Es sieht aus wie ein umgebautes Kinderspielhaus oder eine Gartenhütte mit einer einzelnen Tür und einer kleinen Veranda. Dieses seltsame Miniaturhaus jagt ihr Angst ein. Es erinnert sie an das verlassene Haus, das sie im Wald gesehen hat. Diese Hütte ist sehr alt. Genauso wie dieses Zimmer und das ganze Gebäude. Alles um sie herum ist uralt und vernachlässigt. Die Gerüche, die in der Luft hängen, kommen ihr sehr fremd vor. In diesem Turm riecht es genau wie in der Brache. So wie mitten in diesem dunklen, von Feuchtigkeit triefenden Urwald, der sich jenseits des grasbewachsenen Grundstücks schwarz und mächtig und undurchdringlich ausdehnt.
Plötzlich wird sie von Panik ergriffen, als ihr der Gedanke kommt, dass der Scheiterhaufen dort draußen womöglich für sie gedacht ist. Und dass diese jungen Leute vorhaben, sie dort zu verbrennen.
Sie zwingt sich dazu, diese schreckliche Vorstellung aus ihrem Gehirn zu verbannen, und kämpft den Panikanfall nieder, der sie zu erfassen droht. Die sind doch einfach bloß jung und betrunken. Immerhin haben sie sie gerettet. Sie nehmen einfach nichts ernst, nicht einmal die Gefahr der Dämonenbrache.
Sie suchen das Besondere, das Aufregende. Das ist alles. Bestimmt ist längst jemand losgegangen, um einen Heiler zu holen.
Aber warum haben sie die Tür abgeschlossen? Praiala dreht langsam den Kopf und sieht zur Tür. Damit sie … geschützt ist. Aber wovor?
Praiala schleicht, so schnell sie sich traut, durch das Zimmer zur Tür und spürt dabei den schmutzverkrusteten Holzboden unter den nackten Füßen. Angenommen, dieser Schmerz in ihrem Schädel gehe irgendwann zurück und sie könne sich wieder besser bewegen, wäre es dann möglich, sich aus eigener Kraft und ganz leise aus diesem Gefängnis zu befreien? Das kleine Fenster ist zu eng, um hindurchzuklettern, also bleibt ihr nur die Tür als Ausweg.
Sie dreht an dem schwarzen Türknauf. Abgeschlossen. Das hatte sie sich schon gedacht, aber vielleicht kann man das Schloss irgendwie knacken. Das Gebäude ist alt, die Tür schmal, sie sieht ziemlich morsch aus. Als sie am Knauf ruckt und ihre nackte Schulter gegen das Holz drückt, stellt sie fest, dass die Tür stabiler und schwerer ist, als sie aussieht. Außerdem ist sie verzogen und hängt verkeilt im Rahmen. Man kann sie nur minimal bewegen. Ihre eben aufgekeimte Hoffnung auf einen einfachen Fluchtweg erlischt schlagartig.
Sie beugt sich vor und wartet, bis die heftigen Schmerzwellen in ihrem Schädel abebben. Dann geht sie wieder zum Fenster zurück.
Dort unten auf der Wiese haben Zhandukan und Baar ihre Roben ausgezogen und setzen ihre nackten Oberkörper der klirrend kalten Abendluft aus. Abgesehen von den Tätowierungen sind sie blass wie Maden, ihre Brustkörbe glatt, die Oberarme lang und dünn und ebenfalls mit schwarzen schnörkeligen Tätowierungen verziert. Ihre langen schwarzen, filzigen Haare hängen rechts und links von ihren jugendlichen weißen Gesichtern wie Tücher herab. Ihr ist bis jetzt noch gar nicht aufgefallen, wie lang Baars Haare sind. Sie reichen ihm wie ein Vorhang bis zu den Hüften. Seine Oberschenkel sind spindeldürr. Um den Oberkörper hat er einen Ledergurt gelegt, der seinen Brustkorb kreuzt. Er ist aus schwarzem Leder gefertigt und genietet. An den Unterarmen tragen beide jungen Männer vom Handgelenk bis zum Ellbogen Lederbänder, die mit langen silbernen Nägeln beschlagen sind.
Ihre Gesichter sind zu eigenartigen Grimassen verzerrt. Sie schauen mit weit aufgerissenen Augen zum dunkler werdenden Himmel auf und geben idiotische Schreie von sich, während sie die Arme ausbreiten. Praiala kann das Mädchen nirgends sehen.
Mit einem Mal bricht donnerndes Trommeln hervor. Der Ursprung der Musik befindet sich außerhalb ihres Blickwinkels, irgendwo unter ihr.
Ungeschickt leert Zhandukan den Tonkrug mit Brandöl aus. Silbrig spritzend ergießt sich die Flüssigkeit über das Holz. Baar holt einen Feuerstein aus der Hosentasche.
Es dauert eine Weile, bis sie den Scheiterhaufen zum Brennen gebracht haben. Viermal geht er aus, und sie müssen ihn erneut anzünden, obwohl der Dämon wild tanzt und Zhandukan aufgeregte Schreie von sich gibt, um die Flammen zu beschwören. Sie sind offensichtlich ziemlich betrunken.
Sie schaut sich weiter an, wie die jungen Leute umhertanzen. Die beiden Männer trinken aus großen Trinkhörnern selbst gebrannten Schnaps. Das Licht und die Hitze des Feuers dringen bis zu ihrem Fenster herauf, und sie muss ein Stück zurücktreten.
Auf einmal fühlt sie sich müde und erschöpft, schwach und schwindelig. Ihr ist übel. Dies ist wirklich nicht der Moment, um an Flucht zu denken.
Sie geht zurück zum Bett, legt sich auf die Decke und kümmert sich nicht weiter um die vom Urin feuchten Schaffelle und das verunreinigte Heu darunter. Sie schließt die Augen und zittert. Sie fragt sich, was hier eigentlich mit ihr passiert. Klar zu denken fällt ihr schwer. Die heiser brüllenden Stimmen und das irrwitzig schnelle Getrommel unter ihrem Fenster hämmern in ihrem Kopf, bringen ihre Gedanken und sogar ihre Atmung durcheinander. Sie will nur noch Ruhe haben und in die Dunkelheit bewusstlosen Schlafs sinken.
Ihre Situation ist völlig absurd. Aber sich ihr kampflos zu ergeben, wäre zu einfach. Sie befindet sich noch immer im Schockzustand. Vielleicht wegen der schrecklichen Dinge, die Ron und Quin dort draußen im Wald zugestoßen sind. In der Dämonenbrache, dem Wald, den sie durch ihr Fenster sehen kann.
Sie ist keineswegs in Sicherheit, sondern noch immer in Reichweite dieses Dings, was immer es auch ist, das dort draußen lauert. Sie hat noch nicht genug Zeit gehabt, ihre Lage vernünftig einzuschätzen, denn sie ist ununterbrochen um ihr Leben gerannt. Tagelang, nur um festzustellen, dass sie von einem Wahnsinn in den nächsten geraten ist. Und wer weiß, was diese beiden grauenhaften Situationen miteinander zu tun haben.
Wenn doch nur dieser Lärm, den die drei veranstalten, endlich aufhören würde. Sie will ihre Ruhe haben. Außerdem breitet der Lärm sich meilenweit in der Umgebung aus und lockt womöglich etwas Grauenhaftes an.
Aber die Musik dröhnt weiter, und die besoffenen Jugendlichen brüllen immer noch in den Himmel. Sie scheinen überhaupt nicht müde zu werden. Sie fragt sich, ob sie die ganze Nacht wach bleiben wollen.
Das Ding. Wissen sie davon? Hat Zhandukan sie nicht ausgehorcht? Heimlich, weil er nicht will, dass Baar etwas davon mitbekommt? Baar ist der Anführer. Er scheint intelligenter zu sein als die beiden anderen, vielleicht ist er ja sogar zu Mitgefühl fähig, auch wenn er sich im Augenblick völlig idiotisch benimmt. Zhandukan ist ein Dummkopf, ein großspuriger Heranwachsender. Irgendwie sind sie enervierend unreif, alle beide. Als wären sie nicht ganz dicht. Womöglich in ihrer Entwicklung zurückgeblieben. Im Gegensatz zu dem, was sie dort draußen im Wald angetroffen hat, ist ihre Angst vor ihnen nicht körperlicher Natur. Sie denkt über diese Empfindung nach. Ja, sie ist eher misstrauisch, was ihre Absichten betrifft, die Gründe, aus denen sie sie in diesem Zimmer eingeschlossen haben, als dass sie sich vor dem fürchtet, was sie ihr antun könnten. Sie vermutet, dass sie disziplin- und verantwortungslos, aber harmlos sind. Die alte Frau wiederum ist reif genug, um so etwas wie Verantwortung zu kennen. Sie hat sie gefüttert, ihren Verband wieder angelegt und ihr über die Wange gestrichen. Sie erinnert sich an das Gefühl und erschauert. Wenn ein Großmütterchen dabei ist, kann eigentlich nichts Schlimmes passieren. Sie muss sich einfach nur entspannen und abwarten. Die Masken haben sie in Panik versetzt, das ist alles. Aber andererseits scheinen sie sich überhaupt nicht um ihr Wohlergehen zu sorgen. Sie haben sich nicht um ihre Kopfverletzung gekümmert. Stattdessen feiern sie eine beschissene Party. Haben sie wirklich jemanden losgeschickt, um Hilfe zu holen? So langsam fühlt sie sich wie das Opfer eines sehr ausgeklügelten Streichs. Sie spielen mit ihr. Sie beschäftigen sich mit Dingen, die ihr völlig abseitig erscheinen. Ihre Situation ist wirklich lächerlich.
Aber was soll sie tun. Was kann sie tun?
Leise betet sie zu Praios und Peraine um einen
Heilungssegen
Liturgiekenntnis, Praios
MU
IN
CH
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Mod.
9
9
15
16
-10
161:0
TaP*
Anmerkung: Die Erschwernis setzt sich wie folgt zusammen:
+2 Grad der Liturgie (Grad 0)
+3 Aus einer Notlage heraus
-15 Dämonenbrache (Gefahrenzone)

Wirkung: Der Segen heilt 6 LeP
. Eine heilende Wärme breitet sich in ihrem Körper aus. Es fühlt sich an als würden die Strahlen der warmen Sommersonne des Praiosmondes ihre kalten Glieder erwärmen.
Vor dem Turm dröhnt es ununterbrochen weiter. Der Mahlstrom des Lärms will nicht aufhören, bis ihre Erschöpfung und ihre Verwundungen dafür sorgen, dass sie dennoch in tiefen Schlaf fällt.

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